Soziale Folgen der Asienkrise:
Hungersnot in Indonesien,
Massenarbeitslosigkeit in Südkorea
Von Wolfgang Weber
22. August 1998
In Indonesien, dem Land mit der viertgrößten Bevölkerung der Welt, leiden nach Angaben des nationalen Statistischen Büros 32 Millionen Menschen bitteren Hunger - viermal soviel wie vor einem Jahr. Von insgesamt 202 Millionen Menschen leben rund 80 Millionen unter der Armutsgrenze. Für Ende des Jahres wird ein Anstieg dieser Zahl auf 96 Millionen erwartet, vor zwei Jahren lag sie bei "nur" 22,5 Millionen. Dabei muß man berücksichtigen, was die indonesischen Behörden unter "Armutsgrenze" verstehen: in städtischen Gebieten ein Monatseinkommen von 52,47 Rupien (das sind etwa 5 Mark) bzw. ein täglicher Nahrungsverzehr von 2.100 Kalorien pro Person!
Auf protestierende Stahlarbeiter in Bekasi bei Jakarta, die diese Lebensbedingungen nicht akzeptieren wollten, ließ die Regierung von Präsident Habibie Anfang Juli schießen - ganz so wie vorher Suharto.
In Korea sind, seitdem die einst als radikal geltende Korean Confederation of Trade Unions (KCTU) im Frühjahr einen Generalstreik abgesagt und Massenentlassungen zugestimmt hat, Hunderttausende von Arbeitern auf die Straße gesetzt worden. Offiziell wird die Arbeitslosigkeit bereits mit 1,7 Millionen angegeben, in Wirklichkeit liegt sie jedoch weit höher. Alle Großkonzerne haben für die nächsten Monate weitere Massenentlassungen angekündigt. In der Hauptstadt Seoul leben inzwischen schon über 3.000 früher in Autofabriken oder Stahlwerken beschäftigte Arbeiter mit ihren Familien obdachlos in Parks und Bahnhöfen.
Und Präsident Kim Dae Jung, der "Freund der Arbeiter" und "Hoffnungsträger der Demokratie", wie er vor einem Jahr noch von der KCTU und von gewerkschaftlichen Kreisen auch hier in Deutschland gepriesen wurde? Er zeigt sich entschlossen, den Arbeitern gegenüber Härte zu demonstrieren. Wie seine Vorgänger hat er Hunderte von Gewerkschaftsfunktionären verhaften lassen, obwohl selbst die KCTU sich zur Erfüllung der IWF-Auflagen verpflichtet hat und der Regierung dazu immer wieder die Zusammenarbeit anbietet, um "eine unkontrollierte soziale Explosion zu vermeiden".
Siehe auch:
Asienkrise zieht immer weitere Kreise: Rußland zahlungsunfähig
(22. August 1998)

