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Wadim Rogowin und die Bedeutung seiner historischen Arbeit
Gedenkveranstaltung in Berlin
Von Peter Schwarz
24. November 1998
"Stalins Verbrechen sind nicht dem Kommunismus anzulasten; umgekehrt, die Traditionen und Ideen des Kommunismus waren die wichtigsten Opfer des Stalinschen Terrors."
Mit diesen Worten beginnt ein Flugblatt, das zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung für den Historiker Wadim Sacharowitsch Rogowin einlädt. Rogowin erlag am 18. September dieses Jahres in Moskau einem langjährigen Krebsleiden. Die Gedenkveranstaltung, organisiert vom Arbeiterpresse Verlag in Zusammenarbeit mit der Hochschulgruppe für Soziale Gleichheit, findet am 5. Dezember an der Berliner Humboldt-Universität statt.
Rogowin hat das letzte Jahrzehnt seines Lebens der Erforschung eines Aspekts der sowjetischen Geschichte gewidmet, der von anderen Historikern - "kommunistischen" wie antikommunistischen - meist vernachlässigt oder völlig ignoriert wird: des weitverbreiteten politischen Widerstands gegen die Stalinsche Diktatur. Unter Heranziehung neuer Quellen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in zuvor verschlossenen Archiven zugänglich geworden waren, hat der Moskauer Historiker eine detaillierte sechsbändige Dokumentation über den Widerstand, die Verfolgung und Vernichtung der sozialistischen Gegner Stalins verfaßt. Sie macht deutlich, daß es eine linke Alternative zum Stalinismus gab.
Auf der Gedenkveranstaltung werden Zeitzeugen des stalinistischen Terrors, Historiker und Vertreter der Vierten Internationale das Leben und Werk Rogowins würdigen. Es sprechen neben anderen:
Sorja Leonidowna Serebrjakowa
Sorja Serebrjakowa ist die Tochter von Leonid P. Serebrjakow (1888-1937). Ihr Vater, ein Metallarbeiter, war 1905 den Bolschewiki beigetreten und spielte 1917 in Moskau eine führende Rolle bei der Oktoberrevolution. In den folgenden Jahren bekleidete er hohe Ämter in Partei und Regierung. 1923 schloß er sich der Linken Opposition an, der er bis 1929 angehörte. Im Januar 1937 wurde er als einer der Hauptangeklagten neben Pjatakow und Radek im großen Schauprozeß gegen das "antisowjetische trotzkistische Zentrum" zum Tode verurteilt. Sorja Serebrjakowa, die selbst lange Jahre in Verbannungslagern verbrachte, ist Doktorin der Geschichte.
Juri Primakow
Juri Primakow ist der Sohn von General Witali M. Primakow (1897-1937). Dieser hatte sich 1914 den Bolschewiki angeschlossen. Seit 1918 bekleidete er führende Posten in der Roten Armee. 1926 wurde er aufgrund seiner Sympathien für die Opposition gemaßregelt. 1936 wurde er verhaftet und im folgenden Jahr im Prozeß gegen die Spitzen der Roten Armee zum Tode verurteilt und erschossen.
Professor Dr. Nathan Steinberger
1910 in Berlin geboren, trat Steinberger als Schüler der kommunistischen Bewegung bei. 1932 wurde er als Mitarbeiter an das der Komintern unterstellte internationale Agrarinstitut in Moskau berufen. 1937 wurde er grundlos verhaftet und verbrachte zehn Jahre im Lager und weitere zehn Jahre in der Verbannung. Erst 1956 durfte er nach Deutschland zurückkehren. Er lehrte an Universitäten der DDR.
David North
David North ist Nationaler Sekretär der Socialist Equality Party in den USA und Vorsitzender der Redaktion des World Socialist Web Site. Als Autor mehrerer historischer Schriften zur russischen Revolution und zur Geschichte des Stalinismus hat er viele Jahre mit Rogowin zusammengearbeitet. Beide verband eine enge politische und persönliche Freundschaft.
Ulrich Rippert
Ulrich Rippert ist Vorsitzender der Partei für Soziale Gleichheit und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift gleichheit, für die er zahlreiche Beiträge zur Frage des Stalinismus verfaßt hat.
Wladimir Wolkow
Wladimir Wolkow ist Herausgeber der russischen Zeitschrift Soziale Gleichheit und Leiter des Büros der Vierten Internationale in Tscheljabinsk.
Die Gedenkveranstaltung findet am Samstag den 5. Dezember um 16.00 Uhr im Audimax der Humboldt-Universität in Berlin (Unter den Linden) statt.
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