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  WSWS : WSWS/DE : Geschichte : Rußland : Rogowin

Wadim Rogowin: 1937-1998

Marxistischer Historiker in Moskau verstorben

Von David North
19. September 1998
aus dem Amerikanischen (18. September 1998)

Vadim RogowinDer russische marxistische Historiker und Soziologe Wadim Sacharowitsch Rogowin, Autor einer umfangreichen sechsbändigen Studie über die trotzkistische Opposition zum Aufstieg des stalinistischen Regimes in der UdSSR, starb in der Nacht zum Donnerstag in Moskau. Er war 61 Jahre alt.

Als Doktor der Philosophie und führender Forscher am Soziologischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau hatte Rogowin zu den angesehensten Gesellschaftswissenschaftlern der UdSSR gezählt. Doch in deutlichem Gegensatz zu beinahe sämtlichen akademischen Kollegen hatte er während der Jahre der Perestroika und nach dem Zusammenbruch der UdSSR seinen marxistischen und sozialistischen Überzeugungen nicht abgeschworen. Statt dessen erklärte er sich offen zum Anhänger des Trotzkismus und unternahm eine Arbeit, die ihn während seines letzten Lebensjahrzehnts ganz in Anspruch nehmen sollte: eine Geschichte der marxistischen Opposition zum Stalinismus innerhalb der Sowjetunion von 1923 bis 1940.

Der erste Band, "Gab es eine Alternative?", erschien 1992, und der zweite Band, "Die Macht und die Opposition", folgte ein Jahr später.

Im Mai 1994 – während der Arbeit am dritten Band, "Stalins Neo-Nep", der die Vorbereitungen des Regimes auf die Säuberungen mit der Zurückweisung der egalitären Grundsätze der bolschewistischen Revolution in Zusammenhang brachte – unterzog sich Rogowin einer Operation wegen Dickdarmkrebs.

Die Chirurgen stellten fest, daß die Krankheit bereits auf die Leber übergegriffen hatte, und teilten Rogowin mit, daß er bestenfalls noch ein Jahr zu leben habe.

Trotz dieser bedrückenden Prognose arbeitete Rogowin mit verstärkter Anstrengung weiter, schloß den dritten Band ab und beschloß, den Umfang seines Projekts auszudehnen. Ursprünglich hatte er vorgesehen, die historische Studie im Rahmen von vier Bänden abzuschließen. Da ihm der Zugang zu bislang verschlossenen Archiven jedoch eine Fülle neuer Dokumente an die Hand gab, kam Rogowin zu dem Schluß, daß er sein Werk in weniger als sieben Bänden nicht vollenden könne.

Außerordentlichen gesundheitlichen Beschwerden zum Trotz schloß Rogowin sechs der sieben geplanten Bände ab. Band vier, "1937: Jahr des Terrors", erschien 1996, Band fünf, "Die Partei der Hingerichteten", erschien 1997, und Band sechs, "Weltkrieg und Weltrevolution", wurde erst vor wenigen Wochen veröffentlicht. Unmittelbar vor seinem Tod entwarf Rogowin bereits Kapitel für den siebten Band.

Rogowins Arbeit beschränkte sich nicht darauf, zu forschen und zu schreiben. Im Jahr 1993 nahm er Verbindung zum Internationalen Komitee der Vierten Internationale auf. Es entstand eine enge politische und geistige Beziehung, und Rogowin erklärte sich öffentlich solidarisch mit dem Programm des IKVI. Von 1995 bis 1998 hielt er vom Internationalen Komitee organisierte Vorträge in den USA, Großbritannien, Deutschland und Australien.

Siehe auch:
Zum Lebenswerk Wadim Rogowins
(19. September 1998)

Russische "Demokraten" verteidigen Moskauer Prozesse
(2. September 1998)

Im Arbeiterpresse Verlag erschienen:
1937 - Jahr des Terrors

 

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