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WSWS : WSWS/DE : Arbeitskämpfe : Deutschland
Interview mit einem Busfahrer
"Wir wissen jetzt, woran wir mit der SPD sind"
Redaktion Berlin
19. September 1998
Am vergangenen Montag besuchten Reporter des world socialist web site die Streikposten in Brandenburg. Mehrere Arbeiter beschrieben, wie der ständige Arbeitsplatzabbau bereits jetzt zu einer unerträglichen Situation für die Beschäftigten geführt habe und drückten ihre Wut auf die SPD-Stadtregierung aus.
Thomas Bartel, der seit 1984 bei den Verkehrsbetrieben als Busfahrer arbeitet, sagte, bei dem Streik ginge es nicht um mehr Geld. "Wir wollen nur halten, was wir haben." Er rechnete vor, daß die geplante Lohnkürzung sein derzeitiges Gehalt von rund 2200 Mark netto unter das Existenzminimum drücken würde. Die geplanten Entlassungen seien ebenfalls untragbar. "Die letzten vier Jahre wurden immer Kompromisse gemacht. Trotz des Stellenabbaus von 600 auf 200 ist die Arbeit nicht weniger geworden. Wir hatten keinerlei Einsparungen an Linien." Nun habe die Geschäftsleitung vorgeschlagen, die Aufrüstzeiten, in denen der Busfahrer seinen Bus fahrbereit macht, von 10 auf 5 Minuten zu kürzen. "Das ist praktisch gar nicht zu schaffen."
Am Straßenbahndepot erzählte eine junge Straßenbahnfahrerin von dem Wahlkampfauftritt Schröders am 12. September. "Wir wissen jetzt, woran wir sind. Wir sind sehr enttäuscht darüber, denn er sagte, er könne uns nicht helfen, er wisse nichts über unsere Auseinandersetzung und mische sich da nicht ein. Ich habe bloß geschluckt. Also wird sich auch nichts ändern, wenn er die Wahl gewinnt."
Ein anderer Streikposten kam hinzu und warf ein: "Die SPD in Bonn wird genauso sein wie die SPD hier. Sie sind doch alle gleich."
Ähnlich reagierten die Streikposten am Busdepot. Ein 50jähriger Busfahrer sagte, er glaube von vornherein nicht an einen Politikwechsel nach der Bundestagswahl: SPD und CDU seien für ihn gleich. Auch die Privatisierung der Verkehrsbetriebe Brandenburg sei längst beschlossene Sache. "Wenn die Wahl abgeschlossen ist, passiert das Unglück. Dann holen die raus, was schon lange in Sack und Tüten ist. Und dann wird's gemacht."
"Das Kuriose ist, alle Parteien kamen hierher, ob am Tage oder in der Nacht. Aber keine sagte uns: ,Ich helfe euch.' Sie betreiben alle nur Wahlkampf," fügte ein Kollege hinzu. Einige Arbeiter äußerten sich sehr besorgt über den wachsenden Einfluß rechter Parteien, wie NPD oder DVU, die den sozialen Niedergang für sich ausnutzen.
Siehe auch:
Streik bei Verkehrsbetrieben in Brandenburg abgebrochen
(19. September)
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