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Leserbrief über Bedingungen für Ausländer in der Schweiz

19. August 2001

Liebe Frau Marianne Arens,

Ich habe ihren Artikel über das fremdenfeindliche Referendum in der Schweiz gelesen. Es ist ein guter Artikel, und ich habe ihn an mehrere Freunde von mir weitergeschickt, die mir normalerweise nicht glauben wollen, wenn ich ihnen von den Bedingungen für Ausländer in der Schweiz erzähle.

Ich bin eine Kolumbianerin und bin mit einem Mann aus Holland verheiratet. In Kolumbien hatten wir Morddrohungen erhalten, so dass wir innerhalb von fünf Tagen ausreisen mussten. Gerade in dem Moment bot eine schweizerische Gesellschaft meinem Mann einen Arbeitsplatz an, so dass wir praktisch gezwungen waren, in die Schweiz zu reisen.

Als ich noch in Kolumbien lebte, dachte ich, es könne auf der Welt nichts Schlimmeres geben als mein Land, aber was für eine Überraschung, als ich in die Schweiz kam und hier soviel Schlechtes ertragen musste, wie ich es noch nicht einmal in Kolumbien erlebt habe.

In meinem Land arbeitete ich als Ingenieurin für eine große multinationale Gesellschaft, und ich hatte einen guten Lebensstandard. Hier mussten wir, als wir ankamen, in einem schmutzigen Lager wohnen, wo es Mäuse und Ratten gab, Schmutz und noch einiges Andere, das ich weder erklären noch wirklich verstehen kann. Wir wurden auf eine Weise ausgenützt, die man sich nicht vorstellen kann.

Mein Mann hat sogar ein ganzes Jahr lang gearbeitet, ohne einen einzigen freien Tag zu bekommen. Wir konnten nicht nach Kolumbien zurückkehren, wir waren gezwungen, hier in der Schweiz zu bleiben. Ich besuche einen Deutschkurs, um die Sprache zu erlernen, der von meinem Mann bezahlt wird - und nicht etwa von der Arbeitslosenkasse RAV! Dennoch erklärte mir meine Lehrerin eines Tages, wir würden dem Schweizervolk die Arbeitsplätze stehlen, und es sei die Schuld der Ausländer, dass die Schweizer jetzt nicht mehr so leicht Arbeit finden könnten. Sie sagte auch zu mir, wir dürften nicht die gleichen Rechte wie die Schweizer Bevölkerung bekommen, denn unsere Anwesenheit im Land sei der Grund für wachsende Kriminalität und Drogenprobleme. Ich fühlte mich ganz elend. Ich habe ja nie in der Schweiz gearbeitet und bekomme keinerlei Unterstützung von der Sozialhilfe. Und dennoch erreichte sie, dass ich mir wie Dreck vorkam. [...] Das und noch viel anderes findet in diesem Land statt. Unglaublich!

Es liegt an euch, Leute von der Presse, eure Stimme zu erheben und auch der Stimme der Ausländer in der Schweiz Gehör zu verschaffen! Mit dieser Art Information könnt ihr die ganze Welt über die Situation hier informieren und vielleicht bewirken, dass sich diese Haltung in Zukunft ändert.

Freundliche Grüße

AL

Siehe auch:
Fremdenfeindliche Initiative in der Schweiz abgelehnt
(29. September 2000)

 

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