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"Die Kunst, die Welt zu sehen" von Alexander K. Woronski

Anmerkungen des Verfassers des Vorworts

Von Frederick S. Choate
13. Dezember 2003
aus dem Englischen (2. September 1998)

Am 15. Dezember wird die deutsche Erstausgabe der Essay-Sammlung "Die Kunst, die Welt zu sehen" von Alexander K. Woronski in der herausragenden Übersetzung von Ingeborg Schröder und Erich Ahrndt ausgeliefert. Woronski war eine herausragende Persönlichkeit des intellektuellen Lebens in der frühen Sowjetunion, der Herausgeber der wichtigsten Literaturzeitschrift in den zwanziger Jahren und ein Unterstützer von Trotzki und der Linken Opposition in ihrem Kampf gegen den Stalinismus.

Im Folgenden berichtet Frederick S. Choate, der den Band zusammengestellt, das Vorwort verfasst und die englischsprachige Übersetzung besorgt hat, über die Geschehnisse, die der Veröffentlichung des Buches vorausgingen.

Anfang der 1970er Jahre, als ich begann mich mit sowjetischer Literatur zu beschäftigen, las ich Leo Trotzkis "Literatur und Revolution". Ohne Zweifel ist dies eines der geistreichsten Werke über Sozialismus und Literatur, die im 20. Jahrhundert verfasst wurden. Die Faszination, die von diesem Buch ausgeht, weckte mein Interesse an anderen Schriften Trotzkis und seiner Gefährten im Kampf der Linken Opposition gegen die bürokratische Degeneration der Sowjetunion.

Ein Buch von Professor Robert Maguire richtete mein Augenmerk auf A. K. Woronski, der der Linken Opposition angehörte und Herausgeber von Krasnaja Now, der bedeutendsten Literaturzeitschrift der 1920er Jahre war. Es stellte sich heraus, dass Woronski der vielleicht bedeutendste russische Marxist auf dem Gebiet literarischer Fragen war. Aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Linken Opposition wurde er 1937 während der stalinistischen Säuberungen hingerichtet und als so genannter "Volksfeind" geradezu aus der sowjetischen Geschichte ausradiert.

In der Hoffnung mehr über Woronski herauszufinden, reiste ich im Herbst 1987 für drei Monate nach Moskau. Vor Ort wurde deutlich, dass ausgedehnte Nachforschungen notwendig sein würden, um eine Übersicht über Woronskis politische und theoretische Ansichten zu gewinnen. Ich kehrte 1991 für ein Forschungsjahr unter der Schirmherrschaft von ACTR (amerikanischer Lehrerrat für Russisch) nach Moskau zurück. Was als einjähriger Besuch geplant war, dehnte sich in einer Zeit heftiger politischer Veränderungen zu einem Aufenthalt von vier Jahren aus.

In Russland sammelte ich viel neues Material über Woronski. Oft baten Freunde und Bekannte mich, ihnen geeignete Schriften Woronskis vorzuschlagen, die sie lesen könnten. Neben seinem autobiographischen Werk "Wasser des Lebens und des Todes" waren erst zwei Aufsätze ins Englische übersetzt worden. Durch Mehring Books ermutigt, stellte ich in der vorliegenden Anthologie seine wichtigsten Texte zusammen und arbeite zurzeit an einer Biographie über Woronski.

Viele der Probleme, denen Woronski sich zu seinen Lebzeiten widmete, sind bis zum heutigen Tag ungelöst geblieben. In dieser Hinsicht handelt es sich um eine Publikation von historischer Bedeutung, die Woronski zu seinem verdienten Platz innerhalb der marxistischen Literaturkritik verhilft, indem sie die Mauern, die der Stalinismus um diesen Autor errichtete, niederreißt. Zum ersten Mal wird die englische Leserschaft in die Lage versetzt, anhand des nun verfügbaren Textbestandes der wichtigsten Schriften Woronskis den theoretischen Stellenwert seiner Beiträge zur marxistischen Literaturkritik zu ermessen und zu würdigen.

Siehe auch:
Vorwort zu "Die Kunst die Welt zu sehen" von Alexander K. Woronski
(11. Dezember 2003)
Kunst als die Entdeckung von großen und kleinen Wahrheiten
( 12. Dezember 2003)
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