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WSWS : WSWS/DE : Aktuelle Analysen : Deutschland : Hessische Landtagswahl 2003
Druckversion | Link per email versenden | Email an die Redaktion Die Partei für Soziale Gleichheit in der hessischen LandtagswahlSozialistisches Programm stößt auf reges InteresseVon Marianne Arens
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| Henry und Faissal |
Auch vor den Werkstoren der Adam Opel AG in Rüsselsheim stieß die Wahlkampagne der PSG auf lebhaftes Interesse und Unterstützung. Fast alle Arbeiter nahmen den Handzettel mit, viele gaben ihrer Abscheu über den bevorstehenden Krieg Ausdruck. "Hier bei uns sind alle gegen den Krieg", sagte zum Beispiel ein türkischer Arbeiter. "Da werden im Kampf ums Öl Millionen Unschuldiger verheizt." Sein Kollege stimmte zu, dass die Arbeiter sich gegen den drohenden Krieg international zusammenschließen müssten. Er bedauerte, dass selbst in einem multinationalen Konzern wie GM, zu dem Opel gehört, kein Kontakt unter den Arbeitern bestehe: "Leider haben wir hier überhaupt keinen Kontakt zu Arbeitern von General Motors in Detroit," sagte er. "Die sind doch sicher auch nicht alle dafür."
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| Am Portal 45 der Opelwerke Rüsselsheim |
In Rüsselsheim waren Ende der siebziger Jahre über 43.000 Menschen bei Opel beschäftigt, heute sind es noch 20.000, davon 8.000 im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum des Konzerns und 6.000 in einer neuen Produktionsanlage. Allein im vergangenen Jahr wurden erneut 1.600 Arbeitsplätze abgebaut.
Die soziale Misere kam besonders krass in den Berichten arbeitsloser Besucher des Frankfurter Arbeitsamtes zum Ausdruck. So bezeichnete sich ein arbeitsloser Busfahrer selbst als "politikverdrossen": "Mich könnte man einen Politikverdrossenen nennen," sagte er. "Mittlerweile fühle ich mich von jeder Partei verarscht. Die Arbeitsmarktpolitik der Regierung mit Ich-AG und Hartz-Kommission und was nicht alles - das ist doch alles Unsinn. Wenn der Arbeitsmarkt keine Arbeitsplätze hergibt, kann man sie auch so nicht herbeizaubern."
Er berichtete über seine Erfahrungen als Busfahrer. Die Stadt trete einige Busstrecken an Subunternehmer ab, die wesentlich schlechtere Löhne bezahlten. Er selbst habe zum Beispiel bei einem Subunternehmer für die städtischen Verkehrsbetriebe nur 8,50 Euro pro Stunde verdient, viel weniger als die städtischen Busfahrer bei genau gleicher Arbeit. Jetzt sei ihm vom Arbeitsamt ein Dreißig-Stunden-Job angeboten worden, von dem er seine Familie jedoch nicht ernähren könne. "Davon kann ich nicht leben, da bräuchte ich schon zwei solche Jobs, um auf mein Geld zu kommen," sagte er. "Dann müsste ich sechzig Stunden die Woche arbeiten."
Eine andere Arbeitslose, eine junge Frau aus der ehemaligen DDR, berichtete, sie sei als gelernte hauswirtschaftlich-technische Helferin aus Dresden nach Frankfurt abgeworben worden und habe in der Altenpflege schließlich einen Stundenlohn von zwei Euro neunzig verdient: "Dies kam so zustande, dass ich von Montag früh bis Sonntag sieben Tage die Woche im Einsatz war und dafür 1.600 Euro brutto erhielt. Davon musste ich nicht nur Steuern und Abgaben, sondern auch mein ganzes Fahrgeld plus die Unterkunft selbst bezahlen - Zimmer, Küche und Dusche gemeinsam mit anderen, für 15 Euro pro Tag. Da blieb netto für mich nichts mehr übrig."
Sie zeigte Interesse am Aufbau einer neuen, internationalen Arbeiterpartei, und sagte über die etablierten Politiker: "Sich selbst erhöhen sie die Diäten und uns armen Schluckern die Steuern. Auch die Preise und Lebenshaltungskosten werden immer teurer. Wir kleinen Arbeiter und Arbeitslosen, die sowieso schon kaum was haben, dürfen alles bezahlen."
"Es bräuchte eine gewaltige Steuerreform. Die Reichen müssten viel stärker besteuert werden," meinte Günter P., ein Aldi-Filialleiter und Familienvater dreier Kinder in Gießen. "Viele werden diesmal überhaupt nicht zur Wahl gehen. Das ist die Quittung für die Politik der letzten Jahre. Meine Frau kann zum Beispiel wegen der Kinder nicht arbeiten, und ich bin als Alleinverdiener der Familie vierzehn Stunden auf Achse. Man kennt die Kinder kaum noch. Wenn Koch die Wahl gewinnt, dann nicht weil ihn so viele unterstützen, sondern aus dem einfachen Grund, dass viele gar nicht mehr hingehen. Man fragt sich doch: Für was? Ich gehe davon aus, dass die SPD noch mehr verlieren wird. Aber wen soll man überhaupt noch wählen? Jeder der dran kommt, macht Politik in seine eigene Tasche - es ist im Grunde schade."
Der Spitzenkandidat der Partei für Soziale Gleichheit, Helmut Arens, hatte während der Wahlkampagne mehrmals Gelegenheit, im Fernsehen und Radio aufzutreten, das Programm der Vierten Internationale zu erklären und die Internet-Publikation der Vierten Internationale, die World Socialist Web Site, einem breiteren Publikum bekannt zu machen. So beantwortete er am 28. Januar Fragen eines Moderators des Wiesbadener Lokalsenders "Rheinwelle" nach Ziel und Inhalt der Kampagne. Am 30. Januar trat er in der sogenannten Außenseiterrunde des Hessischen Rundfunks auf.