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Jahrestag des Irakkriegs

Hunderttausende demonstrieren in Spanien

Von unseren Korrespondenten
24. März 2004

Zwischen 300.000 und 400.000 Menschen protestierten am Samstag in ganz Spanien gegen die amerikanische Besatzung des Iraks. In Madrid, wo Terroranschläge am 11. März 202 Menschen das Leben geraubt hatten, gingen mindestens 100.000 auf die Straße, obwohl die Demonstration kaum angekündigt und öffentlich bekannt gemacht worden war. Die größten Proteste fanden in Barcelona statt, wo zwischen 150.000 und 200.000 Menschen zusammenkamen. Etwa 15.000 demonstrierten in Zaragoza, 10.000 in Sevilla und Tausende mehr in Valencia, Kastilien, Palma de Mallorca und anderen Städten und Regionen.

Die Menschenmasse, die in Madrid vom Plaza de Neptuno zum Puerta del Sol zog, setzte sich aus allen Altersgruppen zusammen. Auf Transparenten und in Sprechchören erinnerte sie immer wieder an die Terroranschläge des 11. März und die nachfolgende Vertuschung durch die Aznar-Regierung, die bis zu den Wahlen am 14. März darauf bestanden hatte, dass die baskischen Separatisten der ETA für die Anschläge verantwortlich seien, obwohl es zunehmend Hinweise auf einer Täterschaft der Al Qaida gegeben hatte.

Die Sprechchöre, die am häufigsten zu hören waren, lauteten: "Welch eine Freude, ohne Aznar zu leben", "Aznar, du Schurke, wir sehen dich in Den Haag wieder", "One down, two to go" [Einer ist gefallen, zwei müssen noch - gemeint sind Aznar, Bush und Blair] und "Nein zum Krieg".

Ein Ehrenplatz im Demonstrationszug war einem Kontingent von Journalisten, Fotografen und Angehörigen von José Couso reserviert. Der Fotojournalist Couso war von amerikanischen Soldaten im Zuge der Invasion erschossen worden, als er die Bombardierung der Zentrale des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira fotografierte. Als das Transparent mit einem Porträt Cousos und der Aufschrift "Am 8. April 2003 vom US-Militär ermordet" den Ort der Abschlusskundgebung erreichte, brach die Menge in großen Applaus aus.

Die Demonstration endete auf dem großen Platz vor dem Madrider Rathaus. Die Wände des Rathauses sind bereits seit Tagen mit regierungsfeindlichen Plakaten und Sprüchen, mit Botschaften, offenen Briefen sowie Fotos der Terroropfer gepflastert und davor sind Tausende roter Kerzen entzündet und Blumen abgelegt. Die Graffiti und Plakate an den Wänden und auf dem Bürgersteig lauten: "Euer Krieg, Unsere Toten", "Krieg und Armut = Terrorismus", "Regierung von Lügnern", "König stumm", "Die Monarchie ist nutzlos (oder gar schlimmer)", "Eure Waffen, Unsere Toten - Eure Geschäfte, Unser Elend".

Unterstützer der World Socialist Web Site verteilten Hunderte Flugblätter, die ihnen regelrecht aus den Händen gerissen wurden, und führten zahlreiche Gespräche über die politischen Fragen, denen die spanische Arbeiterklasse zu diesem Zeitpunkt gegenübersteht. Als unsere Reporter Teilnehmer der Demonstration nach ihrer Meinung zu der jüngsten politischen Entwicklung in Spanien und deren internationalen Konsequenzen fragten, entwickelten sich die Interviews zu angeregten Diskussionen. Die Leute drückten die Hoffnung aus, dass es ihnen unter einer Regierung der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) besser gehen würde als unter der bislang regierenden Volkspartei (PP). Dennoch betrachteten sie die neu gewählte Zapatero-Regierung eher als das kleinere Übel, denn als wirkliche Alternative.

An der Demonstration nahmen viele junge Menschen teil, die bei der Parlamentswahl eine Woche zuvor zum ersten Mal ihre Stimme abgegeben hatten. Viele von ihnen waren stolz darauf, dass sie an der Absetzung der rechten Regierung von José María Aznar mitgewirkt hatten und an einem Ereignis beteiligt waren, das international Wellen schlug. Auf die Frage, was sie machen, wenn die PSOE und der neue Premierminister Zapatero nicht die wenigen versprochenen Verbesserungen durchführen und unter anderem die spanischen Truppen aus dem Irak abziehen, antworteten sie, dass sie sofort wieder auf die Straße gehen würden.

Siehe auch:
Rom: Die größte Antikriegsdemonstration Europas
(23. März 2004)
3.000 Kriegsgegner zogen vor die US Air Base in Ramstein - Pfalz
( 23. März 2004)

 

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