www.wsws.org/de/2008/mai2008/bea1-m27.shtml
Dies ist der erste Teil eines Vortrags, den Nick Beams, der Nationale Sekretär der australischen Socialist Equality Party (SEP) und ein Mitglied der internationalen Redaktion der World Socialist Web Site, auf öffentlichen Versammlungen am 17. und 18. April in Sydney und Melbourne hielt. Beams, eine internationale Autorität auf dem Gebiet der marxistischen politischen Ökonomie, schreibt für die WSWS regelmäßig Artikel und Analysen zur Globalisierung und politischen Ökonomie.
Die SEP und die International Students for Social Equality (ISSE) organisierten die Veranstaltungen, um die globale Bedeutung der sich vertiefenden Krise zu diskutieren, die das amerikanische Finanz- und Bankensystem erschüttert. Beide Versammlungen, an denen Arbeiter sowie Studenten, die zum Teil der ISSE angehörten, teilnahmen, waren gut besucht. Nach Beams' Bericht fand eine lebhafte Diskussion über zahlreiche Fragen zu den Ursachen und Auswirkungen der Finanzkrise statt.
Besucher wollten zum Beispiel wissen, weshalb bekannte Wirtschaftsfachleute die Krise nicht vorhersagen oder erklären konnten, weshalb die Banken und Finanzinstitutionen zunehmend riskante Kredite zu günstigsten Bedingungen gewährt hatten, und wie sich die finanziellen Verluste auf die Stellung der USA in der Welt auswirken. Andere betonten die katastrophalen Folgen des Wirtschaftseinbruchs auf Arbeitsplätze, Wohneigentum, Lebensstandard und Rentenansprüche für einfache Bürger. Weitere Fragen drehten sich darum, ob eine sozialistische Perspektive realistisch ist und wie Arbeiter den Kampf für eine sozialistische Perspektive beginnen können.
Der 14. März 2008 - an diesem Tag erfuhr die Öffentlichkeit vom Bankrott der Bear Stearns-Bank, der fünftgrößten Investmentbank in den USA und eines der größten Finanzinstitute der Welt - ist bereits zu einem Eckdatum in der Geschichte des globalen Kapitalismus geworden.
An diesem Tag veränderte sich die Welt grundlegend. Die klugen Sprüche über die Wunder und Vorzüge des "freien Marktes", mit denen uns Finanzkommentatoren, politische Führer, Wirtschaftswissenschaftler und die Experten in den Medien tagtäglich bombardieren - die Behauptung, dass der Markt die höchste, ja die einzig mögliche Form gesellschaftlicher und ökonomischer Organisation sei -, haben sich als hohles Geschwätz entpuppt.
Plötzlich schien ein Zusammenbruch wie zur Zeit der Großen Depression nicht nur möglich, er stand kurz bevor. Das geht aus den damaligen Kommentaren und späteren Aussagen hochkarätiger Teilnehmer an der Bear Stearns-Rettungsoperation hervor.
Drei Tage lang arbeiteten die US-Notenbank und das Finanzministerium ununterbrochen an einem Rettungspaket. Der Faktor Zeit war entscheidend, denn die Furcht vor einem Zusammenbruch des Weltfinanzsystem ging um, sollte das Maßnahmenpaket am folgenden Montag, dem 17. März, als die asiatischen Märkte den Handel wieder aufnahmen, nicht beschlossene Sache sein. Auch die Wall Street wäre bei Wiederaufnahme ihres Handels mit in den Strudel gerissen worden.
Der wichtigste Bestandteil des Rettungsplanes, der letztlich in die Übernahme von Bear Stearns durch JP Morgan führte, war die Garantierklärung der Fed, der amerikanischen Notenbank, für 30 Mrd. Dollar Schulden der insolventen Bank aufzukommen - eine Entscheidung, die in der Geschichte der amerikanischen Notenbank beispiellos ist.
Der Wall Street-Ökonom Ed Yardeni kommentierte das so: "Die Regierung der letzten Instanz arbeitet mit dem Geldverleiher der letzten Instanz daran, die Immobilien- und Kreditmärkte zu stabilisieren, um die zweite Große Depression abzuwenden."
In seiner Erklärung vor dem US-Kongress drückte sich Fed-Chef Ben Bernanke zurückhaltender aus, doch die Botschaft war im Wesentlichen identisch.
"Am 13. März", so Bernanke vor dem Kongress, "informierte Bear Stearns die Notenbank und andere Regierungsstellen, dass sie unter erheblichen Liquiditätsproblemen litt und am nächsten Tag nach Kapitel 11 Insolvenz anmelden müsse, wenn nicht neue Geldquellen erschlossen würden."
"Diese Nachricht warf schwierige Fragen für die Regierung auf", fuhr Bernanke fort. "Im Normalfall entscheidet der Markt darüber, ob ein Unternehmen überlebt oder zugrunde geht, und das ist auch richtig so. Doch hier ging es um Dinge, die weit über das Schicksal einer Firma hinaus von Bedeutung sind. Unser Finanzsystem ist äußerst komplex und vernetzt, und Bear Stearns war in mehreren bedeutenden Märkten in starkem Maße engagiert. Eine plötzliche Insolvenz der Bear Stearns-Bank hätte wahrscheinlich zu chaotischen Veränderungen auf diesen Märkten und zu einem ernsthaften Vertrauensverlust geführt. Sie hätte wohl auch Zweifel an der Liquidität einiger der Tausenden von Geschäftspartnern von Bear Stearns und vielleicht auch an der Liquidität gleichartiger Unternehmen geweckt. Angesichts der außerordentlichen Belastungen, unter denen die Weltwirtschaft und das globale Finanzsystem leiden, wäre der Schaden durch einen Zusammenbruch von Bear Stearns enorm und äußerst schwierig zu begrenzen gewesen. Die schädlichen Auswirkungen einer Insolvenz wären auch nicht auf das Finanzsystem beschränkt geblieben, sondern hätten sich durch ihren Einfluss auf Vermögenswerte und die Verfügbarkeit von Krediten deutlich in der Realwirtschaft niedergeschlagen."
Mit anderen Worten: Ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft war im Bereich des Möglichen.
Die umfangreichen Verflechtungen zwischen Bear Stearns und dem globalen Finanzsystem und die Auswirkungen, die ein Zusammenbruch der Bank gehabt hätte, geht aus Berichten hervor, wonach die Bank mit Unternehmen weltweit Verträge im Wert von 2.5 Billionen Dollar geschlossen hatte. Hier waren also Geschäftsabkommen bedroht, deren Wert einem Sechstel des Bruttosozialproduktes der USA und einem Zwanzigstel des Weltbruttosozialproduktes entspricht. Wie ein Teilnehmer der Beratungen über den Rettungsplan sagte: "Es war viel schlimmer, als alle dachten, die Märkte standen kurz vor einer wirklichen Krise" ("Leveraged Planet", Andrew Ross Sorkin, New York Times vom 2. April 2008).
Seit die Krise um Bear Stearns im März ausbrach, hat auf den Finanzmärkten durch die Rettungsmaßnahmen der Fed und weitere Zinssenkungen eine gewisse Stabilisierung stattgefunden. Niemand glaubt aber, dass die Krise nun überstanden sei. Die Frage, die die Finanzmärkte vielmehr umtreibt, lautet: Wann sind die anderen an der Reihe? Und die Folgen der Kreditkrise werden sich erst noch richtig bemerkbar machen.
Im Global Financial Stability Report, den der Internationale Währungsfond herausgibt, werden die Gesamtverluste in den USA auf beinahe eine Billion Dollar geschätzt, etwa 7 Prozent des US-Bruttosozialproduktes.
Der Bericht warnt davor, dass "makroökonomische Rückwirkungen" zunehmend Sorgen bereiten, da die finanzielle Unsicherheit wahrscheinlich "deutlich negative Auswirkungen auf die Kreditaufnahme durch private Haushalte, die Investitionstätigkeit von Unternehmen und deren Vermögenswerte haben wird, was wiederum die Arbeitslosigkeit, das Wirtschaftswachstum und die Bilanzen ungünstig beeinflusst."
Diese Aneichen für eine Rezession sind bereits deutlich sichtbar. Ein Bericht vom 4. April zeigt, dass die US-Wirtschaft im März 80.000 Arbeitsplätze vernichtet hat; damit nahm die Zahl der Arbeitsplätze zum ersten Mal seit fünf Jahren im dritten Monat hintereinander ab. Entlassungen in mehreren Industriezweigen ließen die Arbeitslosenquote von 4.8 auf 5.1 Prozent ansteigen. In dem wichtigen Sektor Bauwirtschaft verloren etwa 51.000 Arbeiter ihren Job, womit in diesem Bereich in den letzten zwölf Monaten insgesamt 350.000 Arbeitsplätze vernichtet wurden. Die verarbeitende Industrie verzeichnet schon seit 21 Monaten einen Rückgang der Arbeitsplätze.
Das Economic Policy Institute hat darauf hingewiesen, dass "im fünften aufeinander folgenden Monat weniger als die Hälfte der Industriezweige neue Arbeitsplätze geschaffen haben, woran deutlich wird, dass der Abbau von Arbeitsplätzen in allen Bereichen der Wirtschaft um sich greift". Es stellte auch fest, dass zum ersten Mal seit Beginn der statistischen Erfassung der Rückgang des mittleren Familieneinkommens durch die letzte Rezession seitdem nicht wettgemacht werden konnte.
Wachsende Ratlosigkeit
Die scharfsinnigeren Wirtschaftsjournalisten erkennen einige längerfristige historische Auswirkungen dieser Krise an. Der führende Wirtschaftsjournalist der Financial Times, Martin Wolf, leitete kürzlich seinen Beitrag zu einer Konferenz mit folgenden Worten ein:
"Seit drei Jahrzehnten preisen wir nun die Freuden eines liberalisierten Finanzmarktes, und was hat er uns gebracht? ‚Eine große Finanzkrise nach der anderen, lautet die Antwort. Damit meine ich nicht, dass ein liberalisierter Finanzmarkt keine Vorteile bringt. Mit Sicherheit ist eine nennenswerte Zahl von Personen dadurch außergewöhnlich reich geworden."
Er führte aus, dass es seit Ende der 1970er Jahre nicht weniger als 117 systembedingte Bankenkrisen in 93 Ländern, der Hälfte der Welt also, gegeben habe, und in 27 dieser Krisen die Kosten der staatlichen Rettungsaktionen 10 Prozent des Bruttosozialproduktes betrugen, in einigen Fällen sogar mehr. Doch die Krise 2007-2008, fuhr Wolf fort, war "mit großem Abstand die bedeutendste aller Krisen der letzten drei Jahrzehnte".
"Was verleiht dieser Krise eine derartige Bedeutung? Sie stellt das am weitesten entwickelte Finanzsystem, das wir haben, auf den Prüfstand. Sie entspringt aus dem Innersten des fortgeschrittensten Finanzsystems der Welt und aus finanziellen Transaktionen, die die höchstentwickelten Finanzinstitutionen unter Einsatz der ausgereiftesten Methoden der Besicherung und im Vertrauen auf die ausgeklügeltsten Methoden des Risikomanagements getätigt haben. Und dennoch geriet das Finanzsystem völlig aus den Fugen: der Markt für kurzfristige Handelspapiere und der Handel zwischen den Banken waren monatelang lahmgelegt, der besicherte Kredit erwies sich als hochgradig riskant, und die Bewertungen der Rating-Agenturen als völlig realitätsfern; die Zentralbanken mussten Unmengen von Geld ins System pumpen, und der von Panik erfassten Fed blieb nichts anderes übrig, als die Zinsen zu senken wie nie zuvor."
Worauf wird diese Entwicklung hinauslaufen? Nouriel Roubini von der Stern School of Business der Universität von New York hält Verluste des Finanzsystems von bis zu drei Billionen Dollar für möglich, was etwa 20 Prozent des amerikanischen Bruttosozialproduktes entspricht.
Wolf fasste die Sprachlosigkeit derer, die das Finanzsystem angeblich unter ihrer Kontrolle haben, so zusammen: "Ich weiß nicht mehr, was ich zu wissen glaubte. Aber genauso wenig weiß ich, was ich jetzt glaube."
Er betonte, dass man aus der Geschichte lernen müsse, und fuhr fort: "Eine entscheidende Lehre betrifft die Funktionsweise des Finanzsystems. Außenstehende wussten schon, dass es eine riesige Blackbox geworden war. Doch sie glaubten bereitwillig, dass wenigstens die, die im System arbeiten, wussten, was vor sich ging. Davon kann man inzwischen kaum noch ausgehen" (Martin Wolf, Financial Globalisation, Growth and Asset Prices, Bericht über Globalisierung, Inflation und Währungspolitik vor dem Colloque International de la Banque de France am 7. März 2008 in Paris).
Hier haben wir ein ziemlich verblüffendes Eingeständnis, und zwar nicht von einem Gegner der kapitalistischen Ordnung und des freien Marktes, sondern von einem seiner entschiedensten internationalen Fürsprecher.
Ein ähnliches Stimmungsbild geht aus einem Anfang März, kurz vor dem Bekanntwerden der Bear Stearns-Krise veröffentlichten Bericht der Presidents Working Group on Financial Markets hervor. Diesem Gremium gehören Vertreter des Finanzministeriums, des Board of Governors of the Federal Reserve System (Vorstand der Fed), der Börsenaufsicht SEC und der Commodities Futures Trading Commission (Aufsichtsbehörde für den Handel mit Rohstoffen an den US-Terminbörsen) an.
Dem Bericht zufolge waren folgende Gründe für das Chaos auf den Finanzmärkten verantwortlich:
"Vollkommen unzureichende Absicherung von Subprime-Hypothekenkrediten;
Eine gravierende Vernachlässigung der Marktdisziplin seitens derer, die mit allen Aspekten der Besicherung von Krediten befasst sind - die Aussteller der Kreditprodukte (Originatoren), Versicherer, Kredit-Rating-Agenturen und globale Investoren, teilweise zurückzuführen auf unzureichende Risikoauskunft der Kreditnehmer und unzureichende Feststellung der Kreditrisiken;
Fehler der Kredit-Rating-Agenturen bei der Beurteilung der durch Wohnimmobilien grundpfandrechtlich gesicherten Finanzierungen (RMBS) und anderer komplex gestalteter Kreditprodukte, insbesondere der CDOs (kreditbesicherte Anleihen), die aus RMBS und anderen vermögensgestützten Sicherheiten bestehen;
Schwächen im Risikomanagement bei einigen großen amerikanischen und europäischen Finanzinstitutionen; und
Regulierungsbestimmungen, u.a. zur erforderlichen Eigenkapitalquote und Verpflichtung zur Risikoauskunft, die die Schwächen des Risikomanagements nicht auffangen konnten."
Kurz, alle waren beteiligt... die, die die Hypothekenkredite bewilligten, die Finanzinstitute, die sie zu Paketen schnürten, die Kredit-Rating-Agenturen, die diesen Paketen beste Noten erteilten, amerikanische und europäische Finanzinstitutionen, die Risiken nicht angemessen einschätzten, bis zu denen, die Verantwortung für die Regulierungsbestimmungen trugen.
Dabei spielte etwas eine nennenswerte Rolle, was nur als kriminelles Handeln bezeichnet werden kann - nicht bedingt durch die Eigenheiten der beteiligten Individuen, sondern durch den Charakter des kapitalistischen Systems selbst.
Als der Markt boomte und mit Subprime-Krediten Kasse gemacht werden konnte, auf der Grundlage von so genannten Lügen-Krediten mit Lockzinsen, mit denen man Unvorsichtige ködern konnte; als Geld verdient werden konnte, indem man diese Kredite zu Paketen schnürte, die man dann verkaufte; als das möglich war, indem man diesen fragwürdigen Kreditpaketen eine hervorragende Bewertung gab - wer wollte sich da schon damit beschäftigen, dass der gesamte Prozess auf lange Sicht nicht funktionieren konnte. Damit waren keine Profite zu erzielen, und, wie es ein Finanzmanager kürzlich ausdrückte, man sollte nicht aufhören zu tanzen, solange die Musik spielt.
Der britische Ökonom John Maynard Keynes, der ganz gut über Spekulation Bescheid wusste, schrieb einst: "Ein vernünftiger Bankier ist leider nicht der, der Gefahren vorhersieht und sie umgeht, sondern der, wenn er Ruin erleidet, in einer konventionellen und orthodoxen Weise ruiniert wird wie seine Freunde, so dass niemand ihn verantwortlich machen kann." Und wenn eine Krise ausbricht, kann er immer die Regierung anrufen, rettend einzugreifen.
Ich habe über diese Dinge gesprochen, weil sie politisch von Bedeutung sind. Eine der stärksten ideologischen Waffen der kapitalistischen Gesellschaft ist die Vorstellung, dass die arbeitende Bevölkerung unmöglich die Gesellschaft organisieren und leiten kann, schon gar nicht die Wirtschaft, weil ihr die Kenntnisse dazu fehlen. Der Sozialismus sei deshalb keine Option, und die ökonomische Organisation der Gesellschaft müsse dem Markt und denen überlassen bleiben, die sein Wirken kontrollieren.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen Millionen von Menschen den Kampf für den Sozialismus auf, weil sie durch ihre Erfahrungen mit Krieg, Faschismus, Depression und Massenarbeitslosigkeit verstanden, dass das Wirken des freien Marktes und des kapitalistischen Systems zur Barbarei führte.
Während der letzten 60 Jahre gehörte die unermüdlich an den Schulen und Universitäten, von den Medien und der Politik gepredigte Vorstellung, solche Verhältnisse könnten unmöglich wiederkehren, zu den wichtigsten ideologischen Säulen der kapitalistischen Ordnung. Die Verantwortlichen, gleich, wo sie politisch stehen, hätten die Lehren aus den Katastrophen der Vergangenheit gezogen und wüssten, wie man sie in Zukunft verhindert.
Auch hat man uns wiederholt gesagt, dass Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, seine wissenschaftliche Reputation durch ein Studium der Ursachen der Depression der 1930er Jahre erlangt habe, und dass er entschlossen sei, dergleichen nicht wieder zuzulassen. Trotz einiger Probleme stehe es also in der besten aller möglicher Welten zum Besten.
Zumindest diesen Mythos haben die Ereignisse der letzten Wochen gründlich zerstört. Wie in offiziellen Berichten offen zugegeben wird, versagten alle Kontrollmechanismen, die eine Finanzkrise verhindern sollten. Noch schlimmer: die Verantwortlichen können nicht einmal sagen, warum es so gekommen ist.
Bear Stearns wurde von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC überwacht. Doch wie Christopher Cox, ihr Vorsitzender, nach dem Scheitern der Bank schrieb: "Zu jedem Zeitpunkt hatte die Bank eine Kapitaldecke, die die Vorgaben der Behörde deutlich überstieg." Gemäß der Vorgaben der SEC hatte Bear Stearns laut Cox eine "gute Kapitalausstattung". Oder, in den Worten des Chirurgen: Operation gelungen, Patient tot.
Während die Vertreter der kapitalistischen Wirtschaft ihre Verwirrung über die Ereignisse zum Ausdruck bringen, stellen die Vorkommnisse der vergangenen Wochen eine wahrhaft machtvolle Bestätigung der Marxschen Analyse der kapitalistischen Produktionsweise dar, deren Entwicklung, wie die Analyse zeigt, von objektiven Gesetzen regiert wird, die sich ebenso durchsetzen wie das Gesetz der Schwerkraft, wenn ein Haus über uns einstürzt.
Und so, wie der Einsturz des Hauses das Ergebnis von bereits lange andauernden Prozessen ist, so kann man auch den Zusammenbruch des Finanzsystems und die politischen Fragen, die dadurch aufgeworfen werden, nur durch eine historische Analyse der kapitalistischen Weltwirtschaft verstehen.
Wird fortgesetzt