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Afrika nach Mobutu

Der Zusammenbruch der 31 Jahre alten Diktatur des zairischen Präsidenten Mobutu Sese Seko und der unaufhaltsame Vormarsch der Guerillaarmee von Laurent-Desire Kabila hat eine neue Auseinandersetzung der Großmächte über die Kontrolle eines der größten, reichsten und strategisch bedeutsamsten Gebiete Afrikas eröffnet. 

Die USA, Frankreich und Belgien haben allesamt Truppen in den Nachbarländern Kongo und Zaire stationiert, weniger wegen des Einmarsches der Rebellenarmee in Kinshasa, sondern vor allem aufgrund der erwarteten Plünderung der Hauptstadt durch Mobutus undisziplinierte und unbezahlte Truppen. 

Frankreich hat unter dem Vorwand, den Hunderttausenden vom Hungertod bedrohten Flüchtlingen helfen zu wollen, den Einsatz einer multinationalen Truppe gefordert. Die USA haben diesen Vorschlag abgelehnt. 

Obwohl die Flüchtlinge vor den ethnischen Konflikten in Burundi und Ruanda, wie auch die Zivilbevölkerung von Zaire zweifellos vor einer Katastrophe stehen, ist es keineswegs die Sorge um ihr Wohlergehen, was die Großmächte umtreibt. 

Mobutus Regime war jahrzehntelang ein Dreh- und Angelpunkt für die Herrschaft des Imperialismus über Afrika. Von dort aus führten die USA jahrelang schmutzige Kriege gegen Mozambique und Angola; Kinshasa wurde ein Hauptquartier der CIA auf dem afrikanischen Kontinent. Als Gegenleistung für diese Dienste unterstützten die USA, Frankreich und Belgien Mobutus Regime gegen jeden Widerstand aus der Bevölkerung. 

Mit dem Ende des Kalten Krieges verlor der kränkelnde Diktator jedoch immer mehr an Wert. Seine persönliche Kontrolle über einen Großteil des Reichtums des Landes, die zügellose politische Korruption und der Zerfall von Zaires Wirtschaft und Infrastruktur stellen nun ein Hindernis für die systematische Ausbeutung der beträchtlichen Bodenschätze des Landes dar. 

Bergbauunternehmen, Banken und andere multinationale Investoren versprechen sich von einer Öffnung der zairischen Wirtschaft und der Privatisierung von Staatsunternehmen wie der "Gecamines Kobalt und Kupfer Bergbaugesellschaft" enorme Profite. 

Washington wie Paris bemühen sich um eine Verhandlungslösung des Konflikts, um den zairischen Staatsapparat und die territoriale Einheit des Landes aufrechtzuerhalten. Die beiden Mächte sind jedoch uneins darüber, wie ein neues Regime Gestalt annehmen und wer es kontrollieren soll. 

Frankreich hat Mobutu unterstützt, während Washington eher auf Seiten von Kabilas "Alliance of Democratic Forces for the Liberation of Congo-Zaire" (ADFL, Vereinigung demokratischer Kräfte für die Befreiung von Kongo-Zaire) steht, ebenso wie auch Ruanda, Burundi, Uganda und Angola, die den Guerillas offenbar allesamt reguläre Militärtruppen zu Hilfe geschickt haben. 

Kabila hat, um seine Bewegung für die USA attraktiver zu machen, seine früheren marxistischen Phrasen fallen lassen und seine Unterstützung für die freie Marktwirtschaft erklärt. 

Wie gespannt die Beziehungen zwischen den USA und Frankreich sind, wurde Ende letzten Monats deutlich, als französische Militärquellen meldeten, es seien die Leichen von zwei US-Militärberatern, die für Kabilas Kräfte gekämpft hätten, gefunden und amerikanischen Beamten übergeben worden. Das amerikanische Außenministerium leugnete, daß so etwas jemals stattgefunden habe. 

Inzwischen haben unter Vermittlung von Südafrika Verhandlungen zwischen den Rebellen und dem Mobutu-Regime stattgefunden. Im Gegensatz zu manchen Behauptungen hat das Eingreifen von Nelson Mandela nichts mit der Suche nach einer "afrikanischen Lösung" zu tun. Mandelas Regierung verteidigt die Interessen mächtiger Bergbauunternehmen wie Anglo-American und DeBeers, die in Zaire erhebliche wirtschaftliche Interessen haben und aus der derzeitigen Krise Kapital schlagen wollen. 

© neue Arbeiterpresse, Nr. 856, 17. April 1997 

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