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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe Rekordgewinn für VW dank der 4-Tage-WocheWolfgang Weber Ein voller Erfolg war die Einführung der 4-Tage-Woche bei VW, allerdings nur für die Kassen des Konzerns, nicht für die Beschäftigten.Dies geht aus der vor kurzem veröffentlichten Konzernbilanz für 1996 hervor: 678 Millionen Mark Reingewinn 102 Prozent mehr als im Vorjahr! 100 Milliarden Mark Umsatz 14 Prozent mehr als 1995! Fast vier Millionen verkaufte Fahrzeuge 11 Prozent mehr als 1995. Im Januar 1994 ist die 4-Tage-Woche eingeführt worden, auf Initiative des Betriebsrats,der IG Metall und des ehemaligen IG-Metall-Funktionärs und jetzigen VW-Personalchefs Peter Hartz. Ferdinand Piech, 1992 von der IG Metall und dem SPD-Ministerpräsident Schröder zum VW-Vorstandsvorsitzenden gekürt, hatte zuvor mit der Entlassung von 30.000 Arbeitern gedroht. Der Absatz war binnen einen Jahres von 3,5 auf 2,9 Millionen Fahrzeuge abgesackt. Doch die Betriebsrats- und Gewerkschaftsfunktionäre rechneten ihm vor: die 4-Tage-Woche ermöglicht denselben Stellenabbau, dieselben Rationalisierungseffekte, nur viel billiger. Das erste "Bündnis für Arbeit" seiner Art wurde geschlossen. Niemand sollte "aus betriebsbedingten Gründen" entlassen werden, doch der Stellenabbau wurde genauso energisch vorangetrieben wie in den Konkurrenzbetrieben. Wurden in den übrigen Unternehmen der deutschen Autoindustrie in den letzten vier Jahren 150.000 Arbeitsplätze vernichtet, meist mit Hilfe von Abfindugsverträgen, waren es bei VW 33.000, ein Viertel der Belegschaft von Anfang der 90er Jahre. Nur: VW sparte sich mit der 4-Tage-Woche fast 3 Milliarden Mark an Sozialplankosten. Stattdessen mußten die Beschäftigten mit der Arbeitszeitverkürzung auf etwa 18 Prozent ihres Einkommens verzichten. Kein Wunder, daß der Konzern schon 1994 wieder schwarze Zahlen schrieb. Seither verdoppelte er Jahr für Jahr seinen Gewinn. Der Bezirksleiter der IG Metall in Hannover, Jürgen Peters, kommentierte die von VW veröffentlichten Zahlen denn auch entsprechend: "Sie beweisen, daß die jüngste Polemik der Arbeitgeberverbände gegen weitere Arbeitszeitverkürzung überflüssig ist und jeder sachlichen Grundlage entbehrt." Inzwischen wurde bei VW der Tarifvertrag über die 4-Tage-Woche um weitere zwei Jahre verlängert, da nach Produktivitätssprüngen von 10 bis 20 Prozent ein weiterer massiver Stellenabbau durchgesetzt werden soll. In diesem und im nächsten Jahr sollen jeweils 8.000 Jobs wegfallen. Da gleichzeitig durch die Absatzsteigerungen die Produktion in allen Werken auf vollen Touren läuft und eigentlich massiv Überstunden und sogar Neueinstellungen notwendig wären, erweisen sich die von Peter Hartz erfundenen "Zeitwertpapiere" als wahre Goldgrube für das Unternehmen. Arbeitnehmer bekommen ihre Überstundenzuschläge und andere Sonderzahlungen nicht mehr ausgezahlt. Stattdessen wird ihr Gegenwert an Freizeit berechnet und auf den sogenannten "Zeitwertpapieren" gutgeschrieben. Ab dem Alter von 55 Jahren, wenn die Arbeiter sich kaputtgeschuftet haben und für VW nicht mehr dasselbe bringen wie ein 25jähriger, können sie dann ihre "Zeitwertpapiere" einlösen: Ihre Arbeitszeit wird entsprechend reduziert, und ebenso ihr Lohn, dieser allerdings nur auf 85 Prozent. Der Konzern spart so beim jungen Arbeiter Überstundenzuschläge und dergleichen, beim alten Arbeiter verringert er seine Verluste infolge von Altersverschleiß und Gesundheitsproblemen älterer Beschäftigter. Nach den Berechnungen von Hartz werden bereits in den nächsten 5 Jahren insgesamt 2 Milliarden Mark an Überstundenzuschlägen auf diesen "Zeitwertpapieren" angesammelt werden und entsprechend die Konzernbilanz entlasten. Nachdem Betriebsrat und IG Metall in all diesen Fragen reibungslos zusammenarbeiten, hat der VW-Vorstand nun einen weiteren Vorstoß zur Flexibilisierung der Arbeit unternommen. Er will eine konzerneigene Zeitarbeitsfirma gründen, in der zunächst die Diensleistungsbereiche des Konzerns wie Fahrservice, Druckerei, Sicherheitsdienste usw. zusammengefaßt werden. Von den dort Beschäftigten wird bereits im Arbeitsvertrag ein hohes Maß an Flexibilität und Mobilität verlangt, bezahlt werden sollen sie aber nicht nach dem VW-Haustarif, sondern nach den erheblich niedrigeren Tariflöhnen der niedersächsischen Metallindustrie. Hauptzweck dieser neuen Einrichtung ist es, in Zeiten der Hochkonjunktur, wie sie gegenwärtig bei VW herrschen, Beschäftigte in die Produktion zu entsenden, so daß dort Mehrarbeit und die entsprechenden Zuschläge eingespart werden können. Gibt es im Werk Emden gerade einen Engpaß, so wird er von dieser Dienstleistungszentrale überbrückt. Die dort angestellten Flexi-Beschäftigten sind dann verpflichtet, für einige Wochen in Emden ihr Zelt aufzuschlagen oder jeden Tag 200 oder 300 km zu pendeln. Peter Hartz pries dieses neue VW-Modell gegenüber der Presse als weiteren Meilenstein auf dem Weg zur "atmenden Fabrik". © neue Arbeiterpresse, Nr. 856, 17. April 1997
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