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Stahlfusion kostet noch mehr Arbeitsplätze

Im Zuge der Fusion von Thyssen und Krupp Stahl zum größten Rohstahlproduzenten in Europa werden mehr Arbeitsplätze vernichtet, als bisher von den beiden Konzernvorständen zugegeben worden ist. Auch außerhalb der beiden unmittelbar betroffenen Unternehmen sind zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet.

So schreibt die Stuttgarter Zeitung vom 26. März 1997: "Nach bislang bekannt gewordenen Rechnungen werden durch dieses Zusammengehen vermutlich eher 10.000 als die bisher von Krupp und Thyssen unverbindlich geschätzten 5.000 Arbeitsplätze überflüssig – soll die Zusammenarbeit die prognostizierten Kostenvorteile in der erwarteten Höhe von wenigstens 600 oder sogar 800 Millionen Mark im Jahr bringen."

Und: "Die Fusion wird aber nach Einschätzung der Branchenkenner auch Auswirkungen auf die gesamte deutsche Stahlindustrie haben. Denn damit wird die seit langem gefürchtete ,Ruhrstahl’-Einheitsgesellschaft Wirklichkeit. Gegen sie werden sich die beiden noch verbliebenen Konkurrenten Preussag in Salzgitter und Arbed-Sidmar in Bremen, auf Dauer nur schwer durchsetzen können."

Darüberhinaus sind zahlreiche Arbeitsplätze bei kleineren Stahlunternehmen betroffen. Im Laufe der letzten Woche (7. – 12.4.97) wurde bekannt, daß der bereits zum 1. Oktober letzten Jahres geplante Verkauf des Werks Ruhrort der Thyssen Stahl AG in Duisburg und von Thyssen Walzdraht GmbH in Duisburg-Hochfeld an die Georgsmarienhütte in Osnabrück (Eigentümer und Geschäftsführer: Jürgen Großmann) immer noch nicht unter Dach und Fach ist.

Sollte die Übernahme scheitern und auch kein anderer Käufer gefunden werden, droht den zusammen rund 1800 Arbeitern der beiden Werke die Entlassung. Sie fallen nicht unter die von Krupp und Thyssen zugesagte Vereinbarung, "betriebsbedingte Kündigungen" auszuschließen.

Auch mit dem indischen Konzern Ispat verhandelt Thyssen inzwischen über den Verkauf des Ruhrorter Stahlwerks. Ispat ist ein internationaler Konzern mit Stahlwerken in Indonesien, Irland, Kanada, Mexiko, Trinidad und Hamburg. In Kasachstan gehört ihm ein integriertes Hüttenwerk mit mehreren Hochöfen und einem herkömmlichen Stahlwerk. Bei den anderen Werken handelt es sich vor allem um Mini-Stahlwerke, die Stahl auf Schrottbasis herstellen. Darüberhinaus verfügen die Werke von Ispat in Kanada, Mexiko, Trinidad und Hamburg über Anlagen zur Herstellung von Eisenschwamm. Eisenschwamm ist ein Produkt aus Eisenerz, das im Elektrostahlwerk den häufigen Preisschwankungen ausgesetztem Schrott teilweise ersetzen kann. Im Hamburger Stahlwerk von Ispat produzieren 731 Arbeiter 832.000 Jahrestonnen Walzdraht. Die Arbeitsproduktivität wurde in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent gesteigert.

Betriebsrat und Vertrauenskörperleiter des Werks Ruhrort haben sich dafür ausgesprochen, daß das Werk an Jürgen Großmann verkauft wird. Der Duisburger Thyssen-Belegschaft gegenüber stellen sie Großmann als Arbeiterfreund dar, obwohl dieser in Osnabrück für seine radikalen Methoden bei der Sanierung der Georgsmarienhütte und für den massiven Arbeitsplatzabbau dabei berüchtigt ist.

Ganz gleich, wer die beiden Werke am Ende übernimmt, eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit und damit verbundene Lohneinbußen sind schon jetzt geplant. Laut Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 10. April ist zwischen IG Metall und Geschäftsleitung ein entsprechendes Abkommen bereits vorbereitet worden.

© neue Arbeiterpresse, Nr. 856, 17. April 1997 

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