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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe "Der Unmut unter den Kollegen ist riesig!"Die Wahl von Andreas Niklaus in den örtlichen Personalrat der Berliner S-Bahn (BVG) und sein erstes Informationsblatt haben auch in anderen Bereichen der Berliner Verkehrsbetriebe Unterstützung gefunden. Ein Busfahrer, der seit 12 Jahren bei der BVG arbeitet (der Name ist der Redaktion bekannt), fühlte sich durch Niklaus ermutigt, einen Bericht über die verheerenden Arbeitsbedingungen der Busfahrer zu schreiben, den wir im folgenden abdrucken. "Der Unmut unter den Kollegen ist riesig. Fast jeder ist aufgrund der knüppelharten Dienstfolge in irgendeiner Form körperlich und nervlich fertig. Jetziger Arbeitsturnus: abwechselnd sechs Tage arbeiten, zwei Tage frei und fünf Tage arbeiten, drei Tage frei. Zwischen vielen Diensten wird tatsächlich nur noch die gesetzliche Ruhezeit von zehn Stunden und 20 Minuten eingehalten. d.h. es bleibt außer Arbeiten und Schlafen keine Zeit für andere, private Dinge. Da im Hauptturnus nur Wechselschichten gefahren werden, d.h. wir jeden Tag eine andere Dienstzeit haben, weiß manch einer mitunter nicht mehr, ob es Tag oder Nacht, Montag oder Mittwoch ist so knallhart wird man durch den Wolf gedreht. Der aktuelle Turnus soll nun ab Juni 97 auch wieder verändert werden, und zwar in drei mal sechs Tage Arbeit, zwei Tage frei und dann einmal fünf Tage Arbeit, drei Tage frei. Fällt der erste Arbeitstag nach den freien Tagen auf einen Sonntag, bleibt man automatisch zuhause. Somit spart die BVG erhebliche Sonntagszuschläge ein. Die Situation auf der ,Strecke sieht folgenderweise aus: die Fahrzeiten sind teilweise dermaßen zusammengestrichen worden, daß wollten die Kollegen jene Zeiten einhalten sich jeder wie ein Kamikazefahrer bewegen müßte. Ein sicherer, gefahrloser Transport der Fahrgäste ist nicht mehr gewährleistet. Besonders auf vielen Nachtbuslinien muß man heute schon vier Runden (eine Runde: Einsatzort bis Endstation und zurück) anstatt wie früher drei Runden jagen. Dabei ist die körperliche Belastung dieser Kollegen eh schon sehr hoch, weil sie oft Doppeldienste fahren müssen also z.B. Frühdienst bis 11 Uhr und dann nach 10 Stunden 20 Minuten Pause ab etwa 21.30 Uhr wieder. Auf diese Weise wird Wagen für Wagen eingespart, und die Kollegen werden verheizt. Allgemeine Tenor unter uns: Die BVG versucht auf diese menschenverachtende Art und Weise, weiterhin Kollegen loszuwerden, da es scheinbar durch andere Regularien nicht möglich ist, die Personalzahlen herunterzuschrauben. Viele Kollegen würden gern sofort aufhören, haben aber natürlich keine Alternativen (wegen ihres Alters, dem Arbeitsmarkt usw. alles bekannt!) Der wachsende Druck auf die Kollegen verschärft sich noch durch die sogenannte neue ,Oberflächenstruktur. Darunter ist die Einführung des internen Wettbewerbs zwischen den einzelnen Betriebshöfen zu verstehen. Jeder Busbetriebshof ist für sich selbst wirtschaftlich verantwortlich und bietet Verkehrsleistungen im gesamten Raum Berlin/Brandenburg an. Die neuen ,Linien- und Produktmanager und die ihnen untergebenen Gruppenleiter sind für die ,Wirtschaftlichkeit des Produktes verantwortlich, müssen also die Arbeitshetze verschärfen, falls vielleicht der Betriebshof Lichtenberg die Verkehrsleistung billiger als der Betriebshof Zehlendorf anbieten kann. Durch diese privatwirtschaftlich orientierte autarke Situation jedes einzelnen Betriebshofes entstehen z.B. unsinnige Leerfahrten (Einsatzwege ohne Fahrgäste) bei den Linien, die durch den am kostengünstigsten arbeitenden Betriebshof bedient werden. Dabei werden nur die Nutzwagenkilometer berechnet, das bedeutet die tatsächlich mit Fahrgästen gefahrenen Kilometer der Busse und Linien eines Hofes. Im Zentrum stehen nicht mehr die Interessen der Fahrgäste und Mitarbeiter, sondern nur noch die Profitmaximinierung der einzelnen Höfe in Konkurrenz zueinander. Durch den endlosen Einsparungsdruck auf die einzelnen Höfe wird die Dienstleistung, die wir als Mitarbeiter ja erbringen wollen, immer weniger zur Verfügung gestellt. Dies kann meiner Meinung nach nur bedeuten: Die Vorbereitung zur Privatisierung der Oberfläche (Busse). Die Geschäftsleitung stützt sich dabei voll und ganz auf die Zusammenarbeit mit dem Gesamtpersonalrat, den örtlichen Personalräten sowie der Gewerkschaft ÖTV. Nicht nur, daß mein örtlicher Personalrat in Zehlendorf das Aufspalten der verschiedenen Höfe und die Jagd auf Kranke unterstützt; sondern er ,warnt auch noch die Mitarbeiter in Form von Aushängen wie neulich unter der Überschrift: ,Die Konkurrenz wartet schon! Dieser Aushang bestand in einem kopierten Zeitungsartikel, der über den geplanten Bau neuer Bushöfe im Raum Brandenburg berichtete, die wahrscheinlich kostengünstiger arbeiten können, als die der BVG. Auch haben die Personalräte die Einführung von Gruppenleitern unterstützt, die vollkommen unnütz sind und nur dumm herumsitzen und die Kollegen nerven. Es sind meistens Kollegen, die früher auch normale Mitarbeiter waren, sich jetzt aber besser gestellt fühlen und auf die Kollegen Druck ausüben, wenn sie krank sind oder andere Probleme haben. Die Wirtschaftlichkeit des Hofes muß unter allen Umständen gewährleistet bleiben. Die meisten Kollegen wehren sich gegen diese Schnüffler. Sie ähneln den Gruppenleitern, die früher in Ostberlin durch SED und FDGB gestellt und gegen die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe eingesetzt wurden." © neue Arbeiterpresse, Nr. 856, 17. April 1997
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