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SEP-Kandidaten für eine sozialistische Alternative

Die britischen Trotzkisten von der Socialist Equality Party (SEP) nehmen mit vier Kandidaten an den Wahlen teil. Die SEP-Kandidaten sind Julie Hyland in Barnsley-Ost (Yorkshire), Tanja Kent in Tottenham (London), Stuart Nolan in Garston (Liverpool) und Steve Johnstone in Maryhill (Glasgow). Die SEP ist im vergangenen November von der International Communist Party gegründet worden.

In früheren Ausgaben hat die neue Arbeiterpresse bereits das Programm der SEP sowie die Kandidaten Julie Hyland, Stuart Nolan und Tanja Kent vorgestellt. Auf dieser Seite bringen wir Ausschnitte aus einem Interview mit dem vierten Kandidaten, Steve Johnstone, das er der trotzkistischen Zeitung International Worker gegeben hat. Er ist 35 Jahre alt, Busfahrer und seit sechs Jahren Mitglied der trotzkistischen Bewegung.

In seinem Wahlbezirk Maryhill im schottischen Glasgow ist die Arbeitslosigkeit vergangenes Jahr auf 17,2 Prozent geklettert. Glasgow hat nach London die meisten Obdachlosen, man schätzt ihre Zahl auf 8.000 Menschen. Im Stadtrat hat die Labour Party die absolute Mehrheit.

Steve Johnstone muß sich besonders mit den Auswüchsen des schottischen Nationalismus auseinandersetzen, der von Stalinisten, Sozialdemokraten und kleinbürgerlichen Radikalen wie der Schottischen Sozialistischen Allianz propagiert wird. In seinem Interview erklärt Johnstone zunächst, daß die SEP den schottischen Nationalismus unversöhnlich ablehnt, weil er als Instrument zur Spaltung und Schwächung der Arbeiterklasse dient.

"Separatistische Bewegungen repräsentieren die selbstsüchtigen Interessen der Mittelklasse, der Bürokratie und Unternehmer, die ein Vorrecht über die Ausbeutung der Arbeiter in ‘ihrer’ Region beanspruchen. Sie versuchen, Arbeiter politisch auf ihre Seite zu ziehen, indem sie ihnen vorgaukeln, durch nationale Unabhängigkeit könne man die sozialen Probleme lösen. Dies gilt sowohl für die Politik der Schottischen Nationalpartei und der Labour Party, als auch für die Schottische Sozialistische Allianz, an deren Spitze die Scottish Militant Labour steht.

Am offensten ist die Schottische Nationalpartei. Sie vertreten die rückständigsten Schichten der Geschäftsleute, Bauern und der oberen Mittelklasse. Sie fordern ein ‘unabhängiges’ Schottland, um von den europäischen Subventionen direkt zu profitieren und transnationale Investoren anzuziehen. Sie wollen das Nordseeöl ohne Vermittlung von Westminster vermarkten."

Auf die Frage, warum die SEP gegen die Schottische Sozialistische Allianz (SSA) auftrete, und ob dies nicht eine Aufsplitterung der linken Kräfte bedeute, antwortete Johnstone: "Die Schottische Sozialistische Allianz, die von der Scottish Militant Labour geführt wird, ist in Wirklichkeit gar keine linke Alternative zur Labour Party. Die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts – der stalinistischen Restauration des Kapitalismus und der Abwendung der Sozialdemokratie vom Reformismus – zeigt, daß es einen nationalen Weg zum Sozialismus nicht geben kann.

Die SSA erklärt, daß durch die Schaffung eines souveränen schottischen Parlaments die sozialen Probleme gelöst werden könnten." ... "Die schottischen Arbeiter haben 150 Jahre lang Schulter an Schulter mit ihren Klassenbrüdern und -schwestern in England gekämpft. Wenn der schottische Nationalismus heute wachsende Unterstützung bekommt, dann deshalb, weil man aus dem Niedergang der Labour Party ableitet, daß Sozialismus selbst unmöglich sei.

Sozialisten haben aber die Verantwortung, diese Verwirrung zu klären und einen neuen Weg aufzuzeigen, wie auf der Grundlage der internationalen Vereinigung der Arbeiterklasse der Kampf geführt werden kann. Genau das ist in diesen Wahlen unser Ziel."

© neue Arbeiterpresse, Nr. 856, 17. April 1997 

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