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Margret Thatcher - die neue Freundin der Grünen

Vor wenigen Wochen hat der Vorstand der Grünen eine "politische Initiative gegen die Massenarbeitslosigkeit" verabschiedet.

Demnach fordern die Grünen die umfassende Flexibilisierung der Arbeitszeit und die massenhafte Schaffung von massenhaft Teilzeitarbeitsplätzen. Der Vorstandssprecher Jürgen Trittin, der den "linken" fundamentalistischen Flügel vertritt und diese "politische Initiative" vor allem angestoßen hat, sprach sich für "Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich", d.h. massive Lohnsenkungen, "in möglichst vielen Branchen" aus.

Bei dieser Arbeitsmarktpolitik der Grünen ist es nicht verwunderlich, daß die ihnen nahestehende Zeitung TAZ am 23. April anläßlich der Wahlen in Großbritannien einen ganzseitigen Jubelartikel von Dominic Johnson nicht über den Labour-Führer Tony Blair veröffentlicht hat, sondern über - Margret Thatcher und John Major.

Zitate: "Die konservative Ära hat die britischen Wirtschaftsaussichten fundamental verbessert - auch für die Arbeitnehmer, denen die Deregulierung der Arbeitsmärkte langfristig eher genützt hat." ... "Wie man es drehen und wenden will: Großbritannien schafft die schwierige Aufgabe, seinen Bürgern Arbeit zu beschaffen, derzeit besser als seine europäischen Konkurrenten. Wahr ist sicher, daß viele der neugeschaffenen Arbeitsplätze befristet oder Teilzeitarbeitsplätze sind - aber auch da ist schwer von der Hand zu weisen, daß dies besser ist als überhaupt keine Arbeit ... Großbritannien hat nach der konservativen Ära einen der am wenigsten regulierten Arbeitsmärkte Europas. Es gibt keinen gesetzlichen Mindeslohn, keine gesetzliche Beschränkung der Wochenarbeitszeit, kaum Mutterschutz, keine gesetzliche Verpflichtung auf Anerkennung von Gewerkschaften oder flächendeckenden Tarifverträge. Aber bezeichnenderweise will nicht einmal Labour daran viel ändern."

Wer dennoch diese "Erfolge" der Tories bekrittele und auf die hohe Zahl von Billiglohnjobs und Teilzeitarbeitsplätzen unter den "neu geschaffenen Jobs" verweise; der sei in Wirklichkeit ein Frauenfeind, denn diese neuen Jobs seien hauptsächlich Frauen zugutegekommen. In der Tat, wie die TAZ selbst vorrechnet, sind in Großbritannien seit 1988 knapp 800.000 mit Männern besetzt Vollarbeitsplätze vernichtet und an ihrer Stelle etwas über 1 Million Teilzeitarbeitsplätze geschaffen worden, die je zur Hälfte von Männern und Frauen besetzt sind. Neue Vollzeitarbeitsplätze gab es - vorwiegend in Form von Billiglohnjobs - nur noch für Frauen, die damit die Ernährung der Familie sicherstellen müssen.

Die TAZ-Autorin meint dazu, "Margret Thatcher, die erste Frau an der Spitze einer britischen Regierung", habe so "vielleicht ganz heimlich ein frauenfreundliches Erbe hinterlassen, dessen Wirkung erst jetzt langsam durchsickert."

Auch für die Grünen und ihre TAZ-Schreiber gilt das alte Sprichwort: "Sag mir, wessen Freund Du bist, und ich sage Dir, wer Du bist."

© neue Arbeiterpresse, Nr. 857, 01. Mai 1997

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