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Massive Angriffe auf Beschäftigte der australischen Telekom

Korrespondentenbericht

Die australische Telekom - die Telstra - ist dabei, den radikalsten Stellenabbau ihrer Geschichte durchzusetzen. Dabei kann sie sich auf einen zuverlässigen Bündnispartner verlassen: die Gewerkschaft CEPU (Communications Electrical and Plumbing Union).

Wie die australische trotzkistische Zeitung Workers News berichtet, hat der CEPU-Vorstand im März in dem Abkommen von Tullamarine mit seiner Unterschrift zugestimmt, daß allein im Bereich Handel und Kundenbetreuung 2.000 Arbeitsplätze bis zum 1. Juli vernichtet werden. Telstra hat seit dem Sommer 1996 bereits fast 6.000 Stellen gestrichen und will im Verlauf von drei Jahren insgesamt 23.000 Arbeitsplätze abbauen - so sieht es das berüchtigte "Merkur-Projekt" vor.

Die Personalversammlungen, die seit dem letzten Sommer von der CEPU in allen Bereichen und großen Städten einberufen wurden, dienten nur dazu, Dampf abzulassen, die Belegschaften mit dem Gedanken an massive Stellenstreichungen vertraut zu machen, und ihnen einzuimpfen, daß es gar keine andere Möglichkeit gebe, als den Arbeitsplatzverlust zu akzeptieren.

Als Anfang Dezember die ersten Entlassungen erfolgten - die ersten betriebsbedingten Kündigungen betrafen Reinigungskräfte bei der Telefonvermittlung in Melbourne - lehnte der Gewerkschaftsfunktionär Robins auf einer Delegiertenversammlung der Network-Operations in Sydney eine nationale Kampagne zur Verteidigung der Arbeitsplätze rundheraus ab und erklärte: "Gegen Entlassungen werden wir erst kämpfen, wenn sie zu uns über die Grenze nach New South Wales kommen." - <N>In Wirklichkeit diente dieser Appell an Lokalchauvinismus nur dazu, zu verschleiern, daß die Gewerkschaft die Entlassungen aktiv mit vorbereitete!

Noch im Dezember wurde die Vernichtung von 850 Arbeitsplätzen in den Telefonläden angekündigt, und alle Vorgesetzten im gesamten Unternehmen erhielten die Anweisung, eine "Hitliste" von entbehrlichen Arbeitsplätzen zu erstellen.

Die CEPU-Führung verschickte gemeinsam mit dem Management von Networtk Operations in den australischen Bundesstaaten Victoria und Tasmanien einen Rundbrief, in dem die Arbeiter aufgefordert wurden, an Versammlungen, die Management und Gewerkschaft gemeinsam organisierten, teilzunehmen, um Pläne zu diskutieren, die 1.215 Arbeitsplätze dieser Abteilung bis Juni 1998 um 386 zu verringern. In dem Rundschreiben hieß es dazu, daß die Versammlungen das Ziel hätten, "gemeinsam Wege zu erarbeiten, um die Lücke zwischen der angestrebten und der gegenwärtigen Belegschaftsstärke zu schließen und einvernehmliche Maßnahmen zu diskutieren, um die Reduzierung der Beschäftigtenzahl ordnungsgemäß abzuwickeln."

Die trotzkistische Socialist Equality Party (SEP) von Australien rief die Telekom-Beschäftigten dazu auf, unabhängige Komitees aufzubauen und die Verteidigung ihrer Arbeitsplätze in die eignen Hände zu nehmen. An der Ostküste von New South Wales fand eine Versammlung statt, an der sich Arbeiter aus sechs Telstra-Abteilungen dem Aufruf zu unabhängigen Verteidigungskomitees anschlossen.

Die Initiative zu dieser Versammlung ging von dem Gewerkschaftsdelegierten Noel Holt aus, der selbst Mitglied der Socialist Equality Party ist. In einem offenen Brief hatte er davor gewarnt, daß die politische Perspektive der Gewerkschaft CEPU, Telstra "international konkurrenzfähig zu machen", für die Arbeiter die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage - entweder Verlust des Arbeitsplatzes oder Arbeitshetze ohne Ende - bedeuten würde, wobei sie bewußt gespalten und gegeneinander aufgehetzt würden. Er rief dazu auf, jeden einzigen Arbeitsplatz zu verteidigen und jede Form von Arbeitsplatzabbau zurückzuweisen.

Diese Initiative rief innerhalb der Bürokratie große Besorgnis hervor. Auf einer Versammlung in Victoria erklärte der Gewerkschaftssekretär Peter Abrehart den anwesenden Telstra-Beschäftigten, die Gewerkschaft versuche dem Management zu beweisen, daß der notwendige Arbeitsplatzabbau besser mit ihr, als gegen sie zu bewerkstelligen sei. Sein Kollege Len Cooper ergänzte: "Es wäre vernünftig, wenn wir beweisen würden, daß durch sensible Methoden viel bessere Fortschritte erzielt werden als durch Anarchie."

Was die Gewerkschaftsführer unter "Anarchie" verstehen, wurde schnell klar, als John Hart, ein weiterer Gewerkschaftssprecher, mit der Photokopie eines Artikels über die unabhängige Versammlung in New South Wales in der Luft herumwedelte, der in der trotzkistischen Zeitung Workers News erschienen war.

Hart rief aus: "Für die Mitglieder der trotzkistischen Organisationen mag es ja in Ordnung sein, Anarchie zu predigen, aber für uns wird das Ergebnis bedeuten, daß wir am Schluß nur noch die Hälfte der Betriebe vorfinden. Telstra ist schwer frustriert, weil ihre Ziele nicht erreicht worden sind. Wir können jedoch in Zahlen beweisen, daß wir große Anstrengungen unternehmen. Wir wissen, daß Leute gehen müssen. Mit Sicherheit ist es besser, zu verhandeln, als zu streiken und sich im Schützengraben zu verschanzen."

Die Kluft zwischen den Arbeitern und der Bürokratie wird von Tag zu Tag tiefer. Dies wurde deutlich, als Reinigungskräfte einen Offenen Brief an die CEPU schrieben. In New South Wales sind bei der Telstra mindestens 240 Reinigungskräfte von Entlassung bedroht. In dem Brief heißt es: "Ihr habt die Reinigungskräfte nie gefragt, sondern die Gewerkschaft hat sich schlicht und einfach sämtlichen Wünschen der Telstra gebeugt, die die Reinigungskräfte loswerden wollen."

© neue Arbeiterpresse, Nr. 858, 15. Mai 1997

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