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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe Lohnsenkungen im Namen der LohnfortzahlungUm einen Streik im Baugewerbe zu verhindern, hat die IG Bauen Agrar und Umwelt (IGBAU) einer Tarifeinigung für die Bauwirtschaft mit erheblichen Kürzungen bei der Lohnfortzahlung, dem Weihnachts- und dem Urlaubsgeld zugestimmt. Monatelang waren die Tarifverhandlungen ohne jedes Ergebnis verlaufen, so daß schließlich Heiner Geißler (CDU) als Schlichter eingesetzt wurde. Der Schlichtungsspruch Geißlers sah vor, daß die Löhne ab dem 1. April um nur 1,3 Prozent steigen sollten, das Weihnachtsgeld sollte von 100 auf 77 Prozent eines Monatslohns und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in den ersten drei Wochen auf 80 Prozent gesenkt werden. Während der IGBAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel zunächst diesem Spruch zustimmen wollte, lehnte ihn die Große Tarifkommission unter dem Druck der Mitglieder ab, die empört über das Paket waren. Auch die westdeutschen Arbeitgeberverbände wollten ihn nicht akzeptieren, ihnen waren die Lohnsenkungen zu gering. Die IG BAU bot daraufhin weitere Lohneinbußen beim Urlaubs- oder Weihnachtsgeld an, wenn nur wie schon bei den Tarifverhandlungen in anderen Branchen als Feigenblatt der Gewerkschaft die 100-prozentige Lohnfortzahlung von der ersten Woche an auf dem Papier stehe. Sie forderte weitere Spitzengespräche "zur Abwendung eines Arbeitskampfes". Ein solches Gespräch kam dann auch rasch zustande, indem sich die beiden Seiten auf folgende Punkte einigten: Die Lohnfortzahlung wird in den ersten drei Krankheitstagen sowie nach fünf Wochen auf 80 Prozent gekürzt. In den ersten drei Tagen und nach der dritten Woche werden zusätzlich pro Krankheitstag je zwei Arbeitsstunden vom 13. Monatsgehalt, dem Weihnachtsgeld, abgezogen, jedoch nicht mehr als 28. Es blieb bei der Kürzung des 13. Monatsgehaltes von 100 auf 77 Prozent. Zusätzlich wird das Urlaubsgeld von 30 auf 25 Prozent eines Monatslohns reduziert. Die Löhne steigen um 1,3 Prozent. Wiesehügel sprach von einem "wegweisenden Tariferfolg". Auch die Arbeitgeber zeigten sich über diesen Abschluß sehr zufrieden, mit gutem Grund: Die Einsparungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind schließlich größer als die 400 Millionen Mark Kosten pro Jahr für die 100-prozentige Lohnfortzahlung ab dem vierten Krankheitstag. Allein durch die fünfprozentige Kürzung des Urlaubsgeldes fließen mehr als 270 Millionen Mark in die Kassen der Unternehmer. Die Einbußen in den ersten drei Krankheitstagen sind außerdem immer noch so groß, daß es laut Arbeitgeberverband "keinen Anreiz zum Krankfeiern" mehr gebe. Kranke Arbeitnehmer bekämen infolge der verschiedenen Kürzungen nur 55 bis 60 Prozent ihres Lohnes ausgezahlt. Für die ostdeutschen Bauarbeiter, denen die IGBAU per Tarif ohnehin niedrigere Löhne sowie kein Weihnachts- und Urlaubsgeld verordnet, liegt noch überhaupt keine Tarifeinigung vor. Die Kürzungen für Ostdeutschland sollen demnächst verhandelt werden.
© neue Arbeiterpresse, Nr 859, 29. Mai 1997 Copyright 1998 - 2008 World Socialist Web Site Alle Rechte vorbehalten! |