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Betriebsräte setzen Privatisierung durch

Um den Beschäftigten des Stückgutverkehrs der Deutschen Bahn AG die Überführung zur Bahntrans AG nahezulegen, werden zur Zeit an allen größeren Standorten Betriebsversammlungen organisiert.

Am 14. Juni kamen Vertreter der Partei für Soziale Gleichheit (PSG) auf Einladung einiger Arbeiter zu einer solchen Betriebsversamlung in Kornwestheim. Sie verkauften vor dem Versammlungsort die neue Arbeiterpresse und verteilten Flugblätter.

Ein Redakteur der neuen Arbeiterpresse wurde, als er sich auf das öffentliche Interesse der Allgemeinheit berief, vom Geschäftsleiter als Pressevertreter zu der Versammlung zugelassen. Da geriet der Betriebsratsvorsitzende Gottschalk in Panik. Schon zuvor hatte er den Geschäftsleiter darauf hingewiesen, daß nach dem Betriebsverfassungsgesetz die Versammlung nur intern durchgeführt werden dürfe. Nun schrie er, daß durch solch einen Reporter alles in Gefahr geraten könne.

Er befürchtete, daß die Arbeiter, die der Überleitung zur Bahntrans ablehnend begegnen, ein Sprachrohr finden könnten und dann den Mut aufbrächten, offen für ihre Interessen einzustehen. Schließlich gelang es ihm, die Geschäftsleitung dazu zu bringen, daß der Reporter den Saal verlassen mußte. Gottschalk war es auch, der verlangte, daß der Verkauf der neuen Arbeiterpresse eingestellt werde. Er berief sich bei der Hausleitung darauf, daß die PSG kein Recht habe, das Bahngelände zu betreten.

Damit aber nicht genug!

Als am Mittwoch, den 18. Juni wieder ein PSG-Mitglied mit Arbeitern im Frachtzentrum über die Betriebsversammlung diskutierte und ihnen die neue Arbeiterpresse zeigte, griffen erneut zwei Gewerkschaftsvertreter ein. Jugoslawische und türkische Arbeiter berichteten gerade über ihre Erfahrungen, da sprangen zwei Betriebsräte bzw. Vertrauensleute herbei und verlangten von unserem Mitglied, unverzüglich das Bahngelände zu verlassen. Als der PSG-Vertreter daraufhin die Arbeiter aufforderte, eben ein paar Minuten mit vor das Tor zu kommen, und diese der Aufforderung nachkommen wollten, bedrohte einer der Bürokraten die Gepäckarbeiter, daß sie in diesem Falle alles verlieren könnten und daß das den Verlust des Arbeitsplatzes bedeute. Eingeschüchtert blieben die Arbeiter zurück.

Das ganze Verhalten der Betriebsräte zeigt, wie groß ihre Angst davor ist, daß die Beschäftigten sich den geplanten Maßnahmen widersetzen und einen Kampf zur Verteidigung der bestehenden Verhältnisse aufnehmen.

© neue Arbeiterpresse, Nr. 861, 26. Juni 1997 

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