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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe Opel-Belegschaften vor scharfen AngriffenDer General-Motors-Konzern hat mit einer umfassenden Globalisierungsoffensive weitreichende Angriffe auf Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen vorbereitet. Im Jahr 1995 hatte der Konzern trotz nur geringfügig gestiegener Absatzzahlen einen Rekordgewinn von umgerechnet 9,9 Milliarden DM erzielt, allein auf Grund eines massiven Abbaus von Arbeitsplätzen und Löhnen. 1996 gab dann der Opel-Chef David Herman die Globalisierungspläne des Konzerns bekannt. Die Herstellung der gesamten Modell-Palette sollte mittels einer geringen Anzahl "Plattformen" standardisiert, die Entwicklung in Rüsselsheim konzentriert und die Anzahl der Produktionsstätten weltweit auf 34 bis zur Jahrtausendwende erhöht werden. Herman erklärt heute, die Globalisierung sei unumgänglich, da die europäischen Märkte zunehmend gesättigt und von Überkapazitäten geprägt seien. Alle Automobilhersteller stehen in einem mörderischen Konkurrenzkampf, der ihnen in der Wahl der Mittel kaum noch Alternativen läßt. Um den Aktionären auch in Zukunft die gewünschten Profite zahlen zu können, müssen die Produktionskosten gesenkt werden. Im Rahmen der Globalisierung will GM daher im Jahr 2001 vier neue Werke in den Niedriglohnländern Argentinien, Polen, Thailand und Brasilien eröffnen. Die Unternehmensspitze verhandelt auch über Standorte im Nordwesten Rußlands, in der Ukraine und in Südchina. Überdies rechnet GM mit einem Kollaps des Automobilmarktes in Westeuropa, dem bisherigen Hauptabsatzgebiet von Opel. Autos gehören zu den Konsumartikeln, deren Verkauf wesentlich erschwert wird, wenn das Einkommen der Mehrheit der Bevölkerung stagniert oder sinkt. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist der Absatz in Deutschland um 5 Prozent zurück gegangen. Peter Hanenberger, der für die Technik sowohl der Automobile als auch der Fabriken außerhalb der USA zuständig ist, faßte diese Einschätzung zusammen: "Langfristig wird das Auto zum bloßen Fortbewegungsmittel." Bei VW und Ford ist der Umsatz in der gleichen Größenordnung gesunken wie bei Opel. Die Auseinandersetzungen um die Anteile auf dem schrumpfenden Markt werden rücksichtslos auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Der Betriebsrat bei Opel ließ verlauten, daß die geplante Produktionsreduktion in Europa um 150.000 Autos pro Jahr den Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen zur Folge haben könne. David Herman bestätigte indirekt derartige Überlegungen des Unternehmens, indem er erklärte, "daß Opel derzeit die offensichtlichen Überkapazitäten in der europäischen Automobilindustrie analysieren und sich auf notwendige Anpassungen einstellen muß". In Rüsselsheim soll eine von zwei Fertigungslinien abgebaut werden, und für das Motorenwerk in Kaiserslautern wird mit einem Abbau von 2000 Arbeitsplätzen gerechnet. Wahrscheinlich noch verheerender dürften die Auswirkungen bei den Werken im belgischen Antwerpen und im portugiesischen Azambuja sein. Auch die Stillegung ganzer Werke ist nicht ausgeschlossen. Bei einem kürzlichen Besuch in Eisenach erklärte Louis Hughes, der Chef der internationalen Abteilung von GM, der Eisenacher Betrieb sei "das letzte Werk, das wir schließen würden". Er sagte nicht, welches das erste und zweite sein würde. Die Praxis des Opel-Betriebsrats in den letzten Jahren zeigt, daß er solche Befürchtungen nicht verkündet, um den Kampf dagegen aufzunehmen, sondern um die Belegschaft einzuschüchtern und die Angriffe gegen sie durchzusetzen. So hat der Betriebsrat in Bochum unter Peter Jaszczyk in den letzten Jahren nach der Einführung von Gruppenarbeit und der Zustimmung zu Dauernachtschichten, in der berüchtigten Betriebsvereinbarung 210 die Weihnachtsgeldzahlungen vom Krankenstand abhängig gemacht und zusammen mit dem Unternehmen eine Hetzjagd auf kranke Arbeiter organisiert. In einer weiteren Betriebsvereinbarung wurde ein "Arbeitszeitkorridor" festgelegt, mit anderen Worten eine Variante der Arbeit auf Abruf. Die Gegenleistung des Unternehmens war eine natürlich nicht einklagbare Standortgarantie. Diese Vereinbarung läuft Ende dieses Jahres aus, und die Betriebsräte sind eifrig damit beschäftigt, noch weitergehende Abkommen auszuhandeln. Die Bereitschaft dazu haben sie in der letztgenannten Betriebsvereinbarung schriftlich festgehalten. Danach "... sind sich Geschäftsleitung und Betriebsrat darüber einig, daß diese Betriebsvereinbarung sowie ihre Ergänzungen und Protokollnotizen wesentliche Bestandteile der gemeinsamen Bemühungen um eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahre 1999 sind; Geschäftsleitung und Betriebsrat werden zur Erreichung dieses Zieles gemeinsam weitere Anstrengungen unternehmen." Und um die Haltung des Betriebsrates noch klarer zu formulieren schließt das Dokument mit dem Absatz: "Es besteht Einigkeit zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat, daß im Falle eines Zusammenbruches des Automobilmarktes mit Auswirkungen auf die Adam Opel AG oder eines Zusammenbruches der Firmenproduktion auf zusätzliche Maßnahmen zur Reduzierung der Produktion und/oder der Lagerbestände zurückgegriffen werden kann." Diese "Einigkeit" ist die Grundlage, auf der die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmen heute stattfinden. Wie erfolgreich die Arbeitshetze in den Betrieben für die Aktionäre bisher schon war, kann man daran ablesen, daß die Profite von Opel vor Steuern 1996 um 19 Prozent auf 477 Millionen DM gestiegen sind bei einer Umsatzsteigerung von nur 9 Prozent. © neue Arbeiterpresse, Nr. 861, 26. Juni 1997
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