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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe Den Beschäftigten im Handel reißt der GeduldsfadenStreik im nordrhein-westfälischen Groß- und AußenhandelIn der Tarifauseinandersetzung im Groß- und Außenhandel Nordrhein-Westfalens ist es zu einem einwöchigen Streik gekommen. Am Abend des 2. Juli traten die ersten Betriebe in den Ausstand, auf dem Höhepunkt des Streiks beteiligten sich rund 2.500 Beschäftigte aus 23 Betrieben. Das Ergebnis der Tarifverhandlungen vom 9. Juli war bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt. Im Zentrum des Streiks standen Firmen und Konzerne in Duisburg und Essen. Beim größten Betrieb, der Firma Interbuy GmbH, einer Tochter der Metro-Gruppe, beteiligten sich über 400 Beschäftigte am Streik. In der Urabstimmung hatten sich 97 Prozent der gewerkschaftlich Organisierten und 90 Prozent der Unorganisierten für einen Streik ausgesprochen. Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und der Betriebsrat waren darüber so überrascht, daß sie das Ergebnis mit der Schlagzeile "Unglaublich, aber wahr!" bekanntgaben. Die weitverbreitete Meinung der Beschäftigten ist, daß man jetzt endlich den ständigen Verschlechterungen sowohl bei den Arbeitsbedingungen als auch bei den Löhnen entgegentreten muß. Die Arbeitgeber versuchen, in diesen Tarifverhandlungen drastische Verschlechterungen durchzusetzen:
Nachdem vier Verhandlungen als gescheitert erklärt worden waren, rief die HBV zur Urabstimmung und wenig später zu ein- bis dreitägigen Streiks auf. Damit sollte für die fünfte Verhandlungsrunde am 26. Juni Druck auf die Arbeitgeber ausgeübt werden. Doch diese blieben bei ihren Forderungen, obwohl die HBV sich "bis an die Grenze des Möglichen bewegt [hat], um einen Abschluß zu erzielen." (Flugblatt der HBV) Die Gewerkschaft bot eine Berechnung der hundertprozentigen Lohnfortzahlung ohne Berücksichtigung der Mehrarbeitszuschläge, eine Verdoppelung des Arbeitszeitregelungszeitraums auf ein Jahr sowie eine eineinhalbprozentige Lohnerhöhung, einschließlich der Auszubildendenvergütung an. Doch die Arbeitgeber lehnten ab. "Auch weitergehende Alternativen haben die Arbeitgeber nicht von ihrem neuen Verschlechterungskatalog abbringen können," klagte die HBV. So war sie angesichts der Streikbereitschaft der Beschäftigten gezwungen, zu weiteren Streiks aufzurufen, die dann am 2. Juli begannen. Während des Streiks vereinbarte die HBV in 15 Unternehmen Haustarifverträge zum Teil mit den bereits in den Tarifverhandlungen angebotenen Zugeständnissen. Die Metro-Gruppe, Europas größter Handelskonzern, untersagte seiner Tochter, der Interbuy GmbH in Essen, aber den Abschluß eines Haustarifvertrags, so daß auch dort der Streik eine Woche andauerte und weiterreichende Auswirkungen hatte. Da die Interbuy GmbH die Supermärkte der Ketten Real, Tip und Extra in Nordrhein-Westfalen beliefert, gab es in den Supermärkten Engpässe. Insbesondere im Frischebereich (Molkerei-Produkte) versuchte die Interbuy-Geschäftsleitung die Versorgung aufrechtzuerhalten. Zwar hatte die HBV bereits im Vorfeld des Streiks der Auslieferung der schnell verderblichen Waren wie Milch zugestimmt, doch fanden sich kaum Beschäftigte, die den Streik gebrochen haben. Und das, obwohl ein großer Teil der Belegschaft aus studentischen Teilzeitkräften und Leiharbeitern besteht. Selbst aus Köln oder Dortmund bestellte Arbeiter von Leihfirmen weigerten sich, als Streikbrecher zu arbeiten, und fuhren wieder zurück. © neue Arbeiterpresse, Nr. 862, 10. Juli 1997
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