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WSWS : WSWS/DE : Archiv neue Arbeiterpresse
zurück zum Inhalt dieser Ausgabe "Wir würden solange streiken, bis die Arbeitgeber nachgeben"Die neue Arbeiterpresse sprach nach der Streikversammlung der HBV am 8. Juli in Dortmund mit Arbeitern der Firma von Schaewen, Essen. Rund 300 Beschäftigte sind dort in der Stahlverarbeitung und im Stahlhandel tätig. Auch ihr Betrieb wurde seit Donnerstag, dem 3. Juli bestreikt. "Wir würden solange streiken, bis die Arbeitgeber nachgeben", sagte Ycüel Wicer. "Wir haben schon relativ niedrige Löhne im Großhandel, wir können uns keine weiteren Verschlechterungen leisten. Es geht ja nicht nur um 1,5 Prozent mehr Lohn, das ist eh so wenig, das könnten sie sich an den Hut stecken. Es geht um alle möglichen Verschlechterungen beim Krankengeld, bei den Zuschlägen usw. Bei den Löhnen hätte die HBV sofort eine höhere Forderung aufstellen sollen. Aber da fehlte ihr der Mut. Sie haben sich vom Vorpreschen der Arbeitgeber sofort einschüchtern lassen." Zum Streikverlauf selbst sagte er: "Ich finde schon gut, daß so viele Kollegen streiken, aber meiner Meinung nach könnte es noch besser sein. Es gibt doch noch Leute, die arbeiten. Bei uns sind es nur einige aus dem Büro, die Meister und zwei oder drei Kollegen mit Zeitverträgen. Aber woanders soll es anders sein. Man sollte sich nicht auseinanderdividieren lassen und zusammenhalten." Daß die Unternehmer gerade dies immer wieder versuchen und die Betriebsräte dabei mitspielen, spürte er am eigenen Leibe. "Letztes Jahr wurde das Weihnachtsgeld bei uns nach einem Punktesystem vergeben. Je mehr Leistungspunkte man hatte, desto höher war das Weihnachtsgeld. Das Ergebnis war, das alle Kollegen sich gegenseitig in den Rücken gefallen sind. ,Wieso hat der 12 Punkte und ich nur 11, was macht der denn besser? So oder ähnlich lief das dann ab. Die Kollegen wurden gegeneinander aufgehetzt. Diesem Punktesystem hat der Betriebsrat ohne uns zu fragen zugestimmt. Der fragt uns ohnehin selten. Letztens hat er auch zwei Zusatzschichten an zwei Samstagen zugestimmt, ohne uns zu fragen. Da waren wir alle sauer und sind zu ihm hin. Beim nächsten Mal hat er uns dann aber vorher gefragt." Nach seiner Prognose zur 6. Verhandlungsrunde am folgenden Mittwoch befragt, antwortete Ycüel Wicer: "Wir hoffen alle, daß sie sich einigen. Wenn es stimmt, daß unsere Firma pro Tag mehrere Millionen Mark durch den Streik verliert, müßten wir ja gute Karten haben. Aber das Problem ist, daß die Betriebe die Millionen, die sie jetzt durch den Streik verlieren, durch spätere Kürzungen wieder reinholen können, z. B. beim Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder bei anderen übertariflichen Leistungen, von denen es bei uns immer noch einige gibt." © neue Arbeiterpresse, Nr. 862, 10. Juli 1997
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