|
Ein Appell an unsere Leser Unterstützt die WSWS! Heute neu ! ANDERE HIGHLIGHTS Die Diktatur der Banken Die Wall Street-Krise 1968 - Generalstreik und Studentenrevolte in Frankreich Marxismus, Geschichte und sozialistisches Bewusstsein |
WSWS : WSWS/DE : Archiv neue Arbeiterpresse
zurück zum Inhalt dieser Ausgabe Die Erfolge der Wissenschaft auf dem Mars und die sozialen Probleme auf der ErdeEin Kommentar aus dem "International Workers Bulletin"Der großartige Erfolg der Pathfinder-Mission zeigt, wie moderne Wissenschaft und Technologie in der Lage sind, die kompliziertesten Probleme zu lösen. Die Fotos und Daten, die von der Pathfinder-Sonde zur Erde geschickt wurden, seit sie am 4.Juli nach sieben Monaten auf der Marsoberfläche aufsetzte, haben Millionen Menschen auf der ganzen Welt fasziniert und begeistert. In einer Woche auf der Marsoberfäche hat Pathfinder mehr als 1.700 Fotos der Landschaft übermittelt und Dutzende von Experimenten durchgeführt. Sein Minifahrzeug, das Wissenschaftler im NASA-Labor für Strahlenantrieb in Pasadena (Kalifornien) "Sojourner Truth" benannt haben, hat auf seinem Weg über die Marsoberfläche nicht nur den Boden, sondern auch die Zusammensetzung mehrerer Felsbrocken untersucht. Auf der Grundlage der ersten Daten haben Wissenschaftler bereits einige vorläufige Schlußfolgerungen über die geologischen und meterologischen Bedingungen auf dem Mars gezogen, die zum Teil lange unangefochtene Ansichten über den Haufen werfen. Als Sojourner einen "Barnacle Bill" getauften Felsen untersuchte, machten seine Meßgeräte eine erstaunliche Entdeckung: große Anteile von Silikat (Kieselerde), in einer Form, wie sie sonst meist in Quartzgestein auftritt, das auf der Erde mit vulkanischen Aktivitäten zusammenhängt. Der Mars zeigt jedoch kaum Anzeichen von vulkanischer Aktivität. Der Fund deutet darauf hin, daß die Geologie auf dem Mars weitaus komplexer ist, als früher angenommen wurde. Hinweise darauf, daß es zu irgendeinem Zeitpunkt der Entwicklung des Planeten dort einmal Wasser gegeben hat, haben einige Wissenschaftler der Mission drarüber nachdenken lassen, ob die Ebene Ares Vallis nicht als Landefläche dienen könnte. Analysen der Pathfinder-Fotos haben ergeben, daß die Anordnung der Felsen auf enorme Wasserbewegungen in früherer Zeit hindeutet. Was vor mehr als Milliarden Jahren mit dem Wasser geschehen ist, bleibt bis jetzt ein Rätsel; aber daß es welches gab, läßt darauf schließen, daß möglicherweise auch einmal Leben in der einen oder anderen Form auf dem Mars existiert hat. In der Pathfinder-Mission sind in scharfer Form die Widersprüche des modernen gesellschaftlichen Lebens ausgedrückt. Das Raumfahrt-Programm der USA ist schwer getroffen worden von den Haushaltskürzungen und von dem ganz allgemein sinkenden Interesse der herrschenden Klasse an allem, was nicht unmittelbar satte Profite abwirft. Die jüngsten Entwicklungen in der Raumfahrt etwa der Fehlschlag der Marsmission der NASA von 1993 haben das Pathfinder-Projekt zu einer Art "Alles oder Nichts"-Mission gemacht. Die Diskussion über billigere Raumfahrt (Pathfinder und Sojourner kosten 196 Millionen Dollar im Vergleich zu den 3 Milliarden Dollar von Vikings Zwilling) läuft darauf hinaus, aus der Not eine Tugend zu machen. Obwohl sie mit relativ begrenzten Mitteln arbeiten, haben die Pathfinder-Wissenschaftler erstaunliche Erfolge erzielt und damit das öffentliche Interesse an der Raumfahrt und -forschung wiederbelebt. Weitere technische Fortschritte die Entwicklung des Personalcomputers und des Internets haben dieses Wiedererwachen gefördert und teilweise ermöglicht. Allein am Tag der Landung von Pathfinder gab es mehr als hundert Millionen Zugriffe auf die Internetseiten der NASA. Spektakuläre Bilder von der Landung auf dem Mars und Farbaufnahmen von der Planetenoberfläche sind fast ohne Zeitverzögerung in Millionen Haushalte übertragen worden. Damit hat die Pathfinder-Mission die wachsenden Möglichkeiten der Technologie demonstriert, den gesunden Wissensdurst der Menschen bezüglich der Beschaffenheit ihres Universums zu befriedigen. Das Interesse von Presse und Fernsehen an der Marsmission hat allerdings nach der ersten Woche stark nachgelassen. Dazu haben zweifellos viele Faktoren beigetragen, aber ganz allgemein wissen die Medien wohl einfach nicht recht, was sie mit einem Ereignis anfangen sollen, in dem weder ein schreckliches Verbrechen noch die Mätzchen irgendeines millionenschweren Unternehmers, Sportlers oder Topmodels vorkommen. Im Gegensatz dazu sind die Teilnehmer der Pathfinder-Mission leidenschaftliche, ein wenig exzentrische und größtenteils junge Wissenschaftler, die an der Weiterentwicklung des menschlichen Wissens arbeiten. In gewisser Weise hat ihre Leistung die vorherrschende Ideologie des Individualismus und der Anbetung des Geldes durchbrochen. Die Medienkonzerne waren ohne Zweifel über die weit verbreitete Begeisterung für die Marsmission, besonders unter jüngeren Leuten, irritiert und sogar erschreckt. Die Pathfinder-Mission wirft außerdem noch weitere Fragen auf, die für die Herrschenden unangenehm sein müssen. Denn im Grunde genommen macht sie den Widerspruch deutlich zwischen der Macht und den möglichen Segnungen der modernen Wissenschaft und Technologie einerseits und dem Versagen des kapitalistischen Systems andererseits, das die uralten sozialen Probleme Armut, Hunger, Seuchen und Unwissenheit nicht lösen kann. Wenn der Mensch fähig ist, eine Mission zum Mars zu entsenden und Pläne zu entwerfen, schon bald im nächsten Jahrhundert ein menschliches Wesen auf diesem Planeten zu landen dann gibt es keinen Grund anzunehmen, er könne seine eigene Gesellschaft nicht auf vernünftige Weise reorganisieren und Hunger und Not beseitigen. Es ist klar, daß alle brennenden sozialen Probleme gelöst werden könnten, wenn die Menschheit ihre kollektive Genialität, die ein halbes Jahrhundert lang größtenteils in wissenschaftliche und technische Kanäle geflossen ist, in diesem Sinne einsetzen würde. Welches Problem könnte kraft einer solchen gemeinsamen Anstrengung nicht überwunden werden, wenn die Gesellschaft einmal von den Fesseln des Profitsystems befreit wäre? Die Voraussetzung dafür ist jedoch die revolutionäre Mobilisierung der Arbeiterklasse durch den Aufbau einer sozialistischen und internationalistischen Partei. Wer die Pathfinder-Mission so versteht, den kann sie nur mit großem geschichtlichen Optimismus erfüllen. © neue Arbeiterpresse, Nr. 863, 14. August 1997
Copyright 1998 - 2008 World Socialist Web Site Alle Rechte vorbehalten! |