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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe Erfolgreiche Anhörung über den Zusammenhang von Krebs und UmweltverschmutzungAm 19. und 20. Juli berief die Socialist Equality Party (Partei für Soziale Gleichheit) Australiens eine Anhörung ein, die das Auftreten von Leukämie und Krebs in der Stadt Wollongong untersuchte. Zehn Monate lang hatte zuvor eine von allen Regierungsbehörden unabhängige Kommission den Zusammenhang zwischen Krebs und Umweltverschmutzung in diesem Gebiet untersucht. Sie stellte ihre Ergebnisse nun in Port Kembla, dem Industriezentrum von Wollongong zur Diskussion. Wollongong liegt etwa 90 km südlich von Sydney und ist Sitz der größten Stahlfabrik Australiens, sowie von weiterer Schwerindustrie. Viele Vororte liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stahlfabrik, zu Kokereien und anderen Quellen giftiger Schadstoffe. Viele Häuser, Schulen und Sportplätze sind auf verseuchtem Grund gebaut. Die "Workers Inquiry" (Arbeiteruntersuchung) war letztes Jahr von der SEP ins Leben gerufen worden, nachdem das 20jährige Leukämie-Opfer Melissa Cristiano darauf aufmerksam gemacht hatte, daß in jener Gegend viele junge Leute an dieser seltenen Krankheit sterben. Zwischen 1990 und heute sind mindestens sieben junge Leute, unter ihnen auch Melissa Cristiano, aus den an die Stahlwerke von BHP grenzenden Wohnvierteln gestorben. Etwa 200 Menschen, vor allem Einwohner Wollongongs und Arbeiter, besuchten die Anhörung und wohnten insgesamt elf Stunden Zeugenaussagen bei. Mehr als drei dutzend Opfer, Verwandte, Stahlarbeiter von BHP, ehemalige Beschäftigte einer Kupferschmelze, sowie andere Arbeiter und Einwohner machten Aussagen oder Beiträge, außerdem Wissenschaftler, ein Arzt, Beschäftigte des Gesundheitswesens und ein Bauer. Diese Aussagen und die weiteren Beweise, die in zehn Monate langen Nachforschungen gesammelt worden waren, erbrachten den eindeutigen Nachweis, daß zwischen der Luftverschmutzung in Port Kembla und der hohen Rate von Leukämie-, Lymph- und anderen Krebserkrankungen ein Zusammenhang besteht. Peter Stavropoulos, der Vorsitzende der Workers Inquiry, eröffnete sie mit einer Schweigeminute für die Opfer und berichtete anschließend über den Kampf der SEP in dieser Sache. Will Juarez, der Vater von Melissa Cristiano und Kommissionsmitglied, verlas eine Erklärung. "Melissa ist zwar von uns gegangen, aber sie hat viele Menschen inspiriert, den Kampf weiterzuführen, den sie begonnen hat", sagte er. Im Eröffnungsbeitrag entlarvte Mike Head, Chefredakteur der Parteizeitung der SEP Workers News, den Leukämiebericht der Labor-Regierung von New South Wales, den die Staatliche Gesundheitsbehörde verfaßt hatte. Er erläuterte außerdem das Beweismaterial der Untersuchungskommission. Er zeigte auf, daß der Bericht der Gesundheitsbehörde keine Untersuchung, sondern eine Vertuschung sei, die zu zwei vorgefaßten und im voraus verkündeten Schlußfolgerungen kommen sollte: daß die Häufung der Leukämie-Fälle völlig unerklärlich und BHP unschuldig sei. Er erklärte, daß die Gesundheitsbehörde Zahlen ignoriert und zu unterdrücken versucht hatte, die belegten, daß die Einwohner im Umkreis von Port Kembla mit einer zehnfach erhöhten Wahrscheinlichkeit Leukämie oder andere Krebskrankheiten bekommen könnten, als jene in 15 bis 20 km Entfernung. Sein Bericht führte an, daß die Behörde in den letzten drei Jahrzehnten keine unabhängigen Studien über den Schadstoffausstoß von BHP oder einer anderen Fabrik durchgeführt hatte. Stattdessen hatte sie sich auf Schätzungen und ein Erklärungsmodell von BHP selbst gestützt. Der offizielle Bericht war teilweise von BHP finanziert worden. Im Vorstand des dafür verantwortlichen Komitees saßen Vertreter von BHP und den verschiedenen Regierungsbehörden, die in die Gesundheitskrise verwickelt sind. Die erste Zeugenaussage machte Melissa Cristianos Ehemann Nick, der schilderte, wie die Gesundheitsbehörde von Anfang 1996 bis zum September desselben Jahres wiederholt die Aufforderungen Melissas abgelehnt hatte, eine Untersuchung durchzuführen. Bewegende Aussagen machten Melissas Mutter Judy Juarez und andere Verwandte von Krebsopfern. Die Mathematikerin Daniela Reverberi und der Umweltwissenschaftler Chris Illert stellten einen Bericht vor, der zeigte, daß die geographische Verbreitung der Leukämie- und Krebsfälle unleugbar auf drei Quellen hinweist: das Industriezentrum von Port Kembla und zwei Benzol ausstoßende Kokereien nördlich von Wollongong. Weitere Zeugen waren u.a. Dr. Evan Whittaker, ein praktischer Arzt, dessen Bitten um eine Untersuchung der Bodenvergiftung durch BHP von der Gesundheitsbehörde ignoriert worden waren; Helen Hamilton, eine Anwohnerin, deren Klage gegen die Wiedereröffnung einer Kupferschmelze in Port Kembla von der Labor-Regierung abgeblockt worden war, um keine schädlichen Informationen an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen; und Evan Perkins, ein Milchbauer, dessen Vieh durch Schlacke von BHP, mit der eine Straße in der Nähe seiner Farm gebaut wurde, vergiftet worden war. Terry ODea, der Bruder des jungen Leukämieopfers Darren ODea, verurteilte den Bericht der Gesundheitsbehörde aufs Schärfste. Er erklärte, die Regierungsinstitution habe "einen Freischein für weitere Todesfälle ausgestellt" und solle "wegen Mordes angeklagt werden". Er erklärte: "Ich habe an vielen Versammlungen der örtlichen Gesundheitsbehörde teilgenommen. Auf all diesen Treffen ist alles, was wir als die Gemeinde vorgeschlagen haben, als lächerlich zurückgewiesen worden. Was wir ihnen auch vorschlugen die Antwort war Nein!" Zeugenaussagen machten auch Robert Davison, ein Krebsopfer, Ann Cohrs, deren Mutter an Krebs gestorben war und Hank Bos, die allesamt in derselben Straße wohnen. Die Gesundheitsbehörde hat sich geweigert, der Tatsache nachzugehen, daß sieben Menschen, darunter Davisons Ehefrau und seine Nachbarn, in den letzten sieben Jahren an Krebs gestorben sind, vier davon an dem seltenen Speiseröhrenkrebs. Emonn Brunt, früherer Gasregulierer in den Koksöfen von BHP, beschrieb ausführlich die unsicheren Bedingungen in den Kokereien, die Weigerung des Unternehmens, für die Gesundheit und Sicherheit der Stahlarbeiter zu sorgen und wie der Ausstoß giftiger Gase vertuscht wurde, wenn die Gesundheitsbehörde einmal Messungen vornahm. Am zweiten Tag zeigte Peter Stavropoulos auf, wie die Gewerkschaften es BHP und den Eigentümern der Kupferschmelze ermöglicht hatten, Arbeiter und deren Familien zu vergiften. Terry Cook, Workers News-Redakteur für betriebliche Fragen, erklärte in seinem Bericht, wie das Umweltschutzamt und andere Behörden systematisch die Gesundheit der Konzernprofite statt der Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung schützten. Viele der Teilnehmer waren erheblichem Druck ausgesetzt worden, nicht an der Untersuchung teilzunehmmen. Ein früherer Arbeiter der Mülldeponie von BHP berichtete, er habe zahlreiche Telefonanrufe bekommen, die ihn gewarnt hätten, nicht über die Verklappung von Säuren im Hafen von Port Kembla und der gesamten Gegend auszusagen. Je länger die zweitägige Anhörung dauerte, desto mehr begann sich das Publikum zu beteiligen. Die Kommissionsmitglieder wurden bei ihren Fragen an die Zeugen unterstützt und es kamen Beiträge von den Zuschauerrängen. Weitere Opfer und Arbeiter entschlossen sich, selbst auszusagen. Vicky Owen, eine ehemalige Anwohnerin, sprach für viele, als sie die Untersuchung als "hervorragend" bezeichnete. Zum Abschluß wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die den Bericht der Gesundheitsbehörde als Vertuschungsversuch verurteilte. Nick Beams, der nationale Sekretär der SEP, der die Resolution zur Abstimmung stellte, erklärte dazu, daß die offizielle Vertuschungsaktion keine "Ausnahme" sei, die durch individuelle Korruption erklärt werden könne. "Die Tatsache, daß BHP diese Untersuchung zu einem beträchtlichen Teil finanziert und im zuständigen Regierungsausschuß gesessen hat, ist nichts außergewöhnliches, sondern bloß ein Ausdruck dessen, was jeden Tag in den Beziehungen zwischen den Regierungsorganisationen und den Unternehmern abläuft... Es ist wie ein gut einstudiertes Theaterstück, jeder Schauspieler kennt seine Rolle, weiß, wie er sich bewegen muß, wann seine Einsätze sind. Beams bemerkte, daß die enge Arbeitsbeziehung zwischen dem Kapital und den verschiedenen Bürokratien in scharfem Gegensatz zu dem Desinteresse und der ausgesprochenen Feindschaft der Regierungsbehörden gegenüber den Sorgen der Anwohner und Krebsopfer stünde. Er erklärte, daß die SEP die Position der Gesundheitsbehörde ablehne, derzufolge die Krebskrise ein Geheimnis sei, das niemals gelüftet werden könne. "Wenn wir uns von unserem Wohnzimmer aus Bilder vom Mars ansehen können, wenn Wissenschaftler in das Innerste des Lebens selbst eindringen können, wenn sie das DNA-Molekül untersuchen, dann können auch Antworten auf diese Krise gefunden werden." Beams schloß mit der Aufforderung an alle Anwesenden, sich an der Arbeit der Workers Inquiry zu beteiligen. "Wir sehen diese Untersuchung als Teil eines breiteren Kampfes an für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft, in der die einfachen Menschen in ihrem täglichen Leben eine Gesellschaft organisieren, in der Entscheidungen auf der Grundlage sozialer Bedürfnisse und nicht der Profitinteressen der Unternehmer getroffen werden; eine Gesellschaft, in der jedermann zur Verwaltung herangezogen werden und dafür verantwortlich sein wird, und nicht eine bürokratische Kaste." Die Resolution rief die Workers Inquiry auf, ihre Arbeit fortzusetzen und forderte, daß die Kommissionsmitglieder ihre Ergebnisse sobald wie möglich veröffentlichen sollten. Dies soll auf einer öffentlichen Veranstaltung in Wollongong geschehen, der weitere im ganzen Land folgen werden. Eine Geldsammlung erbrachte mehr als 1.500 australische Dollar. Marxistische Literatur im Wert von mehreren hundert Dollar wurde verkauft und mehrere Dutzend Besucher entschieden sich zur aktiven Mitarbeit am Komitee der Workers Inquiry. © neue Arbeiterpresse, Nr. 863, 14. August 1997
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