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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe "Wir wollten den Flächentarifvertrag und bekommen nur noch Haustarifverträge"Frank Sperling arbeitet seit 16 Jahren bei der Karl-Heinz Helfenbein GmbH als Fliesenleger. Die neue Arbeiterpresse traf ihn zu Beginn der sechsten Streikwoche, als bereits ein Großteil der Firmen Haustarifverträge abgeschlossen hatten. "Früher ging es uns gut, wir wurden immer pünktlich und gut bezahlt. Heute ist Berlin verdammt teuer und wir können es nicht zulassen, was sie mit uns jetzt machen wollen. Es müßten mehr streiken, doch stattdessen werden es immer weniger Betriebe, die bestreikt werden. Mein Arbeitgeber wird bestimmt nicht nachgeben, obwohl er Verluste macht. Er ruft mich jeden Tag an und setzt mich unter Druck, ich solle doch wiederkommen, ich würde es doch eh nicht so ernst meinen mit dem Streik, ich wäre doch nur ein Mitläufer. Bei uns arbeiten 20 Arbeiter, davon streiken heute nur noch vier. Am Anfang waren es neun, doch durch den Psyschoterror seitens der Firma gingen fünf wieder zurück zur Arbeit. Eigentlich streiken wir für einen Flächentarifvertrag, aber nun kommen dabei nur Haustarife zum Vorschein. Seit dem Kampf für die Lohnfortzahlung hat es keine Gewerkschaft bisher geschafft, einen richtigen und annehmbaren Tarifvertrag abzuschließen. Auch der Schlichterspruch von Geißler ist kein richtiger in unserem Interesse liegender Tarifvertrag. Bei uns gibt es jetzt erst ab dem vierten Krankentag 100% Lohnfortzahlung, und man schränkte das Weihnachtsgeld ein. Es ist wirklich schlecht, daß es so viele verschiedene Tarifgebiete gibt. Wenn man nur wenige Kilometer aus Berlin heraus fährt, ist man schon in einem anderen. Die Brandenburger Firmen können dadurch, trotz langem Anfahrtsweg, billiger anbieten als Berliner Firmen, ganz zu schweigen mit den anderen Ländern. Es sollte eigentlich einen absoluten Flächentarifvertrag für Berlin-Brandenburg oder noch größere Gebiete geben. Im Augenblick haben wir drei oder sogar vier. Der letzte Schritt wäre, ganz Europa zusammenzufügen. Fakt ist doch, daß Deutschland ein Hochlohnland ist und in den umliegenden Ländern weniger bezahlt wird. Wenn ich in Frankreich 50 DM mehr bekäme, würde ich auch nach Frankreich fahren, um dort zu arbeiten. Es sollte doch jeder das Recht haben, dort zu arbeiten und zu leben, wo er will. Diese Freiheit muß man haben. Die Argumente, man sollte nur 30 Prozent billige Arbeiter nach Deutschland lassen, sind sicher keine Lösung. Bevor der Streik anfing, habe ich nie über Politik nachgedacht, erst jetzt mache ich mir Gedanken. Ich weiß nicht viel, außer daß die SPD früher mal die Arbeiter vertreten hat, aber heute bezweifle ich das. Auch die anderen Parteien halte ich nicht für regierungsfähig." © neue Arbeiterpresse, Nr. 863, 14. August 1997
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