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"Die ganze Misere ist durch den Mindestlohn gekommen"

Wütend kommentierte Joachim Zolke, ein älterer Bauarbeiter der Firma des Verbandschefs, Firma Kuthe, die jüngste Senkung des Mindestlohns.

Die Gewerkschaftsspitze hatte sie während des Streiks mit den Arbeitgebern für Arbeiter aus anderen EU-Staaten vereinbart.

"Ich bin der Meinung, der Mindestlohn muß heraufgesetzt werden, statt herabgesetzt, damit die Arbeitgeber überhaupt keinen Anreiz haben, Billiglohnarbeit zu organisieren.

Meiner Meinung nach ist die ganze Misere erst dadurch gekommen, daß der Mindestlohn eingeführt wurde. Denn wenn die Gewerkschaft dafür eintreten würde, daß der Tariflohn für alle gleichermaßen gilt und eingehalten wird, dann bräuchte man ja keinen Mindestlohn.

Die Gewerkschaft hat gesagt, sie kämpft für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, aber das, was sie letzlich vereinbart hat, ist das Gegenteil! Wiesehügel und der ganze Wasserkopf der oberen Ebene der Gewerkschaft widersprechen sich selbst. Man kann doch nicht einerseits sagen, Billiglohn vernichtet Arbeitsplätze, und dann die Mindestlöhne noch niedriger drücken."

Auch die neueste Vereinbarung für ostdeutsche Bauarbeiter, mit der die Lohnangleichung ausgesetzt und Öffnungsklauseln vereinbart wurden, lehnt Joachim Zolke ab. "Meiner Meinung müßte jedem das Gleiche bezahlt werden.

Die Politiker haben ihre Einkommen nach der Wiedervereinigung gleich angeglichen, aber die Arbeiter verdienen nach sieben Jahren noch immer nicht dasselbe. Es ist doch nicht richtig, daß die ostdeutschen Kollegen zwar länger arbeiten müssen, aber weniger Lohn bekommen."

Wie viele Kollegen im Streikzelt ist auch Joachim Zolke der Meinung, die Gewerkschaft hätte nach der dritten Streikwoche den Streik entschieden ausweiten und insbesondere den Potsdamer Platz einbeziehen müssen.

© neue Arbeiterpresse, Nr. 863, 14. August 1997 

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