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ÖTV-Vorschlag zu Lohnverzicht stößt auf Widerstand

Ende Juli, unmittelbar vor den Sommerferien, hatte der ÖTV-Vorsitzende Herbert Mai der Presse bekanntgegeben, die ÖTV wolle die Tarifrunde 1998 für den öffentlichen Dienst um mehr als ein halbes Jahr vorziehen und über einen Lohnverzicht verhandeln.

Die ÖTV-Spitze machte eine Reihe von Vorschlägen, wie die Lohnkosten im öffentlichen Dienst drastisch gesenkt werden könnten: Lohnabbau durch Arbeitszeitverkürzung, Fortfall von Überstunden und Mehrarbeit, Einrichtung von Arbeitszeitkonten (dadurch fallen alle Zuschläge für Überstunden und Mehrarbeit fort), Altersteilzeit, systematische Ausdehnung der Teilzeitarbeit.

Als Gegenleistung forderte Mai, daß im öffentlichen Dienst neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollten. Doch dient diese Forderung lediglich als durchsichtiges Feigenblatt für eine Politik, die Massenarbeitslosigkeit nicht zu bekämpfen, sondern als Druckmittel für beispiellose Lohnsenkungen durchzusetzen. Seit 1990 sind im öffentlichen Dienst über 600.000 Stellen abgebaut worden – unter tatkräftiger Mitwirkung der ÖTV in Ost und West.

Der Vorstoß der Gewerkschaftsführung stößt in der Mitgliedschaft auf eine starke Opposition. Zahlreiche Unterschriften wurden gesammelt und an den Hauptvorstand geschickt, um gegen die Verhandlungen über eine Arbeitszeitverkürzung ohne vollen Lohnausgleich zu protestieren.

© neue Arbeiterpresse, Nr. 864, 28. August 1997 

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