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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe Währungskrise in Südostasien zieht immer weitere KreiseThailands Regierung beugt sich dem Diktat des Internationalen WährungsfondsPeter SymondsNach einer ruinösen Flucht aus südostasiatischen Währungen hat der Internationale Währungsfonds (IWF) Mitte August für Thailand ein brutales finanzielles "Rettungs"paket geschnürt. Unter der Federführung Japans hat der IWF der thailändischen Regierung Kredite bis zu 16 Milliarden Dollar (ca. 27 Mrd. DM) eingeräumt, die größte einzelne Rettungsaktion seit dem Zusammenbruch des mexikanischen Peso 1994. Dafür ist die Regierung unter General Chavalit Yongchaiyudh gezwungen worden, eine Reihe von Sparmaßnahmen durchzuführen, die den Lebensstandard drastisch senken und die Arbeitslosigkeit erheblich steigern werden. Der IWF verlangt Haushaltskürzungen für 1998 in Höhe von 100 Millionen Baht (ca. 5,6 Mrd. DM), höhere Gebühren für öffentliche Dienstleistungen und eine Anhebung der Mehrwertsteuer von sieben auf zehn Prozentpunkte. Solche Maßnahmen werden Arbeitsplätze zerstören, die ohnehin sehr beschränkten Sozialleistungen beschneiden und die Preise noch schneller hochtreiben. Gleichzeitig sollen Steuern für Konzerne gesenkt, die Privatisierung staatlicher Unternehmen beschleunigt und tiefgreifende wirtschaftliche Umstrukturierungen durchgesetzt werden, die besonders den gescheiterten Finanzsektor betreffen. Am 5.August ordnete die Bank von Thailand an, daß 42 Finanzunternehmen ihre Geschäfte einstellen. Insgesamt sind jetzt 58 von 91 Finanzunternehmen des Landes gezwungen worden, ihre Aktivitäten einzustellen. Die Entscheidung hat sofort eine politische Krise der Yongchaiyudh-Regierung ausgelöst, die letzten November mit dem Image eines "wirtschaftlichen Dream Teams" an die Macht gekommen war. Investoren verloren das Vertrauen in die Regierung, verfielen in Panik und zogen ihre Einlagen aus den restlichen Finanzunternehmen und einigen kleineren Handelsbanken ab. Der thailändische König sah sich zu einem direkten Eingreifen gezwungen und versuchte, die Ängste wegen der Finanzkrise zu zerstreuen. Allein die 42 suspendierten Konzerne schulden der Bank von Thailand 21 Mrd. Dollar (37,8 Mrd. DM), was selbst wiederum nur einen Teil der enormen Schulden darstellt, die auf dem Bank- und Finanzwesen Thailands lasten. Viele Schulden des Landes sind kurzfristiger Art; allein in diesem Jahr werden 38 Mrd Dollar (68 Mrd. DM) fällig. Roy Ramos, der Sachverständige der Goldman und Sachs Bank, schätzt Thailands Schuldenberg bereits als höher ein als der von Mexiko. Der mexikanische Peso war im Dezember 1994 über Nacht um 40 Prozent abgestürzt, nachdem aufgrund von Befürchtungen, die Regierung könne möglicherweise Kredite nicht zurückzahlen, plötzlich massiv ausländisches Kapital abgezogen worden war. Die Währungskrise begann am 2. Juli, als die thailändische Regierung die Bindung des Baht an den Dollar aufhob und damit eine freie Konvertierbarkeit des Baht zuließ. Der Baht fiel um 23 Prozent und zog eine ganze Serie von Abwertungen in Nachbarländern Thailands mit ähnlicher Wirtschaft nach sich. Am 11.Juli fiel auf den Philippinen, einem Land mit niedrigen Wachstumsraten und kleinen Währungsreserven, der Wert des Peso um zehn Prozent. Die Aktienkurse fielen um 22 Prozent. Die malaysische Zentralbank gab mehr als zwölf Prozent ihrer Reserven an ausländischer Währung ab und hob die Leitzinsen auf 50 Prozent an, um den Ringgit zu stützen. Am 14.Juli setzte die Regierung diesen Maßnahmen jedoch ein Ende, und die Währung fiel um vier Prozent auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren. Am 21.Juli wurde auch der indonesische Rupiah, der als eine der stabileren Währungen in der Region gilt, von der Krise betroffen er fiel um 5,4 Prozent gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief. Selbst die zwei Handels- und Finanzzentren Asiens Hongkong und Singapur waren den wilden Währungsschwankungen gegenüber nicht länger immun. Die Währungsbehörde Hongkongs mußte die Zinsen erhöhen, um den Hongkong-Dollar zu stützen. Der IWF hat in Thailand daher eingegriffen, nicht nur um das thailändische Finanzwesen zu stützen, sondern auch um einen wirtschaftlichen Kollaps und politische Turbulenzen in der ganzen Region zu verhindern. Die treibende Kraft hinter dem Eingreifen war Japan, dessen Firmen von einem wirtschaftlichen Zusammenbruch in der Region am meisten zu verlieren hätten. Japanische Banken sind mit schätzungsweise 150 Mrd. Dollar (270 Mrd. DM) die größten Kreditgeber in Südostasien. Japanische Fabriken sind dort auch die größten Investoren. Laut der japanischen Außenhandelsorganisation beliefen sich die japanischen Direktinvestitionen in der Region Mitte 1997 auf 5,8 Mrd. Dollar (ca. 10,4 Mrd. DM). Außerdem ist das japanische Bank- und Finanzwesen auch recht instabil, seine Schulden überstiegen nach Schätzungen letztes Jahr eine Billion Dollar. Jegliche Bedrohung japanischer Kredite und Investitionen in Südostasien könnte in Japan selbst eine ernsthafte Finanzkrise auslösen. Führende asiatische Politiker waren schnell dabei, Währungsspekulanten aus dem Ausland wie den Multimilliardär George Soros für den Zusammenbruch ihrer Währungen verantwortlich zu machen. Laut dem malaysischen Premierminister Mahathir Mohamad gäbe es ohne eine politisch motivierte westliche "Verschwörung" in Südostasien keine Probleme. In Wirklichkeit liegen der Krise jedoch viel tiefergehendere wirtschaftliche Verschiebungen zugrunde. Die sogenannten Tigerstaaten Südostasiens waren in den achtziger Jahren als Billiglohnländer für das ausländische Kapital, besonders aus Japan, aufgebaut worden. Thailand, Indonesien und Malaysia konnten durch den Export von arbeitsintensiven Produkten wie Schuhen, Bekleidung und Spielzeug in die USA und Europa hohe Wachstumsraten erzielen. Um ausländischen Investoren Sicherheit zu geben und die Exportpreise stabil zu halten, banden diese Länder ihre Währungen zu festen Wechselkursen an den US-Dollar. Durch die wachsende Konkurrenz anderer Billiglohnländer, besonders China, sind sie jedoch in immer größere Schwierigkeiten geraten. Die amerikanische Wirtschaftszeitschrift Business Week schrieb dazu in ihrer Ausgabe vom 11.August: "In der gesamten Region gibt es in allem ein Überangebot, von Autos bis zu Chemikalien. Es wird noch weiter steigen, wenn China weiterhin so stark zulegt. Bei Kleidungsstücken, Uhren und Spielzeug hat es viele seiner Nachbarn bereits ausgestochen, und in Bereichen wie Haushaltsgeräten, Autoteilen und Telekommunikation weist es starke Wachstumsraten auf. Während die Exporte seiner Nachbarländer stagnierten, sind die Chinas im ersten Halbjahr 1996 um 26 Prozent gestiegen. Und das bei einer Kapazitätsauslastung von gerade 60 Prozent." Trotz der Konkurrenz von China, aber auch von Vietnam und anderen Ländern, ist die thailändische Wirtschaft in den frühen neunziger Jahren aufgrund von Aktien- und Grundstücksspekulation stark gewachsen. Angelockt von hohen Zinsraten, mit deren Hilfe der Baht fest an den Dollar geknüpft werden sollte, floß weiterhin Kapital ins Land. Außerdem mußte der Baht mitgehen, als der Dollar gegenüber dem japanischen Yen stark zulegte, seit 1995 um schätzungsweise 40 Prozent. Diese Stärke des Bahts drückte schon lange kein Vertrauen mehr in die ihm zugrunde liegende Wirtschaft aus. Die Wachstumsrate Thailands sank von über elf Prozent in den achtziger Jahren auf sieben oder acht Prozent und wird nach Schätzungen in den nächsten zwei Jahren auf drei bis vier Prozent fallen. Grundstückspreise und Aktienkurse sind zusammengebrochen. Bereits im März hatte die thailändische Regierung den Handel mit allen Bank- und Industrieaktien für 24 Stunden ausgesetzt, nachdem die Kurse auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren gefallen waren. IWF-Chef Michel Camdessus griff die Wirtschaftspolitik von Thailands Regierung öffentlich an und versuchte gleichzeitig, Investoren zu beruhigen, daß das Land nicht den Weg von Mexiko gehen würde. Schließlich setzten die internationalen Finanzmärkte die thailändische Regierung durch eine massive Baht-Abwertung unter Druck. Weit davon entfernt, den arbeitenden Massen eine Perspektive zu bieten, wird das "Wirtschaftswunder" Thailands nun zu wachsender Arbeitslosigkeit, sinkenden Reallöhnen und steigender Armut führen. Das ist der Preis, den das internationale Kapital auf seiner Suche rund um die Erde nach immer billigeren Arbeitskräften von jedem Land einfordert. © neue Arbeiterpresse, Nr. 864, 28. August 1997
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