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zurück zum Inhalt dieser Ausgabe Finanzkrise in Asien bedroht Währungsmärkte der WeltPeter SymondsGegen Ende des letzten Monats kam es in ganz Südostasien zu einem dramatischen Sturz der Währungs- und Aktienkurse. Die anhaltende Wirtschaftskrise in dieser Region findet mittlerweile ihren Widerhall in den Finanzzentren der Welt wie Tokio, New York und London. Werte in Höhe von mehreren Milliarden Dollar wurden in wenigen Tagen vernichtet, als die Aktienkurse in Thailand um 10,5 Prozent, auf den Philippinen um 14,7 Prozent, in Indonesien um 14 Prozent, in Malaysia um 11 Prozent und in Singapur um 7,1 Prozent fielen. Auch Hongkong ist inzwischen von der Börsenkrise erfaßt worden. Gleichzeitig sanken die Währungskurse der Region gegenüber dem Dollar immer tiefer. Der thailändische Baht und der malaysische Ringgit fielen auf den tiefsten Stand seit 1972, die indonesische Rupie rutschte allein seit Juni um 17 Prozent ab und der philippinische Peso um 13 Prozent. Der unmittelbare Auslöser für diese Kursstürze war die Entscheidung der malaysischen Regierung vom 27. August, den spekulativen Handel mit den 100 Top-Werten an der Börse von Kuala Lumpur einzuschränken. Malaysias Premierminister Mahathir Mohamad hat internationale Spekulanten für die Krise verantwortlich gemacht und versprach, "die ausländische Bestie unter Kontrolle zu bringen". Die riesigen Massen an Finanzkapital auf den globalen Märkten kann jedoch weder von Mahathir noch von irgendeiner anderen nationalen Regierung kontrolliert werden. Als direkte Reaktion auf die Handelsrestriktionen Malaysias wurden von der Börse in Kuala Lumpur Einlagen abgezogen, was dann zu dem Börsenkrach in der gesamten Region führte. Kurzfristig gesehen spiegelt die akute finanzielle Instabilität der sogenannten Tiger-Wirtschaften die Besorgnis über deren riesige innere und äußere Verschuldung und über das enorme Ausmaß an völlig irrwitzigen Grundstücks- und Aktienspekulationen wider. Doch langfristig gesehen, liegen ihr tiefergehende wirtschaftliche Verschiebungen zugrunde. Das rasche Wachstum der südostasiatischen Wirtschaften rührt daher, daß speziell aus Japan Kapital in die arbeitsintensiven Industrien floß, wie z. B. die Bekleidungs-, Schuh-, Spielzeug- und Elektro-Industrie. Thailand, Indonesien, Malaysia und die Philippinen wurden als Billiglohnländer zu Sprungbrettern für den Export von Waren in die USA, Europa und Japan. Aber inzwischen verlagert das globale Kapital seine Aktivitäten nach Südchina, Vietnam, Indien, Osteuropa und Lateinamerika, um dort noch billigere Arbeitskräfte auszubeuten. Es ist jetzt profitabler für thailändische und südkoreanische Konzerne, in Vietnam oder auch in Wales und Schottland Fabriken hochzuziehen, als in den eigenen Ländern zu investieren. Fallende Aktienkurse und die Abwertung der Währungen sind Mittel, mit denen das internationale Finanzkapital seinen Forderungen nach einer umfassenden Neustrukturierung der Wirtschaften in den alten Tigerstaaten, nach Abschaffung von behördlichen Einschränkungen bei Investitionen und Kapitalströmen Nachdruck verleiht. Die Finanzkrise begann im Juni mit dem Zusammenbruch des thailändischen Baht. Der Internationale Währungsfond (IWF) hatte Haushaltskürzungen der thailändischen Regierung in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar gefordert - als eine der Bedingungen für das Rettungspaket in Höhe von 16,7 Milliarden Dollar. Eine Welle von Firmenzusammenbrüchen und Entlassungen hat daraufhin eingesetzt, die Verbraucherpreise stiegen innerhalb von wenigen Wochen um 20 Prozent. Das Rettungspaket des IWF unter der Federführung Japans hat zum Ziel, die regionale Finanzkrise einzudämmen und ihre Auswirkungen auf Tokio in Grenzen zu halten. Japanische Banken und Firmen haben in dieser Region in großem Umfang investiert - ein Drittel von Japans direkten Investitionen stecken in Asien. Darüber hinaus gingen 70 Prozent der japanischen Auslandskredite - oder 160 Milliarden US-Dollar - in diese Region. Japan befindet sich seit den 90er Jahren in einer Wirtschaftskrise. Das Wachstum stagniert, japanische Banken wanken. Tokios Aktienindex, der Nikkei 225, ist in den letzten Monaten um 10 Prozent gefallen. Ein Fehlschlag der Rettungsaktionen für Thailand hätte verheerende Folgen. Der Finanzanalytiker von Morgan Stanley, Stephen Roach, warnte: "Meiner Ansicht nach entwickelt sich der asiatische Währungszusammenbruch zur größten Bedrohung der Weltkapitalmärkte in den 90er Jahren. So wie ich das sehe, kann man diese Krise nicht mehr länger als eine spezifisch regionale Entwicklung betrachten. Sie ist jetzt an einem Punkt angekommen, wo ihre Folgen die globale Wirtschaft und die Weltfinanzmärkte erschüttern könnten." Roach wies auf die gefährlichen Folgen hin, falls asiatische Investoren ihre Gelder aus den US-amerikanischen Finanzmärkten abzögen, um ihre Position zu Hause zu stärken. Nur fünf Länder - Japan, Singapur, China, Taiwan und Hongkong - halten über 14 Prozent der privaten Anteile an US-amerikanischen Schatzbriefen, das sind 473 Milliarden US-Dollar. Seit 1994 sind 40 Prozent der in US-Schatzbriefen angelegten ausländischen Gelder aus denselben fünf Ländern gekommen, was unter anderem dazu beitrug, die Kurse an der Wall Street immer weiter in die Höhe zu treiben. Ein Rückzug der asiatischen Investitionsgelder würde dem Aktienfieber sofort ein Ende setzen und nicht nur den Börsenspekulanten, sondern auch dem weltweiten Bankensystem ein böses Erwachen bescheren. Weltweite wirtschaftliche und politische Turbulenzen stehen auf der Tagesordnung. © neue Arbeiterpresse, Nr. 865, 11. September 1997
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