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"Start" – Erfolgsmodell sozialdemokratischer Leiharbeit

Wirtschaftlich erfolgreich auf Kosten der Arbeitslosen – das ist die Bilanz der vom Deutschen Gewerkschaftsbund initierten "Start-Zeitarbeit" GmbH nach zweieinhalb Jahren.

Die Leiharbeitsfirma "Start" habe sich "auf ganzer Linie bewährt", vermeldete kürzlich die Düsseldorfer Landesregierung. Vor etwa zweieinhalb Jahren hatten, auf Drängen des DGB, die nordrhein-westfälische Landesregierung, verschiedene Wohlfahrtsverbände, die evangelische Kirche, Arbeitgebervereinigungen und eben der DGB die Zeitarbeitsfirma gegründet, um "gezielt Langzeitarbeitslosen einen Arbeitsplatz zu beschaffen".

Der DGB hatte behauptet, den verliehenen Langzeitarbeitslosen auf diese Weise die Chance zu geben, überhaupt wieder in Betriebe hineinzukommen, dort sich zu "bewähren" und so die Aussicht auf eine Festanstellung im Entleiherbetrieb zu bekommen. Doch in den zweieinhalb Jahren Verleihertätigkeit schafften nur 1.321 Langzeitarbeitslose den Sprung in einen Dauerarbeitsplatz.

Der NRW-Arbeitsminister Axel Horstmann (SPD) spricht trotzdem von einem "Erfolgsmodell sozialverträglicher Leiharbeit", weil eines inzwischen stimmt – die Kasse. Mußte die "Start" GmbH in den Jahren 1995 und 1996 noch mit 17 Millionen aus Bundes- und Landesmitteln subventioniert werden, so rechnet man für 1997 mit einem Jahresumsatz von 80 Millionen Mark (plus 266 Prozent gegenüber 1995!) und erstmalig schwarzen Zahlen. 142 Festangestellte in 29 Filialen sind mit derzeit 1.345 Leiharbeitern für diese Wirtschaftszahlen verantwortlich.

Man darf annehmen, daß sich ein nicht geringer Teil der festangestellten "Start"-Mitarbeiter aus örtlicher Sozialdemokratie, Gewerkschaft und Arbeiterwohlfahrt zusammensetzt. Diese sorgen sich nicht um die Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose, sondern um die eigenen, das heißt um die Wirtschaftlichkeit ihres Unternehmens. Daher werden Leiharbeiter rücksichtslos wieder entlassen und zurück zum Arbeitsamt geschickt, wenn Aufträge knapp sind. Bislang waren es 1.800, also weit mehr als diejenigen, die einen Dauerarbeitsplatz ergatterten.

Als das Unternehmen zu Anfang "wirtschaftliche Probleme" bekam, weil andere Verleiher für un- und angelernte Langzeitarbeitslose wesentlich niedrigere Leihgebühren verlangen, wurde der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtbeschäftigtenzahl kurzerhand halbiert. Nur noch 36 Prozent der 1.345 Leiharbeiter sind Langzeitarbeitslose.

Die "Start-Zeitarbeit" GmbH ist eine Chance für örtliche Sozialdemokraten und die Gesellschafter wie die SPD-Landesregierung und der DGB. Für Langzeitarbeitslose ist sie wie alle anderen Verleihfirmen eine Sackgasse.

© neue Arbeiterpresse, Nr. 865, 11. September 1997 

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