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"Es war die Hölle im Betrieb"

Es mußte so kommen", kommentierte eine junge Arbeiterin die Nachricht vom Ende ihres ehemaligen Arbeitgebers, des Kabelwerks Oberspree (KWO) in Ostberlin. Mehrere ihrer Familienmitglieder hatten bei KWO gearbeitet. Ihr Vater war bereits kurz nach der Wende nach 30 Jahren Arbeit wegen Arbeitsunfähigkeit entlassen worden. Sie selbst wurde im vergangenen Jahr kurz vor Ablauf ihres zwölften Arbeitsjahres entlassen.

"Es war traurig. Sie haben mich einen Tag vor Ablauf des zwölften Jahres aus betrieblichen Gründen gekündigt und nur elf Jahre bei der Abfindung berücksichtigt. Ich stand zu diesem Zeitpunkt alleine mit zwei Kindern da." Susanne Johann – Name von der Redaktion geändert! – hatte bei der KWO gelernt und arbeitete zuletzt im Fernmeldekabelbereich als Papierisoliererin. Etwa 25 weitere Kollegen aus ihrer Abteilung wurden in dieser Zeit ebenfalls gekündigt, darunter viele Frauen. Angeblich sollte ihre Werkshalle abgerissen werden, um Neubauwohnungen an der Spree Platz zu machen. Bis heute steht die "Spreehalle" allerdings noch. Zwei der gekündigten Kolleginnen, so hat Susanne Johann jetzt gehört, wurden vor kurzem von der KWO wieder angeheuert – allerdings nur für drei Monate und für eine Arbeit, die sie vorher nie gemacht hatten.

Susanne Johann ist heute 29 Jahre alt, ihre Kinder werden 9 und 6 Jahre. Als sie vor einem Jahr die Kündigung erhielt, ging sie erstmals zum Betriebsrat. "Man hat uns unter Druck gesetzt zu unterschreiben und gedroht, daß wir sonst keine Abfindung bekommen. Aber ich wollte wegen der Kinder meine Arbeit erhalten.

Eigentlich dachte ich, ich müßte als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern einen gewissen Kündigungsschutz haben. Also bin ich mehrmals beim Betriebsrat gewesen und habe sie gebeten mir zu helfen, damit ich wenigstens auf irgendeinen anderen Arbeitsplatz umgesetzt werde. Aber ich hatte keine Chance. Ich wurde auf die Straße gesetzt wie alle anderen. Die stecken doch alle unter einer Decke! Ich war schon sehr enttäuscht. Der Betriebsrat hat sich nicht um die Probleme der Kleinen, sondern um die Probleme der Großen gekümmert."

Die leitenden Angestellten seien anders behandelt worden, sagte Susanne Johann weiter. "Diejenigen, die oben saßen, aber von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten, die uns – auf deutsch gesagt – noch nicht einmal einen Nippel für die Maschine herausgeben konnten, die sind übernommen worden und weitergekommen. Und wenn sie gegangen sind, bekamen sie die dreifache oder vierfache Abfindung im Vergleich zu uns."

Ihre letzten Jahre bei KWO seien die schlimmsten gewesen. "Nach der Wende war es die Hölle im Betrieb. Jeder wurde gegen den anderen ausgespielt. Wir Frauen mußten Schwerarbeit wie Männer leisten. Wir mußten jede zweite Woche zehn Stunden am Tag arbeiten. Dann hatte ich von 5.30 Uhr morgens bis 16.15 Uhr nachmittags Schicht.

Und ich mußte immer wieder zur Nachtschicht, obwohl ich kleine Kinder zuhause hatte. Meine Ehe ist unter anderem daran kaputtgegangen, und meine Kinder mußten sehr darunter leiden.

Die Betriebsleitung müßte eigentlich bestraft werden, für das, was sie mit uns gemacht hat. Zum Schluß, als wir immer weniger Personal hatten, waren wir manchmal zu dritt allein auf Nachtschicht – ein Einrichter und zwei Frauen. Wenn etwas passiert wäre, ein Brand zum Beispiel, wir hätten nicht gewußt, wie wir da rausgekommen wären."

© neue Arbeiterpresse, Nr. 865, 11. September 1997 

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