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Erste Unterschriften für die Kandidatur der PSG

In mehreren Städten begannen in den letzten Tagen Mitglieder und Unterstützer der PSG, Unterschriften für die Teilnahme der PSG an den Bundestagswahlen zu sammeln.

Während alle Parteien, die im Parlament vertreten sind, automatisch wieder aufgestellt werden, muß jeder, der eine Alternative dazu aufstellen will, pro Landesliste 2000 gültige Unterstützerunterschriften beim Bundeswahlleiter einreichen.

Viele, die vor einem Betrieb, am Arbeitsamt oder in einer Einkaufspassage mit ihrer Unterschrift die Kandidatur der PSG unterstützten, erzählten von den Bedingungen, die sie selbst in letzter Zeit erlebt haben.

Andreas L. in Mannheim-Neckarstadt zum Beispiel arbeitet für eine Zeitfirma bei ABB-Mannheim. Andreas berichtete: "Ich verdiene momentan so wenig, daß ich oft Mühe habe, meine Wohnung zu bezahlen. Aber ich habe keine andere Arbeit gefunden, als bei einer Zeitfirma. Vom Arbeitsamt könnte ich gar nicht leben, da müßte ich unter die Brücke ziehen.

Zuerst habe ich bei der Firma Raschig in Ludwigshafen gearbeitet, und heute mache ich Kontischicht bei der ABB. Ich verdiene für die gleiche Arbeit die Hälfte des normalen Geldes. Ich habe mich auch schon darum bemüht, wenigstens einen Zeitvertrag für ein halbes Jahr zu bekommen, aber es heißt immer: ,Ja, die Auftragslage, da können wir Ihnen nichts versprechen.’ Es ist die übliche Hinhaltetaktik.

Ich arbeite in der Drahtisolation und kenne auch Kollegen beim Lackdraht. Dort sind jetzt ein Viertel Leiharbeiter. Sie werden eingestellt, um kurzfristige Aufträge erledigen zu können, und können dann jederzeit wieder rausgeschmissen werden. Bei den Zeitarbeitern kann ABB alle zusätzlichen Leistungen einsparen, das Weihnachts- und Urlaubsgeld, und meinen Urlaubsanspruch. Wenn ich krank werde, müssen sie das auch nicht bezahlen.

Ich bekomme knapp 2000,- Mark netto für Schichtarbeit. Jemand von ABB, der die gleiche Arbeit wie ich macht, bekommt fast 4000,- Mark netto, das weiß ich zufällig. Ich habe auch nicht wie die Stammbelegschaft pro Schicht eine halbe Stunde Freizeitausgleich, und lauter solche Sachen.

Wenn Du bei der Zeitfirma anfängst, gehst Du für 12 Mark brutto die Stunde schaffen – ich kriege jetzt 13,56 Mark brutto die Stunde, weil ich über ein Jahr dabei bin – während die Zeitfirma den vollen Lohn für Dich kassiert. Bei Raschig habe ich zufällig einmal eine volle Abrechnung gesehen: Ich habe damals 2.100 netto rausbekommen, und die Zeitfirma hat über 3.500 für mich kassiert."

Mirko P. vor dem Darmstädter Arbeitsamt sagte: "In den letzten Jahren hat sich meine Situation eigentlich immer bloß verschlechtert." Früher hatte er eine feste Stelle bei einer Versandfirma am Frankfurter Flughafen gehabt, von der er anständig leben konnte.

Durch Rationalisierungsmaßnahmen war er arbeitslos geworden, und nachdem er mehrere Monate lang umsonst nach einer neuen Stelle gesucht hatte, teilte ihn das Arbeitsamt Darmstadt einer Gruppe junger Männer zu, die zum Erdbeerpflücken geschickt werden sollten.

Er berichtete, wie sich ca. 30 junge Leute im Arbeitsamt einfanden, als der Unternehmer – ein Herr Lip – hereinkam und anfing, ihnen die Bedingungen zu erklären. Sie sollten zwei Wochen lang von morgens acht bis abends acht Uhr mit einer Stunde Mittagspause auf den Feldern außerhalb der Stadt arbeiten. Dafür würden sie 400,- Mark bekommen.

"Ich fragte, ob ich in der Zeit weiter beim Arbeitsamt gemeldet und ob ich auch versichert sei", berichtete Mirko. "Nein, sagten sie mir. Ich müsse mich anschließend wieder neu arbeitslos melden. Ein anderer Teilnehmer erkundigte sich, ob dieser Betrieb uns fest einstellen würde, aber der Unternehmer sagte, er müsse erst einmal 14 Tage lang sehen, ob wir auch arbeiten könnten.

Als wir das erfuhren, waren wir ziemlich schockiert. Es würde bedeuten, 14 Tage lang für einen Hungerlohn zu arbeiten, um danach beim Arbeitsamt noch schlechter, als vorher, dazustehen. So etwas konnten wir gar nicht annehmen, und ich und viele andere gingen weg. Heute sagte mir sogar ein Sachbearbeiter vom Arbeitsamt selbst, er halte das Ganze für einen Witz. Aber vorher hat man versucht, uns da hinzuschicken, und andere haben es vielleicht akzeptiert."

Mirko selbst konnte nicht unterschreiben, weil er als Ausländer kein Wahlrecht hat, aber er sagte: "Ich finde es gut, daß ihr eine neue Arbeiterpartei aufbaut. Soviel ich weiß, seid ihr die einzigen, die überhaupt etwas tun, um die Situation zu ändern."

© neue Arbeiterpresse, Nr. 865, 11. September 1997 

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