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Die Rolle der USA bei der Invasion von Zaire

Amerikanische Armeeangehörige haben in Ruanda schon seit drei Jahren Truppen ausgebildet, die sich an der jüngsten Invasion Zaires und dem Sturz Mobutus beteiligten.

Das geht aus einem achtseitigen internen Pentagon-Papier hervor, das inzwischen der angesehenen amerikanischen Zeitung Washington Post und der deutschen Wochenzeitung Die Zeit vorliegt. Die Washington Post brachte am 16. August einen längeren Bericht über die Operation.

Seit Januar 1995 wurden Hunderte ruandischer Soldaten von amerikanischen Beratern in Kampfanzügen in Militärtaktik, Armeeorganisation, Katastrophenhilfe, Kommandoführung, der Räumung von Landminen und militärischer und ziviler Polizeiarbeit unterwiesen. Im Juli und August 1996 wurden ausgewählte ruandische Truppen von amerikanischen Green Berets in einem zweimonatigen Kurs in der Bekämpfung von Aufständen trainiert.

Zwei Monate später begann die ruandische Armee mit grenzüberschreitenden Operationen gegen ruandische Hutu-Guerrillas in den Flüchtlingslagern in Zaire. Der Sieg über die Hutu-Milizen war der Auftakt für eine umfassende Invasion Zaires durch Exil-Zairer und Tutsi-Soldaten, die mit dem Sturz Mobutus endete. Offiziell stand die Operation unter dem Kommando von Laurent Kabila, die tatsächlichen Befehlshaber und Drahtzieher aber saßen in Washington im Pentagon und Weißen Haus.

Vergangenen Monat gab Vizepremierminister und Verteidigungsminister Paul Kagame, der eigentliche starke Mann in Ruanda, zu, daß seine Truppen die wichtigste Rolle bei der Organisierung von Kabilas Rebellenarmee gespielt hätten. Beinahe alle Offiziere Kabilas seien von der ruandischen Armee gestellt worden.

Der Bericht der Washington Post bestätigt, daß die US-Regierung den Sturz Mobutus unterstützt hat, weil sein Regime zu einer Belastung für ihre imperialistischen Interessen geworden war. Sie hat die ruandischen Soldaten ausgebildet, die dann die Truppen Kabilas ausbildeten und sogar kommandierten.

Kagame selbst erhielt seine militärische Ausbildung vor dem Völkermord in Ruanda von 1994 in Fort Leavenworth (USA). Sie gipfelte darin, daß Kagames Tutsi-Armee von Stützpunkten in Uganda aus in Ruanda einmarschierte – ein Modell für die spätere Invasion Zaires von Stützpunkten in Ruanda aus.

Die US-Regierung nützt die ethnischen Konflikte aus, die das Ergebnis eines ganzen Jahrhunderts kolonialer und postkolonialer Unterdrückung und Ausbeutung sind. Ein Beamter hatte der Washington Post erklärt, daß die Clinton-Regierung Ruanda mit Waffen und Ausbildern unterstütze, um eine "Einflußzone" zu schaffen, die Uganda, Äthiopien, Eritrea und auch Angola umfaße, – alles Länder, die auch die "Rebellion" in Zaire unterstützt haben. Langfristiges Ziel der USA ist, den militärischen, wirtschaftlichen und politischen Einfluß der ehemalige Kolonialmacht Frankreich auf dem afrikanischen Kontinent zurückzudrängen und an seine Stelle zu treten.

Kabilas Machtübernahme und Mobutus Entmachtung wurden von verschiedenen kleinbürgerlich-radikalen und stalinistischen Tendenzen als ein Triumph des "bewaffneten Kampfes" und sogar als eine Volksrevolution gepriesen, aber der Bericht der Washingtoner Post zeigt, daß Kabila kaum mehr als eine Marionette des amerikanischen Imperialismus ist. Der neue Führer im Kongo hat auch schon demonstriert, welche Rolle er spielt, als er eine Reihe von Verträgen mit vorwiegend amerikanischen und kanadischen, aber auch einigen europäischen Konzernen abschloß und ihnen darin die Kontrolle über die reichen Bodenschätze des Landes garantierte.

© neue Arbeiterpresse, Nr. 865, 11. September 1997 

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