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New Yorker Polizei foltert Haitianer

Tausende von haitianischen Einwanderern und Haiti-Amerikanern zogen am 16. August durch die Straßen des New Yorker Stadtteils Brooklyn, um gegen die brutale Mißhandlung eines 30jährigen Arbeiters aus Haiti eine Woche zuvor zu protestieren.

Abner Louima, der als Nachtwache bei einem Wasser- und Kanalisationswerk arbeitet und mit seiner Frau und zwei Kindern in Brooklyn lebt, wurde am Samstag, den 9. August in den frühen Morgenstunden vor einem haitianischen Club in Flatbush verhaftet. Augenzeugen sagten aus, daß die Polizisten Leute angriffen, die den Club "Rendez-Vous" verließen und Louima in einem Streifenwagen mitnahmen.

Die Polizisten fuhren mit ihm in eine verlassene Seitenstraße, wo sie ihn traten und schlugen, dann brachten sie ihn in die nahegelegene Polizeistation. Dort folterten sie ihn mit dem Stiel einer Gummisaugglocke zur Toilettenreinigung. Sie rammten ihn zuerst in den Anus und dann in den Rachen. Louima wurde in eine Zelle geworfen, wo er weiter blutete. Dies führte zu Protesten anderer Gefangener, bis schließlich ein Krankenwagen gerufen wurde.

Selbst als um 18 Uhr dann ein Wagen eintraf, hielten ihn die Polizisten fast zwei Stunden lang auf, um die Mißhandlung vertuschen zu können (und vielleicht in der Hoffnung, daß Louima sterben würde, bevor er etwas über seine Mißhandlung aussagen konnte). Ein Leiter des Rettungsdienstes mußte zu der Polizeistation fahren und sich extra für den Krankentransport Louimas einsetzen; erst dann stellte die Polizei schließlich die für den Transport eines Häftlings zum Krankenhaus notwendige Eskorte und Louima konnte mitgenommen werden.

Im Krankenhaus mußten zahlreiche innere Verletzungen behandelt werden, darunter ein durchgebrochener Darm und eine geplatzte Gallenblase. Eine Zeitlang war er in kritischem Zustand.

Das ist das zweite mal in einem Monat, daß eine solch grauenhafte Mißhandlung eingewanderter Arbeiter in New York landesweite Aufmerksamkeit erregt hat. Im Juli wurde bekannt, daß Dutzende von tauben Mexikanern in der U-Bahn wertloses Zeug verkaufen mußten und dort praktisch wie Sklaven gehalten wurden. Und nun wird bekannt, daß die New Yorker Polizei Methoden anwendet, die an die Folterungen der Diktatur ihres Heimatlandes erinnern, vor der viele Haitianer geflohen sind.

Was Abner Louima angetan wurde, ist kein Einzelfall, sondern lediglich ein besonders übles Beispiel der tagtäglichen Polizeibrutalität in New York, die sich vor allem gegen Arbeiter aus dem Ausland und von Minderheiten richtet. Die Polizei glaubte, ungestraft gegen einen jungen Haitianer vorgehen zu können. Nur dem Mut seiner Familie, die eine Beschwerde einreichte und den Fall öffentlich machte, ist es zu verdanken, daß diesmal nicht alles einfach vertuscht wurde wie in so vielen anderen Fällen.

Bis jetzt sind in diesem Fall vier Polizeibeamte verhaftet worden, Justin Volpe, Charles Schwarz, Thomas Bruder und Thomas Wiese. Der 25jährige Volpe, dessen ganze Familie aus Polizisten besteht, ist als Haupttäter angeklagt, während Schwarz Louima während der sexuellen Mißhandlung festgehalten haben soll. Bruder und Wiese werden wegen der Prügel im Streifenwagen angeklagt. Keiner der Polizisten ist wegen versuchten Mordes angeklagt worden, eine Beschuldigung, die allein schon mit der willkürlichen Behinderung der Ambulanz begründet werden könnte.

Alle leitenden Beamten des betroffenen Polizeireviers sind versetzt worden, aber nur einer, der zur Zeit der Mißhandlung Polizist vom Dienst war, ist suspendiert worden. Die anderen sind zu anderen Revieren oder in den Innendienst versetzt worden – bei voller Bezahlung.

Es ist veröffentlicht worden, daß Volpe und Schwarz rassistische Beleidigungen schrieen, während sie Louima folterten. Einer von ihnen sagte dem Opfer, er solle lernen, die Polizei zu respektieren, jetzt sei "Giuliani-Zeit, nicht Dinkins-Zeit". Der Polizist bezog sich dabei auf den New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani und dessen Vorgänger David Dinkins, den ersten schwarzen Bürgermeister der Stadt.

Giuliani, ein ehemaliger Bundesstaatsanwalt, stützt die Politik seiner Stadtverwaltung auf Demagogie von "Recht und Ordnung". Er brüstete sich wiederholt damit, alle Beschränkungen der Polizeigewalt aufgehoben zu haben.

Besorgt über den öffentlichen Aufschrei nach dem Verbrechen der Polizei erschienen Giuliani und sein Polizeichef Howard Safir am Krankenbett des Opfers und verurteilten die Mißhandlungen öffentlich. Während sie Sympathie für Louima heuchelten, versuchten sie gleichzeitig, seine Peiniger als "Verbrecher in Uniform" darzustellen. Safir erklärte den Medien, daß der Vorfall auf dem Polizeirevier keine Polizeibrutalität gewesen sei, sondern "kriminelle Handlungen, begangen von Kriminellen, die zufällig Polizeiuniformen trugen".

Solche Phrasen können die Tatsache nicht verschleiern, daß die brutale Mißhandlung Abner Louimas ein direktes Produkt der Politik der Stadtverwaltung unter Giuliani war und beispielhaft für die repressive Rolle der Polizei in jeder größeren amerikanischen Stadt ist.

© neue Arbeiterpresse, Nr. 865, 11. September 1997 

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