Ursprung des AIDS Virus festgestellt

Von Barry Mason
9. März 1999

Kürzlich erschien im Wissenschaftsmagazin Nature ein Artikel, in dem ausgeführt wurde, daß der wichtigste Typus des menschlichen Immunschwäche-Virus HIV-1, das AIDS auslöst, seinen Ursprung in einer Unterart von Schimpansen hat, die in Äquatorialafrika leben. Dieser Bericht vom 4. Februar stellt die Ergebnisse der Arbeit vor. die Forscher der Fakultät für Medizin und Mikrobiologie an der Universität von Alabama in Birmingham unter Leitung von Feng Goa durchgeführt haben. Die Affen sind Träger eines HIV-ähnlichen Virus, mit dem Namen Simian-Immunschwäche-Virus (SIV).

Die Forscher führten Versuche mit dem Gewebe eines Affen durch, der 1985 gestorben war. Dieser Schimpanse, der als Marylin bekannt geworden ist, war im Rahmen des Weltraumprogramms der US Airforce eingesetzt worden. Marylin war benutzt worden, um andere Schimpansen für das Programm zu züchten. Dabei wurden biochemische Techniken angewendet, um den genetischen Aufbau des SIV-Virus zu verdeutlichen, seine Entstehung zu verfolgen und zu analysieren. Die Forscher waren in der Lage zu zeigen, daß die genetische Zusammensetzung nahezu mit den drei Hauptvarianten des HIV-Virus übereinstimmte, die als M, N und O bezeichnet werden.

Früher bereits konnte gezeigt werden, daß ein anderes HIV-Virus, bekannt als HIV-2, eine schwächere Abart des Virus, die hauptsächlich in Westafrika vorkommt, ihren Ursprung in einer Form des SIV hatte, der in den Sooty Mangabe Affen gefunden wurde. Aber die Quelle des HIV-1 war bisher unbekannt geblieben. Während auch bei anderen Schimpansenarten SIV-Viren gefunden wurden, hatten diese jedoch keine enge genetische Verwandtschaft mit den HIV-Viren. Schimpansen finden sich Afrika in verschiedenen Unterarten, die auf verschiedenen geographische Herkunft zurückzuführen sind. Marylin gehörte der Unterart Pan Troglodytes Troglodytes an, die in Gabun, Äquatorial Guinea und Kamerun vorkommt. Der erste bekannte AIDS-Fall wurde 1959 bei einem Mann festgestellt, der in Kinshasa unmittelbar auf der Gabun gegenüberliegenden Seite des Kongoflusses lebte.

Die Tatsache, daß die drei Varianten des HIV-1-Virus alle eng mit dem SIM zusammenhängen, der bei dieser Unterart von Schimpansen gefunden wurde. legt nahe, daß das Virus vom Schimpansen auf den Menschen in mindestens drei von einander unabhängigen Fällen übertragen wurde. Jäger töten und schlachten Schimpansen, um ihr Fleisch zu essen, und auf diese Weise könnte das Virus in ihre Blutbahn gelangt sein. Schimpansen sind den Menschen genetisch sehr ähnlich, 98 Prozent ihres Genoms (genetischer Fingerabdruck) stimmen überein. Auffällig ist, daß die Affen das SIV-Virus in sich tragen, aber nicht unter seiner zerstörerischen AIDS-Symptomen leiden. Dies zusammengenommen könnte es ermöglichen, die Rolle, die der Virus im Menschen spielt zu erklären und ein Mittel zu finden, es unter Kontrolle zu bekommen.

Obwohl ihr Ursprung in Westafrika liegt, ist AIDS innerhalb weniger Jahre weltweit verbreitet worden. In dieser Region Afrikas gibt es enorme Bevölkerungsverschiebungen vom Land in die Städte. Der internationale Reiseverkehr und die kommerzielle Sexindustrie ermöglichten es dem Virus, zu einer weltweiten Seuche zu führen. Im Augenblick sind 35 Millionen Menschen weltweit von AIDS betroffen. Während es beträchtliche Erfolge in der Kontrolle und der Behandlung der Krankheit in Ländern wie Amerika und Europa gibt, ist das in Afrika nicht der Fall. Zwischen 1996 und 1997 verringerten sich in Amerika die Todesfälle durch AIDS um 44 Prozent. Im Gegensatz dazu sind die Zahlen für das Afrika südlich der Sahara äußerst besorgniserregend.

Der Prozentsatz der erwachsenen Bevölkerung, die vom HIV-Virus infiziert ist, zeigt, wie ernst die Situation ist. In Südafrika sind es 13 Prozent, in Mosambik 14 Prozent, Namibia 20 Prozent, Botswana 25 Prozent und Zimbabwe knapp unter 26 Prozent, der weltweit höchste Anteil. Im Juni 1998 gaben die UN einen umfassenden, detaillierten Bericht über das Vorkommen der Krankheit heraus. Er zeigte, daß von den 30 Millionen HIV-infizierter Menschen im vorhergehenden Jahr 21 Millionen in Afrika südlich der Sahara leben. In dieser Region befinden sich die 21 Länder mit der weltweit höchsten Rate von HIV-Erkrankungen.

Die AIDS-Epedemie in diesem Teil Afrika ist mit den großen Seuchen der Menschheitsgeschichte vergleichbar. Die mittelalterliche Pest tötete in Europa 20 Millionen Menschen, was einem Viertel der Bevölkerung entsprach. Die Grippeepidemie von 1918/19 koste 200 Millionen Menschen das Leben. Der Anteil der HIV-Infizierten an der Weltbevölkerung beträgt ungefähr ein Prozent, in den USA ungefähr etwa 0,76 Prozent. Diese somit am meisten betroffenen Länder im südlichen und mittleren Afrika gehören auch zu den Ländern, die am wenigsten in der Lage sind, mit den verheerenden Auswirkungen der Krankheit fertigzuwerden.

HIV hat die größten Auswirkungen auf Erwachsene von 15 bis 49 Jahren, diejenigen sexuell am aktivsten sind. Das ist auch der Teil der Bevölkerung, der wirtschaftlich am aktivsten ist und Kinder großzieht. AIDS hat Millionen zu Waisen gemacht. 1997 verloren 1,6 Millionen Kinder wenigstens ein Elternteil durch HIV. Von 1998, als die Krankheit erstmals erkannt wurde bis Ende 1997 verloren 8,2 Millionen Kinder ihre Mütter wegen AIDS. Afrikanische Kinder sind am stärksten von dem Risiko bedroht, mit AIDS geboren zu werden. In einigen afrikanischen Städten waren bei Schwangerschaftsuntersuchungen 70 Prozent der Frauen infiziert.

AIDS ist dabei, eine der häufigsten Todesursachen zu werden. Es bringt soviele Menschen um wie die Malaria und steht nur noch der Tuberkulose nach. 1997 infizierten sich 5,6 Millionen Menschen, und 2,3 Millionen starben an der Krankheit. AIDS beansprucht die Gesundheitseinrichtungen der armen Länder in so großem Maße, daß das Auftreten anderer Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose zunimmt. Die AIDS-Konferenz, die 1998 in Genf stattfand, nannte Zimbabwe als das Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate, mit durchschnittlich 26 Prozent der Bevölkerung. In einigen Teilen des Landes ist der Anteil sogar höher. Am Touristenzentrum Victoriafälle beträgt der Anteil der Infizierten 40 Prozent. Tuberkulose, Malaria, Cholera und andere durch Sexualverkehr übertragene Krankheiten, sowie verhinderbare Infektionen, sowie Totgeburten und Kindersterblichkeit. Tuberkulose ist eine Krankheit, die eng mit Armut in Verbindung steht. 1986 gab es 5000 Fälle und 1997 35.000. Die Auswirkungen der zunehmenden Armut und Instabilität, die durch die AIDS-Seuche noch verschlimmert wurden, untergraben die Effektivität der Gesundheitseinrichtungen. Aber in Zimbabwe werden knapp 10 Dollar pro Person für die Gesundheit einer Person im Jahr ausgegeben.

1993 betrug die Lebenserwartung in Zimbabwe 61 Jahre. Man schätzt, daß sie bis zum Ende des Jahrhunderts auf 49 Jahre sinken wird. Wenn die HIV-Infektionen mit der gleichen Geschwindigkeit weitergehen wie heute, wird die Lebenserwartung in diesem Land im Jahr 2010 nur noch 40 Jahre betragen. In Südafrika wurden die HIV-Erkrankungen durch die von der Apartheid erzwungene Isolation unter Kontrolle gehalten. Jetzt findet ein explosiver Anstieg statt. Die Zahl der Infizierten hat sich in den letzten drei Jahren verdoppelt, was der weltweit höchste Anstieg ist. Heute sind ungefähr drei Millionen Menschen infiziert. Das sind etwa 12 Prozent der Bevölkerung. Unter Frauen in den Zwanzigern sind es 20 Prozent.

In einigen Ländern konnte die Infektionsrate zu einem gewissen Grad gesenkt werden. In Uganda zum Beispiel betrug die Infektionsrate 1994 13 Prozent und sie wurde bis 1997 auf 9.5 Prozent reduziert. Aber selbst wenn die Infektionsrate fällt, kann man sehr wenig für die bereits Infizierten tun. Bei Gesundheitsausgaben von etwa 10 Dollar pro Kopf im Jahr ist eine Therapie durch Kombinationspräparate, die in den entwickelten Ländern erste Erfolge zeitigte, für die Masse der Bevölkerung unerschwinglich.

Dr. Peter Piot, der Vorsitzende des UN-AIDS-Programms, gab seiner Besorgnis Ausdruck über die zunehmende Kluft zwischen der Infizierung und den Todesraten in den Industrie- und den Entwicklungsländern, die, wie er sich ausdrückte, "ein grelles Licht auf die Habenichtse der Seuche" werfe.

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