Ein gelehrter und mutiger Mann

Giordano Bruno, Philosoph und Wissenschaftler, wurde vor 400 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt

Von Frank Gaglioti
11. März 2000

Vor vierhundert Jahren, am 16. Februar 1600, ließ die Katholische Kirche den italienischen Philosophen und Wissenschaftler Giordano Bruno wegen Ketzerei hinrichten. Er wurde am frühen Morgen aus seiner Zelle auf die Piazza dei Fiori in Rom gebracht und bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Bis zum Ende fürchteten die Kirchen-Oberen die Ideen eines Mannes, der in ganz Europa als mutiger und hervorragender Kopf bekannt war. Ein besonderer Aspekt dieses grausamen Ereignisses war, dass den Henkern befohlen wurde, seine Zunge festzubinden, so dass er nicht in der Lage wäre, zu den Anwesenden zu sprechen.

Während seines ganzen Lebens war Bruno Verfechter des Kopernikanischen Systems in der Astronomie, das die Sonne und nicht die Erde ins Zentrum des Sonnensystems stellte. Er kämpfte gegen die verdummende Autorität der Kirche und weigerte sich während seiner achtjährigen Einkerkerung durch die venezianische und römische Inquisition, seine philosophischen Überzeugungen zu widerrufen. Sein Leben legt Zeugnis ab von dem Drang nach Wissen und Wahrheit, das die erstaunliche Geschichtsperiode kennzeichnet, die man Renaissance nennt - und von der so vieles in der modernen Kunst, Philosophie und Wissenschaft herstammt.

1992, nach 12-jähriger Beratung, gab die Katholische Kirche widerwillig zu, dass Galileo Galilei Recht hatte, als er die Theorien des Kopernikus unterstützte. Die Heilige Inquisition hatte 1633 den bejahrten Galileo unter Androhung der Folter gezwungen, seine Ideen zu widerrufen. Aber in Bezug auf Bruno gibt es kein solches Eingeständnis. Seine Schriften stehen noch immer auf der Liste der verbotenen Schriften des Vatikans.

Die Kirche denkt zur Zeit über einen neuen Katalog von Entschuldigungen nach. Eine theologische Kommission unter der Leitung von Kardinal Joseph Ratzinger, dem Vorsitzenden der Kongregation für Glaubensfragen - der modernen Nachfolgerin der Inquisition - hat eine Untersuchung erstellt mit dem Titel: "Die Kirche und die Fehler der Vergangenheit: Erinnerung im Dienste der Aussöhnung". Darin wird vorgeschlagen, sich für "Fehler der Vergangenheit" zu entschuldigen. Die Ergebnisse wurden Papst Johannes Paul II. überreicht, der sich am 12. März dazu äußern soll.

Die Hinrichtung Brunos ist eines der Verbrechen der Kirche, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass hier größere Zugeständnisse gemacht werden. Kompromisslose katholische Persönlichkeiten haben die Untersuchung von Anfang an mit der Begründung abgelehnt, übertriebene Reue und Selbsthinterfragung könne den Glauben an die Kirche und ihre Institutionen untergraben.

Die augenblickliche Einstellung der Römisch-Katholischen Kirche gegenüber Bruno wird auf einem zweiseitigen Eintrag in der letzten Ausgabe der "Katholischen Enzyklopädie" deutlich gemacht. Er prangert Brunos "Intoleranz" an und wirft ihm vor, seine "Geisteshaltung gegenüber der religiösen Wahrheit" sei die eines "Rationalisten". [1] Der Artikel beschreibt detailliert Brunos theologische Irrtümer und seine außerordentlich lange Inhaftierung durch die Inquisition, erwähnt aber nicht die bekannteste Tatsache - dass die Kirche ihn bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannte.

Bruno wird seit langem als Märtyrer der wissenschaftlichen Wahrheit verehrt. 1889 errichtete man ein Denkmal an dem Ort seiner Hinrichtung. Wissenschaftler und Dichter bekundeten ihre Bewunderung, man erstellte eine ausführliche Biographie. In einer Botschaft an den "Contemporary Club" in Philadelphia schrieb der amerikanische Dichter Walt Whitman im Jahr 1890: "Da Amerika seine geistige Kühnheit (dieser Gedanke kam mir heute) mehr als allen gegenwärtigen Ländern und Völkern den edlen Märtyrern der früheren Alten Welt verdankt, ist es unsere Pflicht, das Leben und die Namen dieser Märtyrer zu reinigen und sie in ehrfurchtsvollem Angedenken als Leitbild zu bewahren. Als typisches Beispiel hierfür steht Giordano Bruno, den wir stellvertretend heute und in Zukunft in das dankbare Herz und die Erinnerung der Neuen Welt einschließen." [2]

Der Mitstreiter von Karl Marx, Friedrich Engels, fasste die geschichtliche Epoche zusammen, die Persönlichkeiten wie Bruno hervorbrachte. In einer in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstandenen Einleitung zu seinem unvollendeten Werk "Dialektik der Natur" schrieb Engels: "Es war die größte progressive Umwälzung, die die Menschheit bis dahin erlebt hatte, eine Zeit, die Riesen brauchte und Riesen zeugte, Riesen an Denkkraft, Leidenschaft und Charakter, an Vielseitigkeit und Gelehrsamkeit. Die Männer, die die moderne Herrschaft der Bourgeoisie begründeten, waren alles, nur nicht bürgerlich beschränkt. Im Gegenteil, der abenteuernde Charakter der Zeit hat sie mehr oder weniger angehaucht. Fast kein bedeutender Mann lebte damals, der nicht weite Reisen gemacht, der nicht vier bis fünf Sprachen sprach, der nicht in mehreren Fächern glänzte...

Auch die Naturforschung bewegte sich damals mitten in der allgemeinen Revolution und war selbst durch und durch revolutionär; hatte sie sich doch das Recht der Existenz zu erkämpfen. Hand in Hand mit den großen Italienern, von denen die neuere Philosophie datiert, lieferte sie ihre Märtyrer auf den Scheiterhaufen und in die Gefängnisse der Inquisition. Und bezeichnend ist, dass Protestanten den Katholiken vorauseilten in der Verfolgung der freien Naturforschung. Calvin verbrannte Servet, als dieser auf dem Sprunge stand, den Lauf der Blutzirkulation zu entdecken, und zwar ließ er ihn zwei Stunden lebendig braten; die Inquisition begnügte sich wenigstens damit, Giordano Bruno einfach zu verbrennen." [3]

Was Bruno ganz besonders auszeichnet, ist sein energisches Beharren auf Vernunft und Logik statt religiösem Dogma als Grundlage der Wahrheitsfindung. Die Denker der Aufklärung des 18. Jahrhunderts vorwegnehmend, schrieb er in einem seiner letzten Werke, "De triplici minimo et mensura" [Vom dreifach Kleinsten und vom Maß] 1591: "Wer Philosophie betreiben will, muss zunächst einmal alles in Frage stellen. Er darf in einer Diskussion keinen Standpunkt einnehmen, bevor er nicht die unterschiedlichen Meinungen angehört und die Gründe dafür und dagegen bedacht und verglichen hat. Er sollte niemals einen Standpunkt einnehmen auf der Grundlage dessen, was er gehört hat, aufgrund der Meinung der Mehrheit, wegen des Alters, der Verdienste oder dem Ansehen des betreffenden Redners, sondern er sollte entsprechend der Überzeugungskraft einer in sich stimmigen Theorie vorgehen, die sich an reale Dinge hält und an eine Wahrheit, die im Lichte der Vernunft begriffen werden kann." [4]

Ein vielseitiger Gelehrter

Das philosophische Erbe Brunos lässt eine vielseitige Persönlichkeit erkennen, beeinflusst von den verschiedenen geistigen Strömungen seiner Zeit, in einer Epoche, als die moderne Wissenschaft gerade erst begann. Mit seinen glühenden Polemiken erntete er die Bewunderung der fortgeschrittensten Denker dieser Epoche und den Hass der Kirche, deren Autorität durch wissenschaftliche Angriffe bis ins Mark erschüttert wurde.

Bruno wurde 1548 in der Stadt Nola in der Nähe von Neapel geboren, zu Beginn der Revolution in der Astronomie, die durch die Veröffentlichung von Kopernikus "De revolutionibus orbium coelestium libri VI" [Die sechs Bücher über die Umläufe der Himmelskörper] im Jahre 1543 eingeleitet wurde. Kopernikus erklärte, die Sonne und nicht die Erde sei der Mittelpunkt eines endlichen begrenzten Universums, wobei die Planeten die Sonne auf kreisförmigen Bahnen umliefen und die Sterne in einer starren kugelförmigen Sphäre in beträchtlicher Entfernung darüber fixiert seien.

Das Kopernikanische System stellte nicht nur die kosmologischen Ansichten der Kirche, sondern auch die strenge gesellschaftliche Hierarchie des Feudalismus in Frage. Die bis dahin sauber geordnete Auffassung des Universums, mit der Erde im Zentrum, bestärkte die starre feudale Ordnung mit den Leibeigenen auf der untersten Stufe und dem Papst an der Spitze. Die gefährliche Schlussfolgerung aus der Kopernikanischen Theorie war: wenn der Glaube an die Unfehlbarkeit der Kirche auf dem Gebiet der Kosmologie in Frage gestellt werden konnte, dann war ihre gesellschaftliche Stellung ebenfalls in Zweifel gezogen.

Die Kirche war bereits von allen Seiten unter Belagerung geraten. 1517 hatte Martin Luther seine "Fünfundneunzig Thesen" an eine Kirchentür in Deutschland genagelt, in denen die Praktiken der Römisch-Katholischen Kirche angeprangert wurden - der erste Schlag der protestantischen Revolution, die sich über ganz Europa verbreitete. Der Vatikan reagierte mit einem Gegenangriff - der Gegenreformation - auf jeden, der die katholische Lehre anzugreifen schien. 1542 richtete sie die römische Inquisition ein, um ihre Erlasse mittels Folterung und Hinrichtung durchzusetzen.

So wurde Bruno in eine Welt voller Aufruhr geboren. 1563 trat Bruno in das Kloster San Domenico ein, wo er wegen seiner unorthodoxen religiösen Ansichten die Aufmerksamkeit der Kirchenoberen auf sich zog. Er nutzte seine Zeit als Novize, um sich nicht nur mit den philosophischen Werken der alten Griechen, sondern auch mit den zeitgenössischen europäischen Denkern vertraut zu machen. Zu dieser Zeit stieß er zum ersten Mal auf das Werk von Kopernikus, das einen solch tiefgreifenden Einfluss auf sein Leben haben sollte.

1572 erhielt Bruno die Priesterweihe, verließ den Orden aber 1576, nachdem er Rom besucht hatte. Man hatte herausgefunden, dass er philosophische Texte mit Fußnoten des holländischen Humanisten Erasmus gelesen hatte; er floh, bevor man ihn bei den kirchlichen Behörden denunzieren konnte. Den Rest seines Lebens bis zu seiner Gefangennahme durchreiste er Europa, diskutierte und warb für seine philosophischen Ideen.

Nach dreijährigem Aufenthalt in Italien ging er nach Genf, das damals von der protestantisch-calvinistischen Sekte beherrscht wurde. Bruno geriet bald in Konflikt mit den maßgebenden Autoritäten, weil er ein Pamphlet veröffentlichte, in dem er einem Genfer Philosophieprofessor 20 Fehler in einer Vorlesung nachwies. Er wurde von den Calvinisten inhaftiert und erst freigelassen, nachdem er die anstoßerregende Broschüre zurückgezogen hatte. 26 Jahre zuvor hatten die Calvinisten den spanischen Arzt, Geografen und Literaten Servetus wegen seiner wissenschaftlichen Ansichten auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Als nächstes reiste Bruno nach Toulouse in Frankreich, wo er Vorlesungen über "De anima" von Aristoteles hielt und ein Buch über mnemotechnisches Gedächtnistraining schrieb. 1581 kam er nach Paris, wo er die Aufmerksamkeit König Heinrichs III. auf sich zog, der sich für sein dem Ruf nach legendäres Gedächtnis interessierte. Der König verschaffte ihm eine Stelle am College de France, nachdem ihm der Eintritt in die Sorbonne von den Kirchenbehörden verboten worden war.

Während seines Aufenthalts in Paris schrieb er drei Bücher, zwei über die Gedächtniskunst und eine Komödie mit dem Titel "Der Kerzenmacher von Bruno dem Nolaner, Absolvent keiner Akademie, genannt der Quälgeist". In diesem Stück beschreibt Bruno seine Zeit im Dominikanerkloster in Neapel - eine vernichtende Anklage gegen die Kirche. Giovanni Gentiles Kommentar zu dem Stück beschreibt Brunos Charakterisierung der Kirche wie folgt: "Man bekommt in ungeordneter Folge zu sehen: Episoden von Beutelschneiderei, Trickbetrügereien, Schurkengeschäfte; ebenso herrliche Widerwärtigkeiten, bittere Süßigkeiten, törichte Entscheidungen, irriger Glaube und verkrüppelte Hoffnungen, schäbige Almosen, Richter, würdevoll und aufrichtig in Bezug auf die Angelegenheiten der anderen, aber nicht auf ihre eigenen; männliche Frauen, weibische Männer und Stimmen der Verschlagenheit statt Barmherzigkeit, sodass der Gläubige der Betrogene ist - und überall die Liebe zum Gold." [5]

1583 war Bruno gezwungen, Frankreich zu verlassen. Er reiste nach England; sein dreijähriger Aufenthalt dort erwies sich als die fruchtbarste Periode seines Lebens. Er wurde in eine Gesellschaft eingeführt, die begeistert alle Formen italienischer Gelehrsamkeit aufnahm und schon über eine beträchtliche italienische und ausländische Exilgemeinde verfügte. Viele waren geflohen, um einer Verfolgung wegen unorthodoxer philosophischer und religiöser Ideen zu entgehen. Bruno führte Diskussionen mit Königin Elisabeth I., welche die Möglichkeit reizte, philosophische Fragen direkt auf Italienisch zu diskutieren. Er zog sehr schnell eine Reihe von Intellektuellen an, die darauf brannten, die philosophischen Probleme dieser Zeit zu erörtern.

In England veröffentlichte Bruno sechs Bücher, alle auf Italienisch, in denen er zum ersten Mal seine philosophischen Ideen ausführlich darlegte. Er war der erste Philosoph, der wissenschaftliche Probleme in seiner Muttersprache erörterte. Schon die Tatsache, dass er Bücher auf Italienisch veröffentlichte, war eine offene Herausforderung an die Kirche, die versuchte, Latein als Wissenschaftssprache aufrecht zu erhalten und so die Weiterverbreitung von Ideen zu begrenzen. Das bahnbrechende Werk von Kopernikus war nur auf Lateinisch erschienen. Die Drucker von Brunos Werken waren so verängstigt, dass keiner von ihnen sich in seinen gedruckten Texten zu erkennen gibt.

Brunos Sicht des Universums

Brunos Kosmologie wird in den Werken "Das Aschermittwochsmahl", "Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen" und "Vom Unendlichen, dem All und den Welten" erläutert, die eine brillante Vorwegnahme späterer wissenschaftlicher und philosophischer Entwicklungen darstellen. In mancher Hinsicht gingen die Schlussfolgerungen, zu denen Bruno durch mutige Intuition gelangte, über das Werk seiner Nachfolger wie Galileo und Kepler hinaus. Die Bücher sind in Form von Dialogen aufgebaut, in denen Brunos Personen verschiedene philosophische Standpunkte von unterschiedlichen Blickwinkeln aus diskutieren, und eine dieser Personen stellt Bruno selbst dar.

In "Das Aschermittwochsmahl" bringt Bruno als einer der ersten Argumente für die Existenz eines unendlichen Universums vor, das eine unendliche Zahl von Welten, ähnlich der Erde, enthält. Damit verwarf er die Beschränkungen des Kopernikanischen Systems, das ein endliches Universum postulierte, begrenzt durch eine starre kugelförmige Sphäre von Sternen oberhalb des Solarsystems. Er argumentierte, die Sonne sei nicht das Zentrum des Universums und erklärte, wenn man die Sonne von irgendeinem der anderen Sterne aus beobachten würde, dann sähe sie genauso aus. Bruno machte sich auch Gedanken darüber, dass diese anderen Welten bewohnt sein könnten.

Der deutsche Philosoph Ernst Cassirer erklärte die Bedeutung von Brunos Auffassung eines unendlichen Universums wie folgt: "Diese Doktrin... war der erste und entscheidende Schritt zur Selbstbefreiung des Menschen. Der Mensch lebt nicht länger in der Welt eines Gefangenen, eingeschlossen in die engen Wände eines endlichen physikalischen Universums. Er kann die Lüfte durchqueren und alle imaginären Grenzen der himmlischen Sphären durchbrechen, die von einer falschen Metaphysik und Kosmologie errichtet wurden. Das unendliche Universum setzt dem menschlichen Geist keine Grenzen; im Gegenteil, es ist die große Herausforderung für den menschlichen Geist. Der menschliche Geist wird sich seiner eigenen Unendlichkeit bewusst, indem er seine Kräfte am unendlichen Universum misst." [6]

Die weiteren drei Bücher, die Bruno in England veröffentlichte - "Die Vertreibung der triumphierenden Bestie", "Die Kaballa des Pegasus" und "Die heroischen Leidenschaften" - enthalten eine beißende Kritik der Gegenreformation. Die italienische Historikerin Hilary Gatti bemerkt in ihrem Buch "Giordano Bruno und die Wissenschaft der Renaissance": "Die Bedeutung dieser letzten italienischen Werke liegt meiner Meinung nach... im Übergang von einer Vorstellungswelt, die von einer theologischen Weltsicht beherrscht war, zu einer Vorstellungswelt, in der philosophische Begriffe herrschten. In diesem Übergang von der Theologie zur Philosophie wird mit der offenbarten Religion in allen Formen roh umgegangen, vor allem aber mit der christlichen Religion, die das Leben und die Kultur Europas im sechzehnten Jahrhundert dominierte - und das oft mit Gewalt und Unterdrückung." [7]

In England hinterließ Bruno den größten Eindruck. Seine Ansichten wurden in gelehrten Kreisen diskutiert, und die Argumente, die er in seinen Büchern vorbringt, vermitteln einen Eindruck von der zeitgenössischen Diskussion. Zwei führende Wissenschaftler, William Gilbert und Thomas Harriot, wurden zu herausragenden Befürwortern seiner kosmologischen Ansichten. Gilbert, dessen Werk "De Magnete" (1600) bis ins neunzehnte Jahrhundert als grundlegende Abhandlung über den Magnetismus galt, war ein bedeutender Vertreter einer Gruppierung, die wissenschaftliche Fragen diskutierte. Er war insbesondere daran interessiert, seine magnetischen Theorien in Bezug zu Brunos kosmologischen Ansichten zu entwickeln.

Harriot war ein berühmter Mathematiker und Astronom; man nimmt an, dass er noch vor Galileo Sonnenflecken entdeckt hatte. Harriot führte 1608 eine Korrespondenz mit Kepler, in der er Brunos Auffassung vom unendlichen Universum diskutierte, die Kepler später ablehnte. Harriot war einer der Wissenschaftler, die vom Neunten Earl von Northumberland gefördert wurden - ein treuer Anhänger Brunos. Northumberland verfügte über eine umfassende Sammlung von Brunos Werken, die er den Wissenschaftlern in seinem Kreis zugänglich machte.

Aufgrund von Vermögensverlusten seines Förderers, des Marquis de Mauvissiere, mit dem er nach England gereist war, musste Bruno nach Frankreich zurückkehren. In Paris brachte er dann drei Werke heraus, war jedoch gezwungen abzureisen, nachdem sein Angebot, mit jedermann über das Thema "120 Thesen über Natur und Welt" zu diskutieren, heftige Angriffe von Kirchentreuen ausgelöst hatte. Er reiste daraufhin nach Deutschland, wo er sich bis 1588 in Wittenberg und Marburg aufhielt. Er musste Marburg verlassen, nachdem er mit den Lutheranischen Autoritäten in Konflikt geraten war, und durchreiste anschließend Europa - Prag, Helmstedt, Frankfurt und Zürich.

1591 kehrte Bruno nach Italien zurück, weil er von dem italienischen Adligen Zuane Mocenigo eingeladen worden war, Aristokraten in der Gedächtniskunst zu unterrichten. Mocenigo denunzierte ihn später bei der Inquisition. Am 23. Mai 1592 wurde Bruno verhaftet, über seine philosophischen Werke verhört und am 27. Januar 1593 auf direktes Ersuchen des päpstlichen Nuntius Taverna, der im Auftrag von Papst Clemens VIII. handelte, der Inquisition in Rom übergeben.

Während seiner Haft in Rom wurde er im Verlauf von sieben Jahren über alle Aspekte seines Lebens und seiner philosophischen und theologischen Ansichten verhört. Am 15. Februar 1599 klagte die Inquisition Bruno wegen Ketzerei in acht Fällen an, die die Kirche bis heute nicht offengelegt hat. Den wenigen Dokumenten zufolge, die zur Verfügung stehen, wurde Bruno wegen seiner "atheistischen" Ansichten und wegen der Veröffentlichung des Werks "Die Vertreibung der triumphierenden Bestie" angeklagt. Er weigerte sich zu widerrufen.

Die Inquisition verkündete ihr Urteil am 20. Januar 1600: "Hierdurch, in diesen Dokumenten... verkünden wir das Urteil und erklären, dass der zuvor genannte Bruder Giordano Bruno ein unbußfertiger und hartnäckiger Ketzer ist und deshalb alle kirchlichen Tadel und Strafen des Heiligen Kanons auf sich geladen hat... Wir verfügen und befehlen deshalb, dass Du dem weltlichen Gericht ausgeliefert wirst... damit Du die Strafe erhältst, die Du verdienst, obwohl wir inbrünstig beten, dass er (der Römische Statthalter) die Strenge des Gesetzes in Bezug auf Deine Strafen mildern möge, damit Du nicht getötet wirst oder Deine Glieder verstümmelt.

Darüber hinaus verurteilen, missbilligen und verbieten wir alle Deine zuvor genannten und Deine übrigen Bücher und Schriften als ketzerisch und irrig, da sie viele Ketzereien und Irrtümer enthalten, und wir verfügen, dass alle diese Bücher, die in die Hände der Inquisition gelangt sind oder in Zukunft gelangen, öffentlich vernichtet und auf dem St.-Peters-Platz vor den Stufen verbrannt werden und auf den Index verbotener Bücher gesetzt werden sollen." [8]

Trotz des unaufrichtigen Beiklangs von Sorge über Brunos körperliches Wohlergehen verkündete die Inquisition das Todesurteil. Bruno trotzte ihr bis zum Schluss. Gaspar Schopp von Brelau, der kurz zuvor zum Katholizismus übergetreten war und dem Urteil beiwohnte, berichtet, dass Bruno, als er den Spruch vernahm, ausrief: "Vielleicht habt Ihr, die Ihr mein Urteil verkündet, mehr Angst als ich, der es entgegennimmt." [9]

An die Heilige Inquisition und ihre Folterknechte erinnert man sich nur als Symbole der Erzreaktion. Aber Bruno hat die Zeiten überdauert. Betrachtet man sein Leben, so sieht man einen wahren Menschen der Renaissance mit einem leidenschaftlichen Interesse an allen Aspekten des menschlichen Wissens, der mit großer Energie und Entschlossenheit an den geistigen Auseinandersetzungen seiner Zeit teilgenommen hat. Seine Erkenntnisse waren ein wichtiger Beitrag zu den Ideen, die die Grundlage für die moderne Wissenschaft legten. Seine standhafte Weigerung, sich der Autorität, Macht und dem Unterdrückungsapparat der Römisch-Katholischen Kirche - der mächtigsten Institution seiner Zeit - zu beugen, wird ohne Zweifel auch für kommende Jahrhunderte eine Inspiration sein.

Der deutsche Philosoph Georg Hegel erklärt zusammenfassend über die Generation von Denkern, der Bruno angehörte, in seinen "Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie": "Sie fühlten sich und wurden nun von dem Triebe regiert, aus sich heraus das Wesen zu schaffen, die Wahrheit zu schöpfen, - Menschen gärender und brausender Natur, von unstetem und wildem Charakter, enthusiastischem Wesen, das nicht die Ruhe der Wissenschaft gewinnen konnte. Man findet so bei ihnen große Originalität; der Inhalt ist aber höchst vermischt und ungleich. In dieser Zeit finden sich eine Menge Individuen, groß durch die Energie ihres Geistes, ihres Charakters, bei denen sich aber eine große Verworrenheit des Geistes und Charakters zugleich findet, - deren Schicksale, wie ihre Schriften, nur diese Unsicherheit ihres Wesens und die Empörung des Innern gegen das vorhandene Dasein wie Intelligenz und die Sucht, heraus zur Festigkeit zu gebären, bezeichnen und in denen ein heißer Trieb zum Tiefsten und Konkreten in denkender Weise durch unendliche Phantastereien, Wildheit der Einbildung, Sucht nach geheimen astrologischen, geomantischen und anderen Kenntnissen verunreinigt war. Diese merkwürdigen Erscheinungen glichen wesentlich der Auflösung, dem Erdbeben und den Eruptionen eines Vulkans, der sich im Inneren gebildet hatte und der eine neue Schöpfung hervorbrachte; seine Schöpfungen sind noch wild und unregelmäßig." [10]

Anmerkungen:

Die Zitate wurden aus den angegebenen englisch-sprachigen Quellen übersetzt.

1. The Catholic Encyclopaedia (http://www.knight.org/advent/cathen/03016a.htm)

2. Quoted in "The Infinite Worlds of Giordano Bruno" by Antoinette Mann Paterson, 1970, page ix

3. "Dialektik der Natur", Friedrich Engels, Seite 10

4. "De triplici minimo" by Giordano Bruno as quoted in "Giordano Bruno and Renaissance Science" by Hilary Gatti, 1998, page 4

5. Quoted in "Giordano Bruno, His Life and Thought" by Dorothea Waley Singer, 1950, page 22

6. Quoted in "The Infinite Worlds of Giordano Bruno" by Antoinette Mann Paterson, 1970, pages 33-34

7. "Giordano Bruno and Renaissance Science" by Hilary Gatti, 1998, page 229

8. Quoted in "Giordano Bruno, His Life and Thought" by Dorothea Waley Singer, 1950, page 176-177

9. Quoted in "Giordano Bruno, His Life and Thought" by Dorothea Waley Singer, 1950, page 179

10. Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, G.W.F. Hegel, Werke in 20 Bänden, Band 20, Seite 18

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