Gus Hall (1910-2000)

Der langjährige stalinistische Führer der Kommunistischen Partei der USA ist gestorben

Von Fred Mazelis
21. November 2000

Gus Hall, der am 13. Oktober im Alter von 90 Jahren starb, war mehr als vier Jahrzehnte lang Führer der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA). Nachdem er getreu die Interessen der stalinistischen Bürokratie in der UdSSR vertreten hatte, trauerte er vor zehn Jahren um ihr Ableben, verteidigte aber ihre konterrevolutionäre Perspektive vom "nationalen Sozialismus" auch weiterhin bis zu seinem Tod.

Hall wurde als Arvo Kusta Hallberg am 8. Oktober 1910 im Bergbaugebiet von Nord-Minnesota geboren. Seine Eltern waren finnische Einwanderer, die der revolutionären syndikalistischen Organisation Industriearbeiter der Welt (IWW) beitraten.

Unter den Bedingungen ungeheurer Armut, unter denen er aufwuchs, war es nicht verwunderlich, dass sich der junge Mann, der später den Namen Gus Hall annahm, der revolutionären Politik zuwandte. Sein Vater Matt Hallberg, war 1919 Gründungsmitglied der amerikanischen Kommunistischen Partei und rekrutierte acht Jahre später seinen 17-jährigen Sohn für die Partei.

Im nördlichen Mittelwesten und in den gesamten Vereinigten Staaten war dies eine Zeit erbitterter Klassenkämpfe. Der Wall-Street-Boom der 20er Jahre trug nicht dazu bei, die Not der mehrere zehn Millionen Arbeiter zu lindern, und kleine, aber bedeutende Schichten von ihnen wandten sich den Ideen des Sozialismus zu.

Die KP von 1927 war schon eine völlig andere Organisation, als die Partei, die 1919 entstanden war, inspiriert durch die russische Revolution von 1917. Hall trat einer Partei bei, die der internationalen Arbeiterklasse und der Perspektive des internationalen Sozialismus den Rücken kehrte. 1927 war das Jahr, in dem Stalin als Kopf einer privilegierten Bürokratie, die in der Sowjetunion an Stärke gewann, seine Kontrolle über die Bolschewistische Partei und die Kommunistische Internationale festigte. Die Linke Opposition, angeführt von Leo Trotzki, wurde ausgeschlossen. Überall auf der Welt wurde den Kommunisten, denen man sogar verbot, die Dokumente der Opposition zu lesen, befohlen, sich der Verleumdungskampagne gegen den Mitstreiter Lenins in der Führung der Oktoberrevolution anzuschließen.

In den 20er Jahren wurde die KP der USA von verworrenen Fraktionskämpfen heimgesucht. Die stalinistisch kontrollierte Komintern griff mit bürokratischen Interventionen und prinzipienlosen Manövern ein, um in der amerikanischen Partei eine ernsthafte Diskussion der Perspektiven zu verhindern, und setzte Führer ein, deren Gehorsam gegenüber Moskau unbestritten war. Am Ende des Jahrzehnts hatte es Stalin im Wesentlichen geschafft, die amerikanische Partei in ein gefügiges Instrument der Sowjetbürokratie zu verwandeln.

Nur der Teil der Führung um James P. Cannon war in der Lage, den kräftezehrenden Fraktionalismus zu überwinden, der an die Stelle politischer Klarheit organisatorische Intrigen setzte. Cannon nahm 1928 am Kongress der Komintern teil und las eine Kopie von Trotzkis "Der Programmentwurf der Kommunistischen Internationale - Kritik der grundlegenden Thesen",(1) die in die Versammlung geschmuggelt worden war. Daraufhin schloss er sich der Opposition an und wurde im Oktober desselben Jahres aus der KP der USA ausgeschlossen.

Cannon wurde später einer der Gründer und Führer der trotzkistischen Bewegung in den USA, die 1938 die Socialist Workers Party gründete. Innerhalb weniger Monate nach Cannons Ausschluss aus der KP der USA wurden Jay Lovestone und seine Verbündeten, die den Ausschluss von Cannon mit Enthusiasmus betrieben hatten, wegen ihrer früheren politischen Unterstützung für Nikolai Bucharin, den Führer der Rechten Opposition innerhalb der UdSSR, selbst aus der Partei ausgeschlossen.

Der stalinistische Apparat im Kreml war vor allem deshalb in der Lage, die amerikanische Partei zu zähmen, weil er unter dem Deckmantel der russischen Revolution agierte. Gleichzeitig nutzte er ideologische und politische Schwächen der amerikanischen Partei und der Arbeiterbewegung der USA im Allgemeinen aus - Schwächen, die die Form von nationalem Provinzialismus und Gleichgültigkeit gegenüber der Theorie annahmen.

Die stalinistische Theorie vom "Sozialismus in einem Land" wurde benutzt, um den Eindruck von Optimismus in Bezug auf das Schicksal der Revolution zu erwecken. In Wirklichkeit bedeutete sie jedoch tiefen Skeptizismus gegenüber der Möglichkeit, dass der internationale revolutionäre Kampf der Arbeiterklasse die Isolation der Sowjetunion durchbrechen könnte. Der "Sozialismus in einem Land" wurde sehr schnell zur Parole all jener Elemente innerhalb der Komintern, die die Perspektive des internationalen Sozialismus fallen ließen und an seine Stelle ein nationalistisches Programm setzten, das die Interessen der Bürokratie und nicht der sowjetischen und internationalen Arbeiterklasse widerspiegelte.

Dieses nationalistische Programm fand Anklang bei Kräften, die wenig Interesse an internationalen Entwicklungen und Problemen der Weltbewegung bekundeten. Als die Wirtschaftskrise hereinbrach, die in den USA und anderswo neue politische Möglichkeiten und Herausforderungen auftat, war die stalinistische Herrschaft über die amerikanische KP total. Die Degeneration der russischen Revolution vergrößerte die theoretischen Schwächen der amerikanischen Arbeiterbewegung ungeheuerlich und hinderte die amerikanische Kommunistische Partei daran, ihr anfängliches Potential auszunutzen.

Halls Aufstieg

Hall, der sein politisches Leben als Revolutionär begann, verkörperte viele der politischen Schwächen, die zu einer Verwandlung der KP der USA in ein konterrevolutionäres Instrument des Kremlapparats führten. Wie viele andere setzte er letztendlich die Verteidigung der russischen Revolution mit der Verteidigung der stalinistischen Clique gleich, die Trotzki treffend als "Totengräber" der Revolution charakterisierte.

In den 30er und 40er Jahren stieg Hall allmählich in der Parteiführung auf. Von 1931 an verbrachte er zwei Jahre am Lenin-Institut in Moskau. Das war während der "Dritten Periode", in der die Kommunistische Internationale die Sozialdemokratie und andere Tendenzen in der sozialistischen Bewegung als "Sozialfaschisten" anprangerte - eine ultralinke Orientierung, die jeglichen Kampf für die Vereinigung der Arbeiterbewegung gegen die faschistische Gefahr verhinderte, die Position der Sozialdemokratie stärkte und es Hitler ermöglichte, in Deutschland ohne jeden Kampf zu siegen, mit katastrophalen Folgen für die Arbeiterklasse und die gesamte Menschheit.

In der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre stellten die Stalinisten die Politik der Dritten Periode auf den Kopf. Während die Reformisten zuvor als Faschisten bezeichnet worden waren, wurden jetzt sogar konservative kapitalistische Politiker als Verbündete im Kampf gegen den Faschismus begrüßt. Kommunistische Parteien traten in kapitalistische Regierungen ein oder riefen die Arbeiter dazu auf, für Vertreter der Wirtschaft zu stimmen.

Das Volksfrontbündnis mit dem bürgerlichen Liberalismus, das 1935 feierlich auf dem - wie sich später herausstellen sollte - letzten Kongress der Kommunistischen Internationale verkündet wurde, bevor Stalin sie auflöste, wurde mit besonderem Eifer von der amerikanischen KP durchgeführt. Earl Browder, der Generalsekretär der Partei in dieser Zeit, nannte den Kommunismus den "Amerikanismus des 20. Jahrhunderts". Die Partei engagierte sich als glühende Verteidigerin des Präsidenten Franklin D. Roosevelt und unterstützte noch enthusiastischer Stalins Säuberungen und den konterrevolutionären Terror, in dem faktisch alle noch lebenden Führer der Revolution von 1917 unter falsche Anklage gestellt und hingerichtet wurden.

Die stalinistischen Säuberungen fielen zeitlich zusammen mit diplomatischen Bemühungen des Sowjetregimes, Allianzen mit den westlichen bürgerlichen Demokratien gegen das faschistische Deutschland zu bilden. Die Ausrottung marxistischer Intellektueller, Arbeiter und früherer Parteiführer zielte zum Teil darauf ab, gegenüber den potentiellen westlichen Verbündeten Moskaus deutlich zu machen, dass sie von der UdSSR nichts zu befürchten hatten.

Als die amerikanische Arbeiterklasse mit den Sitzstreiks begann, die dazu führten, dass fünf Millionen Arbeiter innerhalb von etwas mehr als einem Jahr in die neuen CIO-Industriegewerkschaften strömten, bewies die amerikanische KP einmal mehr ihre Nützlichkeit für den Kapitalismus, indem sie mithalf, diese explosive Bewegung an die Demokratische Partei zu fesseln und auf den Rahmen des Profitsystems zu beschränken.

Einen großen Teil seiner Ausbildung erhielt Hall in dieser Zeit. Er arbeitete im Organisationskomitee der Stahlarbeiter in den Stahlzentren um Warren und Nikes herum im nordöstlichen Ohio und war damit Teil einer Generation von jungen KP-Aktivisten, die unter dem Führer der Vereinigten Bergarbeiter John L. Lewis Funktionärsposten in der CIO einnahmen.

Obwohl er in dieser Zeit mehrere große Streikkämpfe angeführt hatte, war Lewis ein fanatischer Antikommunist. Sein Stellvertreter Philip Murray, der die Organisierungskampagne in der Stahlindustrie leitete, war ein konservativer katholischer Gewerkschafter. Trotz ihres Hasses gegenüber dem Sozialismus betrauten Lewis und Murray die Stalinisten mit Gewerkschaftsämtern. Sie wurden nicht enttäuscht. Als die USA im Bündnis mit der Sowjetunion in den Zweiten Weltkrieg eintrat, wurden die KP-Führer in den Gewerkschaften zu den lautesten Verfechtern des "Klassenfriedens" und setzten rigoros das Streikverzichts-Versprechen durch, dem die AFL- und CIO-Spitzen zugestimmt hatten. Die KP der USA prangerte Lewis als "faschistischen Agenten" an, als er Roosevelt trotzte und die Bergarbeiter während des Kriegs in einen Ausstand führte.

Selbst als der Krieg zu Ende war, agitierte die KP für eine Fortsetzung des Streikverzichts-Versprechens. Ihre Rolle während des Kriegs brachte ihr die Feindschaft von kämpferischen Mitgliedern der CIO ein, was dazu beitrug, eine politische Atmosphäre zu schaffen, in der die amerikanische herrschende Klasse und die Arbeiterbürokratie unter den veränderten Bedingungen nach dem Krieg in der Lage waren, eine antikommunistische Hexenjagd zu organisieren.

Die Erfahrungen, die er zwischen 1935 und 1945 machte, waren entscheidend in der politischen Herausbildung von Hall. Er war nie eine politische Persönlichkeit von Bedeutung, aber die organisatorischen und politischen Fähigkeiten, die er sich erwarb, stammten in erster Linie aus dieser Periode, als die Stalinisten eine wichtige Rolle in der Massenbewegung spielten. Für den Rest seiner Karriere bemühte er sich um eine Pose, die den einheimischen amerikanischen Arbeiterführer mit einem starren Festhalten am stalinistischen Dogma und Loyalität gegenüber seinen Herren in Moskau kombinierte.

Kalter Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine bedeutende Wende in der US-Politik, eine Wende, die für Halls spätere Rolle entscheidend sein sollte. Das Bündnis zwischen Washington und Moskau wurde durch den Kalten Krieg ersetzt, als der amerikanische Kapitalismus seine Außen- und Innenpolitik mit seinen Nachkriegsbedürfnissen in Einklang brachte.

Die USA verließ sich auch weiterhin auf den internationalen stalinistischen Apparat, um die Arbeiterklasse unter Kontrolle zu halten. Am Ende des Kriegs traten Kommunistische Parteien überall in Europa in bürgerliche Regierungen ein oder unterstützten sie; sie hielten damit die Arbeiterklasse von einer revolutionären Abrechnung mit einem System ab, dass für die Wirtschaftskrise, den Faschismus und eine militärische Schlächterei von nie gekanntem Ausmaß verantwortlich war.

Gleichzeitig organisierte der amerikanische Kapitalismus mit Hilfe der neu errichteten CIA wie auch anderer Geheimdienste seine eigenen konterrevolutionären Intrigen. Er erneuerte auch die ideologische Kampagne gegen den Marxismus. Das Beispiel von Stalins Sowjetunion mit ihren entsetzlichen Säuberungen, Konzentrationslagern und ihrem despotischen Regime war ungeheuer nützlich für den Weltimperialismus. Die Gleichsetzung von Stalinismus und Sozialismus ermöglichte es ihm, Antikommunismus und Chauvinismus zu schüren und gleichzeitig die Aufmerksamkeit von den eigenen Angriffen auf die Arbeiterklasse abzulenken.

Auf dieser Grundlage wurde die Hetzjagd des Kalten Kriegs innerhalb der USA entfacht. Die McCarthy-Kampagne gegen die Stalinisten richtete sich gegen jegliche linke Opposition in der Arbeiterklasse. Es wurden sowohl KP-dominierte Gewerkschaften aus der CIO ausgeschlossen, als auch sozialistische Gewerkschafter - einschließlich grundsätzlicher Gegner des Stalinismus - aus der organisierten Arbeiterbewegung getrieben.

1948 wurden Hall und elf weitere Mitglieder der KP auf der Grundlage des berüchtigten Smith-Gesetzes angeklagt, das eine "Verschwörung", die für den Sturz der Regierung "unter Anwendung von Zwang und Gewalt" eintritt, zum Kapitalverbrechen erklärte. Hall wurde für schuldig befunden und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. 1951 flüchtete er, als er sich gegen Kaution auf freiem Fuß befand und die Berufung gegen das Urteil lief. Innerhalb weniger Monate wurde er wieder gefasst und seine Gefängnisstrafe auf acht Jahre verlängert. Er saß sie im Bundesgefängnis in Leavenworth, Kansas, ab.

Das Smith-Gesetz war 1940 verabschiedet worden. Als die Trotzkisten der Socialist Workers Party 1941 als erste unter dem Smith-Gesetz angeklagt wurden, hatten Hall und die übrigen Stalinisten ihre Verfolgung und Verurteilung begrüsst. Als dasselbe Gesetzt gegen die Stalinisten gerichtet wurde, vertraten die amerikanischen Trotzkisten einen prinzipienfesten Standpunkt. Ohne ihre grundlegenden und unüberbrückbaren politischen Differenzen mit den Stalinisten herunterzuspielen, verurteilten sie die Verfolgung der KP als einen Angriff auf die demokratischen Rechte der Arbeiterklasse und verteidigten die KP-Führer.

Während Hall Anfang und Mitte der 50er Jahre im Gefängnis saß, spitzte sich die Krise des Stalinismus zu. Auf Stalins Tod im März 1953 folgte innerhalb weniger Monate ein Aufstand wütender Arbeiter in Ost-Berlin, der von der stalinistischen Regierung brutal unterdrückt wurde. 1956 hielt Nikita Chrustschow seine Geheimrede, in der er viele von Stalins Verbrechen zugab. Im Oktober desselben Jahres erschütterte die Revolution in Ungarn, obwohl sie sehr schnell von sowjetischen Panzern in Blut ertränkt wurde, die stalinistische Bürokratie in ihren Grundfesten.

Als Hall 1957 das Gefängnis verließ, ließen ihn diese großen Ereignis unberührt. Als erzkonservativer Stalinist und enger Vertrauter des langjährigen Parteiführers William Z. Foster nahm Hall den Kampf gegen eine Gruppe innerhalb der KP auf, die vom Herausgeber des Daily Worker John Gates angeführt wurde. Die Gates-Fraktion, wie viele andere vorher und nachher, distanzierte sich von den brutalen Unterdrückungsmethoden, die kennzeichnend für die Vorgehensweise der Bürokratie waren, während sie gleichzeitig an der nationalistischen Perspektive, die das Wesen des Stalinismus ausmachte, festhielten. Da sie den Marxismus mit Stalinismus gleichsetzte, sah diese Gruppe die Krise der Bürokratie als Beweis dafür an, dass der Aufbau einer marxistischen Partei in der Arbeiterklasse unmöglich sei.

Parteiführer

Zwischen 1956 und 1958 verließ die Mehrheit der KP-Mitglieder einfach die Partei, weil sie im wachsenden Maße demoralisiert waren und über keine klare Analyse der Umwälzungen innerhalb des sowjetischen Blocks verfügten. Die Fraktion der Moskautreuen wartete im Wesentlichen ab und sammelte Teile der zerstörten Organisation wieder auf. Genau in dieser Periode des faktischen Zusammenbruchs der amerikanischen Kommunistischen Partei übernahm Hall die Zügel der Parteiführung; er löste Eugene Dennis als Generalsekretär ab, nachdem er ihn der unzureichenden Treue gegenüber der UdSSR beschuldigt hatte.

Im Verlauf der nächsten 40 Jahre wurden die amerikanischen Stalinisten unter der Führung von Hall immer verknöcherter. Sie blieben unerschütterlich bei ihrer Unterstützung der Demokratischen Partei und der Gewerkschaftsbürokratie. Millionen von amerikanischen Arbeitern, Studenten und Jugendlichen befanden sich während der 60er und 70er Jahre weit links von der Partei, die sich fälschlicherweise noch immer Kommunistisch nannte. Als Stütze für die Bürokratie der AFL-CIO-Gewerkschaften, die Demokraten im Weißen Haus, dem Kongress und auf Landes- und Orts-Ebene war auf die KP, oder was von ihr übriggeblieben war, stets Verlass - während der Bürgerrechtsbewegung, der Bewegung gegen den Vietnamkrieg und militanten Streikbewegungen.

Die KP hat in der Tat jeden demokratischen Kandidaten für das Präsidentenamt von Roosevelt bis Gore unterstützt - mit einer einzigen Ausnahme. 1948 trat sie für Henry Wallace ein, einen früheren Vize-Präsidenten und Landwirtschaftsminister, der als unabhängiger Kandidat für eine fortgesetzte Zusammenarbeit mit dem Sowjetregime eintrat.

Speichelleckerische Unterstützung für die Gewerkschaftsbürokratie war ein Markenzeichen von Halls Amtszeit als KP-Führer. Halls Reden und Artikel über die US-amerikanische Arbeiterbewegung sind eine atemberaubende Zurschaustellung von Opportunismus. Er bekniete die AFL-CIO regelmäßig und inständig, die antisowjetische Politik, die von ihrem Präsidenten George Meany und seinem Nachfolger Lane Kirkland vertreten wurde, abzumildern. Die Stalinisten beschwerten sich kaum über die offensichtliche Korruption, die Streikbrüche und den einwandererfeindlichen Chauvinismus der AFL-CIO und unterstützten begeistert deren Eintreten für Kandidaten der Demokratischen Partei, die die Interessen der Wirtschaft vertraten. Sie wollten nur eines: der amerikanischen Gewerkschaftsbürokratie wieder so dienen, wie sie es vor dem Kalten Krieg getan hatten. Hall erinnerte oft an die Tage, als die "Mitte-Links"-Koalition aus Stalinisten und Gewerkschaftsbürokraten als Gespann für Roosevelt gearbeitet hatte.

Nach dem Ableben der Sowjetbürokratie betrachtete Hall neue Möglichkeiten, der AFL-CIO-Führung zu dienen, als neuen Hoffnungsschimmer. John Sweeney, der fünf Jahre zuvor zum Präsidenten des Gewerkschaftsbunds gewählt worden war, wurde von der KP unkritisch bejubelt.

Unter Hall war die KP der USA außerdem bekannt für ihre sklavische Unterwürfigkeit unter die Sowjetbürokratie. Während andere stalinistische Parteien sich verpflichtet fühlten, die sowjetische Regierung zu kritisieren, blieb Hall stur auf seiner Linie. Sowohl bei der Zerschlagung der ungarischen Revolution durch sowjetische Panzer vor 44 Jahren als auch beim Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei 12 Jahre danach verteidigte Hall die Unterdrückungsmaßnahmen Moskaus. Als 1980 in Polen die Solidaritätsbewegung losbrach, griff Hall erneut die Arbeiterklasse an und half dabei, diese ursprünglich weitgehend spontane Rebellion gegen den Stalinismus in die Arme von antikommunistischen Kräften zu treiben, darunter auch die Katholische Kirche.

Ihre eindeutige Klassenorientierung und gesellschaftliche Zielsetzung führte dazu, dass die amerikanische KP eine besonders verachtenswerte Rolle spielte, selbst im Vergleich zu anderen Kommunistischen Parteien. Seit Mitte der 30er Jahre stützte sie sich immer weniger auf die Arbeiterklasse und immer mehr auf eine Schicht des Kleinbürgertums, die beeindruckt war von dem stalinistischen System in der UdSSR. Selbst als die KP großen Einfluss innerhalb der CIO genoss, gründete sich ihre Autorität zum großen Teil auf Bündnisse an der Spitze der Gewerkschaften und nicht auf die einfachen Mitglieder. Das machte es für die CIO-Bürokratie viel einfacher, die Stalinisten in den späten 40er Jahren auszuschließen.

Nach dem Ende der Sowjetunion

Die KP der USA explodierte schließlich nach Jahrzehnten scheinbarer innerer Stabilität, die auf einer überalterten und schwindenden Mitgliedschaft basierte, im Anschluss an die Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991. Eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten, die in manchen Fällen jahrzehntelang Seite an Seite mit Gus Hall gearbeitet hatten - darunter der Historiker Herbert Aptheker, die politische Aktivistin Angela Davis und der Journalist Carl Bloice - verließen die Partei und gründeten eine kleine und im Wesentlichen totgeborene Organisation mit dem Namen "Korrespondenz-Komitees" (The Committees of Correspondence).

Zwischen den beiden Gruppierungen gab es keine grundlegenden Meinungsverschiedenheiten in den Fragen der Unterstützung für die Demokraten und die Gewerkschaftsbürokratie. Beide stützten sich auf und verteidigten die nationalistische Politik des Stalinismus. Als jedoch die Verbindung zu Moskau abbrach, tauchte ein verspätetes Echo der "Euro-Kommunismus"-Tendenz innerhalb der winzigen amerikanischen KP auf.

Der Euro-Kommunismus, der von der italienischen KP und anderen europäischen stalinistischen Parteien ein Vierteljahrhundert zuvor entwickelt worden war, zielte darauf ab, diese Parteien in Richtung der Sozialdemokratie zu bewegen, und sagte sich offen von der Unterstützung für den Marxismus und die ursprünglichen Ziele der russischen Revolution los. Hall wollte sich allerdings nicht an dieser sozialdemokratischen Richtungsänderung beteiligen. Seine Antwort auf Kritiker bestand darin, das isolierte und rückständige Regime in Nordkorea zu rühmen und es als Vorbild für die internationale Arbeiterklasse hinzustellen.

Das Auseinanderbrechen der amerikanischen KP in diese sich bekriegenden, aber gleichermaßen bankrotten und opportunistischen Fraktionen, zeigt sehr deutlich die historische Sackgasse des Stalinismus. Eine Gruppe verschrieb sich genau in dem Moment dem sozialdemokratischen Reformismus, als das Versagen dieser Tendenz so deutlich wie nie zuvor zu Tage trat. Die andere Gruppe, angeführt von Hall, verteidigte wehmütig die stalinistische Variante des nationalen Reformismus - selbst nach dem Zusammenbruch des einst mächtigen sowjetischen Apparats, auf den er sich gegründet hatte.

Das letzte Jahrzehnt brachte weitere peinliche Stunden für Hall, als die finanzielle Unterstützung für die amerikanische Partei aus Moskau in Höhe von Millionen von Dollar enthüllt wurde. Diese Entwicklung griffen rechte Kommentatoren begierig auf, um zu behaupten, die amerikanische KP sei nichts anderes als ein Nest von Spionen.

Was die Antikommunisten angeht, so ist jede internationale Zusammenarbeit zwischen Arbeitern ein Verbrechen. Aber während die Unterstützungsgelder des Kremls für die amerikanische KP nicht beweisen, dass die amerikanische Partei einfach nur der "Agent einer ausländischen Macht" war, so werfen sie doch ein deutliches Licht auf die Korruption des Stalinismus.

In der Anfangszeit der Kommunistischen Internationale, kämpften die KPs rund um die Welt für die Verteidigung des ersten Arbeiterstaats, indem sie den Kampf für den Sozialismus in ihrem eigenen Land führten und so konkret der bedrängten Revolution in Russland halfen. Die finanziellen Abkommen von Gus Hall hatten jedoch nichts damit zu tun, der Arbeiterklasse in der UdSSR zu helfen. Das Geld aus Moskau zeigt, dass die amerikanische KP, nachdem sie jahrzehntelang Unhaltbares verteidigt hatte, für ihre weitere Existenz zu einem nicht geringen Teil von Geld abhängig war, das von dem Regime ausgeteilt wurde, dem sie politisch diente.

Die Reaktion der Medien auf den Tod von Gus Hall ist von einiger Bedeutung. Die New York Times widmete ihm einen fast ganzseitigen Nachruf, wie sie ihn nur den wichtigsten politischen Persönlichkeiten einräumt. Es folgte ein Kommentar zu Halls Tod. Im Unterschied dazu wurde 1974 der Tod von James P. Cannon, dem Begründer des amerikanischen Trotzkismus, einem der Gründer der amerikanischen KP und einer wichtigen Persönlichkeit der amerikanischen Arbeiterbewegung, nur sehr flüchtig erwähnt.

Über Halls politische Laufbahn gab es nicht viel zu sagen, aber die Times befand es als notwendig, die von ihm und seiner Partei geleisteten Dienste zu erwähnen. Der Nachruf war eine Art Anerkennung für die Rolle, die die Kommunistische Partei dabei gespielt hatte, den Aufbau einer wirklichen sozialistischen Führung in der amerikanischen Arbeiterklasse zu verhindern.

In erster Linie schätzen die Sprecher und Ideologen des Kapitalismus, dass Hall zur Aufrechterhaltung der Lüge beigetragen hat, Stalinismus sei dasselbe wie Sozialismus. Darauf stützen sie ihre Behauptung, mit dem Zusammenbruch des Stalinismus sei der Sozialismus gescheitert. Diese Überlegungen fanden ihren Niederschlag im Titel des Times -Kommentars: "Amerikas Bolschewik".

In Wirklichkeit hatte Hall viele Jahrzehnte, bevor er starb, jegliche Beziehung zum Bolschewismus und Marxismus verloren. Ein Artikel, den James P. Cannon vor fast 50 Jahren geschrieben hat, fasste Halls Rolle sehr zutreffend zusammen. Cannon bezeichnete den Stalinismus als "das in der Geschichte herausragendste Beispiel einer Arbeiterbürokratie, die monströse Ausmaße angenommen hat", und erklärte ihn "zum am meisten missverstandenen Phänomen unserer Zeit". Er schrieb: "Am absurdesten ist die weitverbreitete Ansicht, dass diese Vertreter der Reaktion und Meuchler von Revolutionen insgeheim im Weltmaßstab die Revolution planen."

"Der proletarische Revolutionär ist eine Sache und der stalinistische Funktionär eine ganz andere", erklärte Cannon, indem er Hall und seine Genossen beschrieb. "Sie unterscheiden sich nicht nur in ihren Zielen und Absichten. Es gibt einen tiefgreifenden Unterschied in ihrer Gesinnung und ihrer Art, diese Gesinnung auszudrücken. Der Revolutionär ist ein Demokrat, der den Widerstand gegen die gegenwärtige Macht organisiert und dafür kämpft, eine neue Macht des Volks zu schaffen. Der Funktionär ist ein reiner Bürokrat, der immer und überall einer vorhandenen Macht dient. Der Revolutionär vertraut den Massen, weil sie diejenigen sind, die die Revolution machen. Der Bürokrat fürchtet sie aus denselben Gründen. Der Bürokrat gibt Befehle wie ein Polizist. Der Revolutionär versucht Dinge zu erklären wie ein Lehrer. Der Bürokrat belügt die Menschen. Der Revolutionär glaubt, dass die Wahrheit die Menschen frei machen wird, und sagt deshalb die Wahrheit." (2)

Gus Hall begann sein politisches Leben, als die Oktoberrevolution von 1917 noch ganz frisch war und viele Millionen von Arbeitern sie als Fanal für die Zukunft ansahen. Als seine Karriere 70 Jahre später endete, wurde er zum Symbol für alles, was der Stalinismus getan hatte, um die Sache des Sozialismus herabzuwürdigen. Neue Generationen von Arbeitern und jungen Manschen werden aus Halls Leben lernen, indem sie die Unterwerfung unter die Bürokratie und die "herrschende Macht", die er vertrat, zurückweisen.

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1) Deutsch in Die Dritte Internationale nach Lenin, Arbeiterpresse Verlag, Essen 1993

2) James P. Cannon The Revolutionist and the Bureaucrat", zunächst erschienen in der Zeitung Militant vom 20. August 1954; abgedruckt in Notebook of an Agitator,Pathfinder, S. 238-41