Buchbesprechung

Wie IBM den Nazis half

Edwin Black, IBM und der Holocaust, Propyläen Verlag, Berlin, ISBN 3549071302

Von Peter Reydt
18. Juli 2001

(Die angeführten Zitate sind aus der englischsprachigen Originalausgabe übernommen und übersetzt worden)

"IBM und der Holocaust" behandelt die Verstrickung dieses bedeutenden amerikanischen Unternehmens in die Errichtung von Hitlers Drittem Reichs und die Vernichtung der europäischen Juden.

Der Autor Edwin Black zeigt, wie eine in Amerika von Herman Hollerith entwickelte Technologie - das Lochkarten- und Lochkartensortiersystem - die Nazis in die Lage versetzte, ihre Kriegsmaschine zu organisieren und den effizient und systematisch organisierten Genozid an den Juden durchzuführen. Zu den Zeiten der Nazi-Diktatur hatte IBM ein nahezu weltweites Monopol über diese Technologie und die Produktion der dazu gehörenden Bestandteile - der Lochkarten.

Edwin Black ist mit dem Thema Holocaust vertraut. Seine Eltern waren beide Juden europäischer Abstammung und Überlebende des Holocaust. Black stieß zum ersten Mal im Holocaust Museum in Washington auf die Lochkarten-Technologie, wo er eine ausgestellte Hollerith-Kartensortiermaschine sah. Er erklärt, dass seitdem Fragen an ihm nagten: Welche Rolle spielte diese Maschine für die Nazis? Was war die Rolle von IBM? Diese Fragen wurden zum Ausgangspunkt seiner Untersuchung. Im Jahr 1998 begann er diese Fragen energischer zu verfolgen und gewann ein Team von Forschern, Praktikanten, Übersetzern und Assistenten, dass auf über 100 Personen anwuchs.

In seiner Einleitung erklärt Black: "Glücklicherweise hatte ich durch die Arbeit an meinem früheren Buch, The Transfer Agreement (welches das geheime Vorkriegs-Abkommen zwischen dem Zionismus und den Nazis behandelt, das einer begrenzten Anzahl von Juden die Ausreise aus Deutschland nach Palästina ermöglichte) bereits ein Grundlagenwissen über die Ökonomie und den Außenhandel des Dritten Reichs, wie auch ein Hintergrundwissen über die Computerindustrie und jahrelange Erfahrung als Enthüllungsjournalist, spezialisiert auf Verfehlungen von Unternehmen. Ich näherte mich dem Projekt als einer typischen, wenn nicht außergewöhnlichen Untersuchung über Unternehmensführung, mit einem dramatischen Unterschied: die Entscheidungen hatten enormen Einfluss auf das Leben und Sterben von Millionen." (S. 15)

Black erklärt, dass IBM in letzter Konsequenz den Nazis dabei half, ihre Politik des Genozid durchzuführen. Ohne diese Hilfe wäre das Hitler-Regime nicht in der Lage gewesen, die Ausrottungspläne mit einer solchen Effizienz auszuführen. IBM-Maschinen wurden auf allen Ebenen der Verfolgung der Juden benutzt. Mit ihnen wurden alle Informationen zur Identifizierung der Opfer der Nazis gesammelt, zuerst um die Juden in akademischen Berufen, Verwaltungs- und Regierungspositionen zu entfernen und später um die Massenvertreibungen aus ihren Wohnungen in die Ghettos vorzunehmen.

IBM-Technologie wurde zur Organisation der Eisenbahnen eingesetzt, so dass Millionen Nazi-Opfer in die Konzentrationslager transportiert werden konnten, wo sie direkt in den Gaskammern landeten. Es gab Hollerith-Abteilungen in fast jedem Konzentrationslager, sie dienten der Registrierung der Ankommenden, der Zuteilung von Sklavenarbeit und der Buchführung über die gestorbenen Gefangenen.

IBM war praktisch in jeden Aspekt der Operationen des Dritten Reich involviert. Das Buch zeigt, dass das Unternehmen mehr als 2000 Multi-Maschinen-Sets in ganz Deutschland vermietete, wartete und modernisierte, sowie weitere Tausende in den von den Nazis besetzten Gebieten. IBM entwickelte auf die Wünsche der Nazis zugeschnittene Lochkarten, die von diesen benutzt und in einer Stückzahl von jährlich 1,5 Milliarden Exemplaren in Deutschland hergestellt wurden.

Von Hollerith zu IBM

Die Lochkarten-Technologie wurde als erstes von Hollerith entwickelt, einem Deutsch-Amerikaner, der in Washington lebte. Sie wurde eingesetzt, um es der US-amerikanischen Zensusbehörde zu ermöglichen, die Volkszählung von 1890 durchzuführen. Jahrzehnte vor der Entwicklung der Computer ermöglichte die Hollerith-Technologie die schnellste statistische Erfassung der amerikanischen Bevölkerung aller Zeiten. Vermittelt durch eine Reihe von gestanzten Löchern, erfasste jede Karte das Geschlecht, die Religion, die Nationalität und den Besitz eines Individuums. Durch den wiederholten Durchlauf durch Sortier- und Zählmaschinen "konnten [die Karten] ein Bild der gesamten Bevölkerung entwickeln oder einzelne Gruppen innerhalb dieser Bevölkerung herausgreifen." (S. 25) Nach einigen Jahren wurden Holleriths Maschinen in der ganzen Welt benutzt, um Volkszählungen durchzuführen. Die Technologie entwickelte sich außerdem in ein frühes Rechnersystem, welches von einigen der größten Unternehmen für die Kalkulation genutzt wurde.

Hollerith etablierte ein nahezu weltweites Monopol und vermietete die Maschinen eher, als dass er sie verkaufte. 1911 verkaufte er seine Firma und sie wurde in die Computing-Tabulating-Recording Company (CTR) eingegliedert. Unter der Leitung des ehemaligen Nähmaschinenverkäufers Thomas Watson wurde CTR in die International Business Machine Corporation (IBM) umgewandelt. Watson, ein ruheloser Geschäftsmann, etablierte eine patriarchalische Hierarchie innerhalb des Unternehmens. Watson sprach von der "IBM-Familie", die nicht nur die Arbeiter umfasste, sondern ebenso ihre Ehefrauen und Kinder, die auch im "Geist IBMs" geschult und gut versorgt in sein Imperium integriert werden sollten.

Im Jahr 1922, als die Hyperinflation in Deutschland zum Zusammenbruch der Währung führte, übernahm Watson die Dehomag (Deutsche Hollerith Maschinen Gesellschaft), die die Lochkarten-Technologie unter Linzenz nutzte. Diese deutsche Tochtergesellschaft sollte später eine entscheidende Rolle in der Geschäftsallianz zwischen IBM und dem Dritten Reich spielen. Im Jahr 1933, als Hitler die Macht übernahm, hatte Watson das einst kränkelnde deutsche Unternehmen in IBMs Flagschiff verwandelt - mit einer Produktion, die um das Dreifache über der Quote lag.

Doch es bot sich die Möglichkeit zu weiterer Steigerung. "Nazi-Deutschland bot Watson die Gelegenheit, die Regierung mit Kontrolle, Beaufsichtigung, Überwachung und Regelung auf einem in der Menschheitsgeschichte nie gekannten Niveau zu versorgen. Die Tatsache, dass Hitler plante, sein Reich auf andere Nationen auszuweiten, vergrößerte nur die zu erwartenden Profite. In der Wirtschaftsterminologie nennt man dies Umsatzwachstum. Die Technologie wurde fast ausschließlich von IBM geliefert, denn das Unternehmen kontrollierte rund 90 Prozent des Weltmarktes für Lochkarten und Sortiermaschinen." (S. 46)

Black stellt klar heraus, dass Watson kein Faschist war, sondern ein ruheloser Profitmacher. Der starke deutsche Staat unter einem autoritären Führer bot ein großer Potential zum Geldmachen, und damit identifizierte sich Watson. Tatsächlich war Watson als Vorsitzender von IBM, einer der prestigeträchtigsten Gesellschaften der USA, ein hoch geachteter Geschäftsmann, Unterstützer Roosevelts und spezieller Berater des Präsidenten. Watson wurde zum Vorsitzenden der Außenabteilung gewählt, was ihn auch zum Vorsitzenden der amerikanischen Sektion der Internationalen Handelskammer (International Chamber of Commerce) machte. Dadurch wurde Watson für den Rest der Welt zum offiziellen amerikanischen Wirtschaftsführer. 1937 stieg er zum Präsidenten der ICC auf und veranstaltete die nächste Konferenz der Organisation in Berlin.

IBM und das Dritte Reich

Von Beginn an entwickelte IBM ökonomische Komplettpakete für das Dritte Reich. Im April 1933 begann das Hitler-Regime eine Volkszählung aller Deutschen, die auch die Identifizierung aller Juden zum Ziel hatte. Der erste Schritt bestand in der Registrierung der Daten der Einwohner des größten deutschen Staates Preußen, mit der Dehomag beauftragt wurde. Die Vorgehensweise, die bei dieser Volkszählung entwickelt wurde, ist ein Beispiel dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen Dehomag und den Nazis auf dem Gebiet der Datenerfassung und Auswertung funktionierte.

Um die spezifischen Anforderungen der deutschen Pläne auf dem Gebiet statistischer Erhebungen bedienen zu können, war die engste Zusammenarbeit zwischen Dehomag-Technikern und Nazi-Autoritäten notwendig. Jedes Projekt erforderte spezielle, kundenorientierte Anwendungen.

Zuerst wurde Dehomag genaustens über die speziellen Aufgaben, die gelöst werden sollten, informiert. Danach wurden Modelle der Lochkarten erstellt, auf denen mit Bleistift die Spalten und Löcher markiert wurden, die die gewünschten Informationen speichern sollten. Die Produktion der Lochkarten begann erst, wenn sowohl Dehomag als auch die deutschen Stellen mit dem Resultat zufrieden waren. Das Unternehmen begann dann mit der Herstellung und dem Verkauf der Lochkarten, die oftmals bereits mit dem Projektnamen bedruckt waren. Wurde ein Projekt gestartet, begann das Unternehmen mit der Ausbildung des Personals, das die Arbeiten durchführen sollte.

Die Ausweitung der Unternehmungen stellte die Dehomag vor die Notwendigkeit kontinuierlicher technologischer Innovationen und Entwicklungen. Weit davon entfernt, bei der deutschen Tochtergesellschaft mit dem Ziel zu intervenieren, die Unterstützung des nationalsozialistischen Verfolgungswahns zu beenden, überwachte IBM von New York aus sorgsam den gesamten Prozess und stellte sicher, dass alle notwendigen technischen Vorraussetzungen geboten wurden. Techniker der Dehomag wurden regelmäßig zur Weiterbildung in die USA gesandt.

Während IBM in den USA berühmt war, war nur wenig über die Aktivitäten des Unternehmens in Deutschland bekannt. Die interne Struktur der Dehomag war in einer Art und Weise organisiert, dass, soweit es die Nazis betraf, das Unternehmen als deutsch erschien, während die Gesamtkontrolle bei IBM lag. Das bedeutete auch, dass das Mutterunternehmen die amerikanischen Handelbeschränkungen umgehen konnte, als der Krieg ausbrach.

Nicht nur, dass Watson die Profitmöglichkeiten, die ihm Nazideutschland bot, voll ausschöpfte, er wurde außerdem ein politischer Fürsprecher des Deutschen Reichs. Black zeigt, dass Watson glaubte, die Welt solle "den Deutschen und ihren Zielen unter der Führung Adolf Hitlers ein mitfühlendes Verständnis" entgegen bringen. (S. 43)

Für seine Haltung wurde Watson mit dem speziell kreierten Verdienstorden des deutschen Adlers mit Stern ausgezeichnet, der "Angehörige ausländischer Nationen, die sich um das Deutsche Reich verdient gemacht haben," würdigte - das Prestige dieses Ordens stand unmittelbar hinter Hitlers Großkreuz. Erst als der Krieg begann, musste Watson den Orden zurückgeben.

Im Jahr 1937 verordnete das Nazi-Regime eine weitere nationale Volkszählung. Diese war maßgebend für Hitlers Kriegsvorbereitungen und "für die Juden bedeutete es den letzten und endgültigen Schritt der Identifizierung". (S. 139) In Übereinstimmung mit den Nürnberger Rassengesetzen zielte es auf die Aufspürung jeglicher jüdischer Abstammung. IBM lieferte 70 Kartensortierer, 60 Tabulatoren, 76 Multiplikatoren und 90 Millionen Lochkarten im Rahmen eines mit 3,5 Millionen Reichsmark dotierten Vertrags (im heutigen Gegenwert von 14 Millionen Dollar).

Im Zuge der geplanten Annexion Österreichs im Jahr 1938 arbeitete die Wiener Tochtergesellschaft IBMs unter der Aufsicht Adolf Eichmanns an der Sammlung umfassender demographischer Informationen über das Land auf Lochkarten. Dies bedeutete, dass das Hitler-Regime exakt über die österreichischen Juden informiert war, die dem zwangsweisen Vertreibungsprogramm unterworfen werden sollten.

Als deutsche Truppen am 15. März 1939 in der Tschechoslowakei einmarschierten, war IBM bereits dort und an der Leitung strategischer Unternehmen, wie der staatlichen Eisenabahnen beteiligt, deren System von den Nazis dann ohne Probleme übernommen werden konnte.

Nach einigen Aufschüben fand die 1937 angeordnete nationale Volkszählung schließlich im Mai 1939 statt. Ungefähr 750.000 Zähler waren beteiligt, die alle 22 Millionen Haushalte des Großdeutschen Reichs erfassten - 80 Millionen Einwohner in Deutschland, Österreich, dem Sudentenland und dem Saarland.

Dies stellte Dehomags größte Unternehmung dar. Sie umfasste auch eine sogenannte "Ergänzungskarte", um die rassische Abstammung jedes Haushalts zu erfassen. Somit wurde die Identifizierung von insgesamt 330.530 sogenannten "Rassenjuden" im Großdeutschen Reich möglich. Diese wurde dann nach Geschlecht unterteilt und weiter zwischen "Volljuden" und anderen Graden jüdischer Abstammung aufgeteilt. Von allen so erfassten Personen wurde auch die Adresse gespeichert.

Dieses Modell wurde wieder und wieder angewandt. In praktisch jedem von den Nazis besetzten Land, sammelten IBM-Tochterunternehmen - die dort normalerweise bereits vorher ihren Geschäften nachgegangen waren - nationale und rassische statistische Informationen für die Nazis, die dann zur Identifizierung von Juden und anderen Unerwünschten benutzt werden konnten.

Dehomag war sogar bereits im Vorfeld über Hitlers Kriegsvorbereitungen informiert, da man mit der Frage an die Gesellschaft herangetreten war, wie ihre Funktion im Falle eines Angriffs aufrecht erhalten werden könne. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 schnellten die Profite von IBM als Ergebnis der deutschen Aktivitäten in Polen und dem Osten in die Höhe.

Ob in der Tschechoslowakei, in Polen, Ungarn, Rumänien, Skandinavien, Schweden, Belgien, den Niederlanden oder in Frankreich, überall stützte sich die Kriegsmaschine der Nazis auf die IBM-Technologie. Diese half bei der Organisation der Verteilung von militärischem Material und Personal ebenso effizient, wie bei der Identifizierung der Juden, und erleichterte deren Deportation in die Todeslager per Zug. Obwohl es wahr ist, dass auch ohne die Hilfe von IBM der Hitler-Faschismus seine Politik des Genozids ausgeführt hätte, ist es ebenso wahr, dass die Nazis ohne diese Unterstützung nicht mit solch unbarmherziger Effizienz hätten vorgehen können.

Ernte nach dem Krieg

Mit erstaunlicher Leichtigkeit war IBM nach dem Krieg in der Lage, sein Vermögen, seine Maschinen und Profite aus Deutschland wieder zu bekommen. Ende 1946 wurde Dehomag mit einem Gegenwert von über 56,6 Millionen Reichsmark (heute: 230 Millionen Dollar) veranschlagt und einem Gewinn von 7,5 Millionen Reichsmark (heute: 30 Millionen Dollar). Dehomags Maschinen wurden gerettet, die Profite gesichert und der Unternehmenswert bewahrt.

Drei Gründe waren dafür ausschlaggebend. Erstens hatten die Nazis die Interessen von Dehomag im Rahmen ihrer Politik der Obhut über Feindbesitz gut behütet. Dies bedeutete, dass das Wirtschaftsministerium des Dritten Reichs einen Verwalter bestimmte, der ausländische Unternehmen führte und deren Produktivität und Ergiebigkeit aufrecht erhielt. Seit dem Verbot des Geldexports verblieben Dehomags Profite auf den Bankkonten des Unternehmens, wo sie für die Dauer des Krieges eingefroren wurden und nach Kriegsende problemlos eingesammelt werden konnten.

Zweitens wurde die Technologie Holleriths auch weiter von den Nazis genutzt, als deren militärische Erfolge sich in Niederlagen wandelten. Weil die Lochkarten die Gräueltaten der Nazis unwiderleglich beweisen konnten, wurden sie vernichtet, als die Alliierten vorrückten und deutsche Stellungen in den besetzten Gebieten eroberten. Doch die Maschinen wurden außerhalb der Reichweite der vorrückenden Armeen transportiert.

Drittens hatten auch die alliierten Mächte ein Interesse an der Bewahrung der Funktionstüchtigkeit der Maschinen. Bereits im Dezember 1943 entschied die amerikanische Regierung, dass es von strategischem Interesse sei, sich Hitlers Hollerith-Maschinen zu sichern, weil sie den Schlüssel für eine reibungslose militärische Besetzung Deutschlands darstellten. Letzten Endes benutzten alle alliierten Mächte die Dehomag, um wirtschaftliche Erhebungen auszuführen, Industrie-Statistiken zu sammeln und Volkszählungen durchzuführen.

"Dehomag überstand die Hitler-Jahre mit nur geringem Schaden und war praktisch in der Lage, die Geschäfte wieder aufzunehmen, als sei nichts gewesen. Nach dem Ende des Krieges gelang es IBM New York seine problematische, aber wertvolle Tochtergesellschaft wieder in Besitz zu nehmen, ihre Maschinen zurückzuerlangen und sich ihre Gewinne einzuverleiben." (S. 398) Im Jahr 1949 wurde der Name der Gesellschaft von Dehomag in IBM-Deutschland umgewandelt.

Während Black von vielen Stellen Hilfe bekam, gab ihm IBM auf seine Anfrage nach Interviews eine Abfuhr und verweigerte ihm den Zugang zu den Dokumenten des Unternehmens. Laut Edwin Black hat sich IBM seit dem Zweiten Weltkrieg geweigert, jegliche Untersuchung über die Verbindung des Unternehmens mit dem Nazi-Regime zu unterstützen. Black bekam über ein akademisches Archiv trotzdem Zugang zu Hunderten von IBM-Dokumenten.

IBM hat versucht Blacks Darstellung mit der Andeutung zurückzuweisen, sie seien eine Art Negativpropaganda und ihre Veröffentlichung sei Teil einer "koordinierten Kampagne" von Holocaust-Überlebenden. Die Veröffentlichung von "IBM und der Holocaust" fiel mit einer Sammelklage zusammen, die im Februar dieses Jahres in New York eingereicht wurde. Das Unternehmen wird darin der Beteiligung am Holocaust beschuldigt und aufgefordert, seine Archive zu öffnen und Entschädigung zu zahlen. IBM weist allerdings weiterhin jede Verantwortung zurück und nimmt für sich in Anspruch, dass seine deutsche Tochtergesellschaft vor dem Krieg von den Nazis übernommen worden sei.

Black weist diese Behauptungen zurück und weist außerdem nach, dass IBM die administrative Kontrolle über Dehomag nicht vor 1942 verlor. "Wir folgten den Männern in den Lagern, wir folgten den deutschen Unternehmen. Die Grenze der Verantwortlichkeit für den Holocaust erstreckt sich bis in die Vereinigten Staaten", sagt Black.

Ich kann die Lektüre des Buches wärmstens empfehlen. Nicht weil es neue Einsichten in die politischen Ursachen für den Aufstieg des Faschismus in Deutschland böte. Black macht weder den Versuch einer solchen Beurteilung, noch versucht er, die Beziehungen IBMs mit dem Dritten Reich dem skrupellosen Charakter Watsons als Individuum zuzuschreiben.

Blacks Untersuchungen über die Verstrickung eines so bedeutenden Unternehmens ist für das Verständnis hilfreich, wie es den Nazis möglich war, den Genozid an den Juden in die Tat umzusetzen. Indem er dies leistet, wirft er ein Schlaglicht auf die Rolle des internationalen Kapitals in einem der größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts.