BBC World News-Redakteur:

Berichte über Hula-Massaker basieren auf Propaganda der Opposition

Von Chris Marsden
20. Juni 2012

So leise wie möglich hat BBC World News Redakteur Jon Williams eingeräumt, dass die weltweite Medien-Berichterstattung über das Hula-Massaker letzten Monat in Syrien eine Ansammlung von Lügen war. Auch sein eigener Arbeitgeber war keine Ausnahme.

Am 7. Juni, 16:23 Uhr publizierte Williams ein persönliches Blog mit mehreren ziemlich offenen Aussagen. Wie er schrieb, gibt es keinerlei Indizien dafür, dass die syrische Armee oder Alawitische Milizen die Schuld an dem Massaker vom 25. Mai tragen, dem hundert Menschen zum Opfer gefallen sind.

Williams schließt daraus, dass solche Anschuldigungen das Produkt der Propaganda-Abteilung der sunnitischen Aufständischen sind, die Bashar al-Assad stürzen wollen.

Er schickte beschönigende Entschuldigungen voraus und wies auf die "Komplexität der Situation vor Ort in Syrien“ hin. Man müsse versuchen, „Fakten von Fiktion zu trennen". In Syrien würden leider seit langem „Gerüchte als Fakten dargestellt". Dann schreibt er:

"Nach dem Massaker von Hula letzten Monat hieß es in den anfänglichen Berichten, dass bei einigen der 49 getöteten Kinder und 34 getöteten Frauen die Kehle durchgeschnitten sei. In Damaskus erzählten mir westliche Beamte, dass die anschließende Untersuchung ergab, dass niemand unter den Toten in solch brutaler Weise getötet worden sei. Obwohl die syrischen Truppen das Gebiet kurz vor dem Massaker beschossen hätten, sei außerdem unklar, wer genau, wie und warum die Übergriffe ausgeführt habe."

Aus diesem Grund, schließt er recht zögerlich: "ist es unter solchen Umständen wichtiger denn je, dass wir auch sagen, was wir nicht wissen." In Hula, wie auch aktuell in Al-Kubeir, „zeigen wir mit dem Finger auf die regierungstreuen Schabiha-Milizen“, fährt Williams fort. Aber außer den dramatischen Todesfällen gebe es nur wenige Fakten: „Es ist nicht klar, wer die Morde befohlen hat – oder weshalb."

Doch weder die BBC, noch die übrigen Medien, praktizieren zurzeit eine solche, zurückhaltende Berichterstattung. Stattdessen stellt sich die BBC als Resonanzboden für jegliche vorgetäuschte Empörung aus London, Washington und dem UNO-Hauptsitz zur Verfügung. Sie alle weisen die Schuld für die Gräueltat entweder der syrischen Armee oder der unter ihrem Schutz agierenden Schabiha-Milizen zu.

Typisch war ein Bericht vom 28. Mai: "Hula-Massaker in Syrien: Überlebende erzählen Horrorgeschichten". Darin berichten nicht-identifizierte "Überlebende des Massakers (…) von ihrem Schock und ihrer Angst, als Sicherheitskräfte des Regimes in ihre Häuser eindrangen und ihre Familien töteten". An keiner Stelle wirft jemand auch nur die Frage auf, ob in einem solchen Konflikt diese angeblichen Zeugen vielleicht mit der Opposition verbündet sein und in deren Auftrag agieren könnten.

Heute erst berichtet Williams: "Angesichts der Schwierigkeiten der Berichterstattung in Syrien könnte ein von der Opposition auf Twitter, Facebook und YouTube veröffentlichtes Video einen Einblick in die Situation vor Ort verschaffen. Aber Geschichten sind nie schwarz und weiß, oft bestehen sie aus Grautönen. Die Gegner von Präsident Assad haben eine Agenda. Ein hochrangiger westlicher Beamter ging so weit, ihre YouTube-Kommunikations-Strategie als ‚brillant‘ zu bezeichnen. Aber er verglich sie auch mit so genannter ‚Psychologischer Kriegsführung‘ und der Gehirnwäsche-Technik, die vom US-Militär und anderen Armeen benutzt wird, um Menschen von Dingen zu überzeugen, die nicht unbedingt wahr sind."

Williams weiß, wovon er spricht.

Am 27. Mai brachte die BBC einen Bericht über Hula mit einem Foto, dessen Legende lautete: "Kinderleichen in Hula, die auf ein Begräbnis warten".

In Wirklichkeit war diese Propaganda der Opposition alles andere als "genial". Das Foto mit Dutzenden eingehüllten Leichen wurde tatsächlich von Marco di Lauro am 27. März 2003 im Irak aufgenommen. Es zeigt weiße Leichensäcke mit Skeletten, die in der Wüste südlich von Bagdad gefunden wurden.

Di Lauro kommentierte: "Mich erstaunt wirklich, dass eine Nachrichtenagentur wie die BBC die Quellen nicht überprüft und bereit ist, jedes von irgendjemandem geschickte Bild zu veröffentlichen: Aktivisten, Bürgerjournalisten oder wer auch immer (...). Es ist natürlich Absicht, wenn jemand das Bild von jemand ganz anderem für seine Propaganda nutzt."

Die BBC wiederum stellt sich als Vehikel für solche Propaganda zur Verfügung, obwohl sie genau weiß, dass das Foto von einem "Aktivisten" stammt und das Bild nicht unabhängig überprüft werden konnte.

Williams schließt seinen Blog mit einem Rat an seine Kollegen: "Eine gesunde Skepsis gehört für einen Journalisten zu den wesentlichen Eigenschaften. Umso mehr, wenn es sich um die Berichterstattung in einem offenen Konflikt handelt. Der Einsatz ist hoch, und vielleicht ist nicht alles so, wie es scheint."

Im Fall der BBC muss die Empfehlung einer Portion gesunder Skepsis an die Leser und Zuschauer gerichtet werden. Dies gilt für den Umgang mit dem gesamten Presse-und-Medien-Apparat.

Es kann durchaus sein, dass Williams Schuldeingeständnis dadurch motiviert ist, dass er persönlich die Rolle bedauert, in die er und seine Kollegen gedrängt werden. Sie sollen als Sprachrohr für eine Kampagne fungieren, die in Syrien einen Regimewechsel anstrebt. Seine Kommentare beschränken sich auf seinen persönlichen Blog, während bei BBC alles weiterläuft wie gehabt.

Die BBC-Berichterstattung über das angebliche Massaker vom 6. Juni in dem Dorf Al-Kubeir beinhaltet wieder die unkritische Verbreitung der Vorwürfe der Opposition, dies sei das Werk der Schabiha-Milizen, die unter dem Schutz der syrischen Truppen mordeten. BBC-Korrespondent Paul Danahar, der UN-Beobachter begleitet, schreibt von zerstörten und verbrannten Gebäuden und erklärt, es sei "unklar", wie es zu Dutzenden von Opfern gekommen sei. Er schreibt von einem "durch Feuer zerstörten" Haus, schildert Blut, Fleischklumpen und den "Geruch nach verbranntem Fleisch". Er schreibt: "Das Abschlachten von Menschen hat den Blutdurst der Angreifer nicht gestillt. Sie erschossen die Tiere ebenfalls."

Daneben steht ein Bild eines toten Esels, aber abgesehen davon weist absolut nichts von Substanz darauf hin, was wirklich im Dorf passiert ist.

Über Twitter verbreitet Danahar: "Ein Mann namens Ahmed kam aus dem Dorf; er sagte, er habe die Morde beobachtet. Dutzende seien getötet worden. (...) Sein Gesicht ist übel zugerichtet, aber seine Geschichte ist widersprüchlich, und die UN sagt, sie seien sich nicht sicher, ob er ehrlich sei. Sie vermuten, dass er dem Konvoi folgt". (Hervorhebung hinzugefügt).

Dennoch schließt Danahar aus angeblichen Spuren militärischer Fahrzeuge, es habe "vorsätzliche und klare Versuche, die Details der Gräueltat zu vertuschen“ gegeben. So viel zur gesunden Skepsis!

Bezeichnenderweise hat BBC bisher noch kein Wort über den Bericht vom 7. Juni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verloren, worin steht, dass die Freie Syrische Armee das Hula-Massaker verübt habe. Der Zeitung zufolge geht dies aus Anwohnern-Interviews von oppositionellen Kräften hervor, welche die vom Westen unterstützte Miliz ablehnen.

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