USA setzen ehemalige Kindersoldaten als Söldner ein

Von Sybille Fuchs
31. Oktober 2012

Die USA setzen in wachsendem Maße private Sicherheitskräfte ein, um ihre Kriege zu führen und besetzte Länder nach dem Abzug regulärer Truppen zu sichern. So sind in Irak und Afghanistan mittlerweile mehrere Tausend solcher Söldner und Dutzende privater Sicherheitsfirmen im Einsatz.

Wie skrupellos und zynisch die amerikanischen Behörden dabei vorgehen, macht ein Bericht über afrikanische Söldner in der US-Armee deutlich, den die Sendung „Weltspiegel“ der ARD vergangene Woche ausstrahlte. Er zeigt, wie ehemalige Kindersoldaten aus Uganda für wenig Geld als Söldner geworben werden und im Irak und anderen Kriegsgebieten ihr Leben riskieren.

Die Journalisten Marcel Kolvenbach und Daniel Satra haben das Schicksal junger Männer aus Uganda recherchiert, die bei privaten ugandischen Sicherheitsfirmen angeheuert haben. Diese vermitteln sie weiter an US-Firmen, die im Auftrag der US-Armee die Sicherheit ihrer Lager im Irak und anderen Gebieten der Welt garantieren sollen, in denen die USA Krieg führen.

Die jungen Männern, die sich so verdingen, haben vielfach als Kinder in der christlich-fundamentalistischen Rebellengruppe von Joseph Kony gegen die ugandische Regierung von Präsident Museveni gekämpft und dabei schreckliche Massaker erlebt und begangen.

Noch im März dieses Jahres hatte das dreißigminütige Video „Kony 2012“ in den USA großes Aufsehen erregt. Es prangerte das Leid ugandischer Kinder an, die von Kony als Soldaten eingesetzt wurden. Wie die WSWS damals warnte, war diese auch von Präsident Obama unterstützte Kampagne „ein zynischer Versuch, die öffentliche Meinung im Interesse einer amerikanischen Intervention zu manipulieren“. (Siehe: „Kony 2012: Stimmungsmache für ‚humanitäre‘ US-Intervention in Afrika“)

Nun werden die in Konys Truppe traumatisierten Kindersoldaten von den USA als billiges Kanonenfutter im Irak benutzt. Die ugandischen Sicherheitsfirmen und ihre amerikanischen Partner machen sich dabei ihre Not und ausweglose Lage zunutze.

Die ugandische Journalistin Rosario Achola berichtet: „Die meisten dieser ehemaligen Kindersoldaten wissen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen, wenn der Krieg vorbei ist. Sie finden keine Arbeit und stürzen ab. Darum ist der Job als Sicherheitsmann im Irak oder Afghanistan praktisch die einzige Wahl, die sie haben.“

„Es ist schon eine Ironie, dass ausgerechnet die Nation, die sich am meisten über Kony und die Kindersoldaten empört, jetzt diese ehemaligen Kindersoldaten ausbeutet, um sie für sich kämpfen und von ihnen beschützen zu lassen, in einem Krieg, der nichts mit Uganda zu tun hat“, meint Rosario Achola.

Die jungen Männer, die außer Töten nichts gelernt haben, riskieren für wenige Dollar ihr Leben, indem sie sich bei den überall im Land agierenden einheimischen Firmen verdingen. Ihnen wird versichert, es handle sich um einen gefahrloser Job. Aber vor Ort erleben sie Anderes. Viele der Zurückgekehrten berichten von Toten oder Verletzten. Viele sind selbst verletzt.

Für den „Weltspiegel“ interviewte Rosario Achola den Söldner Ssali Twaha, dem versichert worden war, er werde im Irak gefahrlos in der Grünen Zone arbeiten. Doch dann traf ein Querschläger das Lager. Er erinnert sich: „Plötzlich hörte ich meinen Kameraden oben schwer atmen und Blut tropfte auf mich runter – durch die Matratze. Es war stockdunkel, ich dachte, er hat ins Bett gemacht. Ich wollte ihn aufwecken. Doch als ich in berührte, war alles voller Blut, und Schaum kam aus seinem Mund.“

Eine US-Rechtsanwältin berichtet im „Weltspiegel“-Beitrag über den Fall eines schwer verletzten Uganders, der in seine Heimat abgeschoben und dort einfach seinem Schicksal überlassen wurde, obwohl er halbseitig gelähmt war. „Als ich ihn traf, bekam er von der Versicherung weder Invalidenrente noch medizinische Versorgung. Er siechte nur so dahin.“ Sie brachte den Fall vor Gericht. Daraufhin meldeten sich weitere 60 Opfer, denen es ebenso erging.

Die Versicherungskonzerne, die von der US-Regierung große Summen erhalten, um Verletzte solcher Unternehmen abzusichern, weigerten sich zu zahlen. „Drei unserer Klienten erhielten Morddrohungen – in Uganda und Irak. Es gab Anrufe wie: ‚Wenn du deine Klage nicht fallen lässt, dann legen wir dich um.‘ Einem anderen Verletzten sagte der Arbeitgeber: ‚Wenn du das meldest, kommst du im Leichensack nach Hause‘,“ berichtet die Anwältin.

Eine Sicherheitsfirma, die der US-Armee Söldner für monatlich 1.000 Dollar pro Mann geliefert hatte, wurde durch eine andere unterboten, die nur 400 Dollar verlangte. Daraufhin mussten die Söldner der ersten Firma zurück in ihr Heimatland.

Auch der ehemalige Kindersoldat Moses Dibya musste nach einer Erkrankung den Irak verlassen und zurück nach Uganda. Er wurde ohne jede Entschädigung oder Abfindung entlassen. Im Interview mit Achola erklärt er: „Die Leute hier schlagen sich um einen Job im Irak, weil sie die Chance sehen, dort für ein paar Dollar mehr zu arbeiten. Am Ende ist es fast eine Art moderne Sklaverei.“

Weder vom US-Verteidigungs- noch vom Außenministerium war eine Stellungnahme zu dieser Praxis zu erhalten. Die ugandischen Sicherheits-Subunternehmen dürfen sich nicht an die US-Behörden wenden. „Es gilt eine Subunternehmer-Vereinbarung. Wenn die US-Firma herausfindet, dass ugandische Firmen Kontakt zum US-Verteidigungs- oder Außenministerium aufnehmen, dann wird der Vertrag fristlos gekündigt“, erzählt ein Mitarbeiter einer ugandischen Sicherheitsfirma. Viele fürchten jetzt um ihre Aufträge, da die US-Firmen offenbar zunehmend auch in Pakistan für diese Jobs rekrutieren

Für die US-Sicherheitsfirmen ist das Ganze ein Milliardengeschäft. Sie erhalten hohe Gewinnmargen für ihre Militärdienstleistungen. Die US-Regierung lässt sich das „Outsourcen“ von Tod und Verletzung viel kosten, um die Zahl der gefallenen und verletzten US-Soldaten möglichst niedrig zu halten. Die Journalistin Sarah Stillman recherchierte, dass in Afghanistan zur Zeit mehr Angehörige privater Sicherheitsfirmen sterben als US-Soldaten.

Der Fernseh-Beitrag ist als Zusammenfassung und Stream-Version hier zu finden.

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