Währungskriege gewinnen 2013 an Schärfe

3. Januar 2013

Der schwelende Währungskrieg zwischen den Großmächten wird nächstes Jahr an Schärfe zunehmen. Grund dafür ist eine Entscheidung, die die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) Anfang dieses Monats getroffen hat, um ihr so genanntes „quantitative-easing“ - Programm auszuweiten.

Die Fed wird die von ihr gehaltenen Aktiva bis Ende 2014 durch Ankäufe von hypothekenbesicherten Wertpapieren und Staatsanleihen von gegenwärtig 2,9 Billionen US-Dollar auf 4 Billionen US-Dollar aufstocken.

Diese Maßnahmen werden einen weiteren Abwärtsdruck auf den US-Dollar ausüben. Das wird unweigerlich zu Reaktionen anderer Länder führen, die ihrerseits versuchen werden, ihre Währungen abzuwerten, um auf internationalen Märkten konkurrenzfähig zu bleiben. Diese Entwicklung könnte zu einem offenen Währungskrieg führen.

Erste Anzeichen eines solchen Konfliktes sind bereits zu erkennen. Der frisch gewählte japanische Ministerpräsident Shinzo Abe fordert von der Bank of Japan eine „unbegrenzte“ Ausweitung der Geldpolitik, um die Inflation anzuheizen und die Wirtschaft aus ihrer seit fast zwanzig Jahren dauernden Rezession zu holen.

Außer der Hoffnung, dass solche Maßnahmen die heimische Wirtschaft ankurbeln, steckt hinter Abes Forderung der Wunsch, den japanischen Yen abzuwerten. Dessen relativ hoher Wert, eine Folge der Abwertung des Dollars, hat den größten japanischen Konzernen, insbesondere der Elektronikindustrie, in der zurückliegenden Periode bedeutende Handelsverluste beschert. Außer den USA und Japan verfolgen auch die europäischen Zentralbanken angesichts der andauernden wirtschaftlichen Stagnation ihre eigenen Versionen des „quantitative easing“.

Offiziell rechtfertigt die Fed die Ausweitung ihres Programmes mit der anhaltenden Schwäche der US-Wirtschaft und hoher Arbeitslosigkeit. Aber dies dient weitgehend nur der Tarnung der tatsächlichen Absichten. Diese bestehen darin, den Banken und Finanzinstituten auch in Zukunft ultra-billiges Geld zur Verfügung zu stellen, damit sie ihr Engagement an den Finanzmärkten finanzieren können, mit dem sie trotz der Stagnation der Realwirtschaft auch weiterhin Profite machen können.

Allerdings drohen die sogenannten Folgewirkungen dieser Maßnahmen die Weltwirtschaft als Ganzes zu destabilisieren, da andere Großmächte versuchen, sich ihren Konsequenzen zu widersetzen.

In einer Rede vor dem Economic Club of New York nur wenige Tage vor der Ankündigung der jüngsten Maßnahmen der Fed, wies der demnächst in den Ruhestand wechselnde Gouverneur der Bank von England, Mervyn King, auf die wachsenden Spannungen in der Weltwirtschaft hin. Seit dem Londoner G-20-Gipfel im April 2009 und der Entscheidung für Stimulierungsmaßnahmen hätten sich die Dinge „zurückentwickelt“ und es gebe seitdem keine Übereinstimmung in der Frage, wie die Weltwirtschaft wieder ins Gleichgewicht gebracht werden könne.

Und die Situation könnte sich im kommenden Jahr verschlechtern. „Ich glaube fest daran, dass 2013 ein Jahr der Herausforderungen sein wird, in dem wir Zeuge werden, wie einige Länder versuchen, ihre Währung abzuwerten“, sagte King. „Das wird Kopfzerbrechen auslösen. Werden andere Länder auf ähnliche Weise reagieren? Was wird passieren? Die Politik der Länder auf den heimischen Märkten könnte zu internationalen Spannungen führen.“

Als die Großmächte sich vor dem Ausbruch der Finanzkrise im September 2008 trafen, wurde allseits versprochen, die Fehler der 1930er Jahre würden nicht wiederholt. Damals wurden Zollschranken errichtet, da jede der Großmächte gegenüber den Konkurrenten eine Politik des „beggar thy neighbor“ („mach deinen Nachbarn zum Bettler“) verfolgte und so die Schrumpfung der Weltmärkte vorantrieb. Die Lehren von damals seien heute gezogen, hieß es. Aber die Geldpolitik der Zentralbanken der Großmächte droht in eine Wiederholung der Konflikte der Großen Depression zu münden.

Kleinere Wirtschaften, insbesondere die vom Export abhängigen, trifft die Aufwertung ihrer Währung bereits hart. Zahlen der Zentralbanken enthüllen, dass Brasilien, Chile, Kolumbien und Peru in den vergangenen zwei Jahren auf den internationalen Finanzmärkten 135 Milliarden US-Dollar ausgegeben haben, um ihre Währungen abzuwerten.

Die Wirkung der von der Fed und anderen größeren Zentralbanken verfolgten Politik auf solche Länder war Gegenstand von höflich formulierten, aber nichtsdestoweniger treffenden Bemerkungen in einer Rede von Glenn Stevens, Gouverneur der Reserve Bank of Australia. Er warnte zu Beginn dieses Monats, die „Beunruhigung“ nehme zu.

Während es „Politikern zusteht, zu behaupten, ihre unkonventionelle Politik habe expansionäre Folgen“, sagte er, „vermute ich, dass die Langsamkeit, mit der sich die Wirtschaft in den USA, Europa und Japan erholt, die Frage nahelegt, ob die Großmächte sich nicht eher darauf verlassen, ihre Schwächen in einem viel größeren Ausmaß als bei bisherigen Erholungen zu exportieren.“ In der wie immer zurückhaltenden Sprache der Zentralbanker ist das schon fast eine offene Zurückweisung der offiziellen Rechtfertigungen.

Im Oktober 1971, direkt nachdem US-Präsident Nixon den Dollar vom Gold abkoppelte und das Bretton-Woods-System zerschlug, das die Grundlage für die Nachkriegsexpansion geschaffen hatte, soll US-Finanzminister John Connally seinen europäischen Amtskollegen gesagt haben: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“

Mehr als vierzig Jahre später droht die Politik der Abwertung des Dollar, der immer noch als internationale Leitwährung dient, durch die Fed nicht weniger folgenreich zu sein als die Beendigung des Systems von Bretton Woods.

Heute ist die globale Wirtschaft noch viel stärker ineinander verzahnt als damals. Finanzderivate und andere komplexe Finanzinstrumente, die damals noch nicht einmal existierten oder gerade erst in ihren Kinderschuhen steckten, sind heute Schlüsselelemente des globalen Finanzsystems.

Die offizielle Rechtfertigung für die Politik der Fed und anderer großer Zentralbanken lautet, dass sie benötigt werde, um den noch nicht überwundenen Folgen der Finanzkrise von 2008 zu begegnen. In Wahrheit vertieft sie die Konflikte unter den Großmächten und schafft die Bedingungen für noch größere Finanzkatastrophen.