Lufthansa kündigt noch härteren Sparkurs an

Von Ernst Wolff
15. März 2013

Lufthansa-Chef Christoph Franz hat auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens am Donnerstag eine Verschärfung des Sparkurses und weitere Angriffe auf den Lebensstandard der 118.000 Beschäftigten angekündigt.

Nachdem die Kürzungen im vergangenen Jahr mit 618 Millionen Euro doppelt so hoch wie erwartet ausgefallen sind, will die Lufthansa ihre Ausgaben im Rahmen des Score-Programms 2013 um weitere 740 Millionen Euro reduzieren. Mit dem Programm, das aus 2.500 Einzelprojekten besteht, von denen bisher 800 umgesetzt wurden, soll bis 2015 ein Betrag von 1,5 Mrd. Euro eingespart werden. Der operative Gewinn, der im vergangenen Jahr bei 524 Mio. Euro lag, soll im gleichen Zeitraum auf 2,3 Mrd. Euro steigen. Das wäre der höchste je von der Lufthansa erzielte Gewinn.

Franz bestätigte den im Februar angekündigten Abbau von weltweit 3.500 Arbeitsplätzen. Für 2.000 davon habe man bereits Rückstellungen für Abfindungen gebildet, 400 Beschäftigte hätten die Abfindungsangebote bisher angenommen. „2013 wird ein besonders anspruchsvolles Jahr für Unternehmen und Mitarbeiter“, beschönigte Franz die Forcierung des Sanierungsprogramms, ohne weitere Einzelheiten zu den Streichungs- und Kürzungsplänen der Konzernleitung im Personalbereich bekannt zu geben.

Die aber können sich die Beschäftigten der Lufthansa an fünf Fingern abzählen. Das seit 1997 vollständig privatisierte Unternehmen befindet sich derzeit in einem gnadenlosen Preiskampf mit Billigfliegern wie Ryanair und den rasant expandierenden Golf-Carriern Emirates, Qatar und Etihad Airways, dem neuen Großaktionär von Air Berlin. Die drei Luftfahrtgesellschaften aus Dubai, Qatar und Abu Dhabi profitieren von niedrigeren Gebühren für Flughäfen oder Flugsicherung, geringeren Kerosinkosten und vor allem von der Tatsache, dass ihre Lohnkosten – wie die Unternehmensberatung Arthur D. Little errechnet hat – um ein Drittel unter denen der Lufthansa liegen.

Da die Lufthansa-Führung auf die Gebühren kaum Einfluss hat und die Kosten für Kerosin durch technische Neuerungen nur geringfügig senken kann, fällt der Schwerpunkt ihrer Sparanstrengungen in den Bereich Personalkosten. Flug- und Bodenpersonal müssen in diesem und den kommenden Jahren mit weiteren Kürzungen ihrer Löhne, der Verlängerung ihrer Arbeitszeiten und dem Verlust ihrer Arbeitsplätze rechnen.

Genau diese Entwicklung bestätigte am Montag der Münchener Lufthansa-Chef Thomas Klühr. Er kündigte an, dass neben den bereits feststehenden Entlassungen in Köln, Hamburg und Norderstedt auch für die zehntausend Mitarbeiter in der bayrischen Landeshauptstadt Stellenstreichungen anstünden. Klühr legte sich zwar nicht fest, sagte aber, er gehe davon aus, dass „die Zahl der betroffenen Kollegen dreistellig“ bleibe.

Dass Klühr bei der Zahl der Entlassungen nur vage Andeutungen macht, ist kein Zufall. Eine solche für alle Beschäftigten folgenschwere Äußerung eines leitenden Lufthansa-Managers ist mit Sicherheit mit der Konzernführung abgesprochen und soll dazu beitragen, die Beschäftigten zu verunsichern, gegeneinander auszuspielen und in einen Zustand der Angst um ihren Arbeitsplatz zu versetzen. Die Lufthansa-Führung hofft, ihren Kampfeswillen auf diese Weise zu lähmen, um ihren Widerstand leichter brechen zu können.

Zusätzlich wird die Chefetage des Unternehmens auch in Zukunft wieder auf die Unterstützung durch Gewerkschaften und Betriebsräte setzen können. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, deren Chef Frank Bsirske stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Lufthansa ist, unterstützt das Sparprogramm „Score“ und ist kleineren Spartengewerkschaften wie der Pilotengewerkschaft Cockpit, der Fluglotsengewerkschaft GdF und der Flugbegleitergewerkschaft UFO wiederholt in den Rücken gefallen.

Diese Spartengewerkschaften sind größtenteils entstanden, weil sich die betroffenen Berufsgruppen von Verdi nicht mehr vertreten fühlten. Doch auch sie akzeptieren grundsätzlich die Notwendigkeit eines Sparprogramms. Das hat das Verhalten der Gewerkschaft Ufo beim Streik und den anschließenden Verhandlungen im vergangenen Sommer deutlich gemacht.

Ein warnendes Beispiel sollte in dieser Hinsicht allen Lufthansa-Beschäftigten der Ausgang des Streiks bei der Fluggesellschaft Iberia in Spanien ein. Dort endete ein entschlossen geführter dreimonatiger Arbeitskampf am Montag damit, dass die Gewerkschaften statt der von der Geschäftsleitung geforderten Entlassung von 3.807 Beschäftigten die Entlassung von 3.141 Arbeitskräften akzeptierten, das Einfrieren der Löhne von 2013 bis 2015 abnickten und die Tatsache, dass viele Entlassungen über eine vorzeitige Pensionierung der Betroffenen mit 55 abgewickelt werden, als „Sieg“ feierten.