Ein weiteres gutes Jahr für Hedgefond-Milliardäre

18. April 2013

Trotz Massenarbeitslosigkeit, wachsender Armut und sinkender Löhne haben die Betreiber von Hedgefonds auch im letzten Jahr wieder astronomisch hohe Gehaltspakete kassiert. Vier Hedgefond-Manager haben im Jahr 2012 jeweils mehr als eine Milliarde Dollar eingenommen. Insgesamt haben die fünfundzwanzig bestbezahlten zusammen vierzehn Milliarden Dollar eingestrichen, das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Jamaika, einem Land mit drei Millionen Einwohnern.

Laut dem jährlichen Ranking der Gehälter von Hedgefonds-Managern, das Institutional Investor’s Alpha am Montag veröffentlichte, hatte der Chef von Appaloosa Management, David Tepper, insgesamt 2,2 Milliarden Dollar verdient, hauptsächlich durch eine Erhöhung des Preises wichtiger Aktien wie die der Citigroup, Apple und US Airways.

Wenn man Teppers Bezahlung auf eine 40-Stunden-Woche beziehen würde, könnte man sagen, dass er 3000 Dollar pro Sekunde verdient hat, mehr als ein neu eingestellter Autoarbeiter, der am Fließband schuftet, in einem Monat verdient. Und während der Autoarbeiter am Bau von Fahrzeugen beteiligt ist, die für das Funktionieren der Gesellschaft notwendig sind, produzieren Tepper und seinesgleichen nichts von echtem Wert.

Die jüngsten Zahlen über die Gehaltspakete der Hedgefond-Parasiten zeigen, dass Karl Marx vor 146 Jahren recht hatte, als er das System des Kapitalismus so beschrieb. „ Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Verkommenheit auf dem Gegenpol....“

Die Gehälter der Hedgefonds-Manager wurden durch die Aktienblase im Jahr 2012 erhöht, durch die der Aktienindex S&P 500 um 13,4 Prozent angestiegen ist. Allerdings stiegen die meisten Hedgefonds auf der Liste nicht so stark wie der Aktienmarkt insgesamt.

Ray Dalio von Bridgewater Associates, der auf dem zweiten Platz der Liste stand, erhielt 1,7 Milliarden Dollar, obwohl sein wichtigster Fonds Pure Alpha nur um 0,8 Prozent gestiegen war.

2012 war das vierte Jahr in Folge, in dem die Gewinne aus den Hedgefonds nicht mit den Aktienkursen mithalten konnten. Die Financial Times schrieb: „Der durchschnittliche Hedgefond hat im Jahr 2012 6,4 Prozent Gewinn für seine Investoren abgeworfen... Ein einfaches, passives Portfolio, das zu 60 Prozent aus amerikanischen Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen besteht, hat 11,1 Prozent Gewinn gemacht.“

Soviel zu den angeblichen Bemühungen, die Aufwandsentschädigungen für Manager enger an die Leistung zu binden, von denen nach dem Börsenkrach von 2008 die Rede war! In Wirklichkeit erhalten die Herren der Finanzwelt ihre astronomisch hohen Gehälter wie ein aristokratisches Privileg.

Die Betreiber der Hedgefonds, die mit anderer Leute Geld spekulieren, haben außerdem den Vorteil nur fünfzehn Prozent Kapitalertragssteuer zu zahlen – wenn sie überhaupt Steuern zahlen – deutlich weniger als die durchschnittliche Einkommenssteuer, die normale Arbeiter zahlen müssen.

Gegen mindestens einen dieser Spitzenverdiener wurde wegen Finanzbetrugs ermittelt: SAC Capital, das von dem dritthöchstbezahlten Manager auf der Liste, Steven A. Cohen, geführt wird, musste vor kurzem wegen Vorwürfen des Insiderhandels eine Geldstrafe an die Securities and Exchange Commission (SEC) zahlen, ohne ein Fehlverhalten zuzugeben.

SAC bezahlte 614 Millionen Dollar als Vergleich, um die Vorwürfe beizulegen, es habe vom Verkauf von Aktien von Pharmaunternehmen profitiert, bevor Details über unvorteilhafte Geschäfte ans Tageslicht gekommen waren. Cohens Bezahlung von 1,4 Milliarden Dollar war doppelt so hoch wie die Strafe der SEC.

Letzten Monat hatte sich Cohen, der über ein Vermögen von 8,3 Milliarden Dollar verfügt, ein Haus in einer Straße in East Hampton auf Long Island gekauft, in der er bereits ein Haus besitzt. Im gleichen Monat schrieben die Zeitungen, dass Cohen Picassos Gemälde „Le Reve“ für 155 Millionen Dollar gekauft habe – einer der höchsten Preise, die eine Privatperson je für ein Kunstwerk gezahlt hat.

Die astronomischen Gehälter der Hedgefond-Manager werden in der Praxis durch die Federal Reserve subventioniert, die im Rahmen ihres Programms der „quantitativen Lockerung“ monatlich 85 Milliarden Dollar ins Finanzsystem pumpt. Andererseits behauptet die Obama-Regierung, für wichtige Sozialprogramme sei kein Geld da, kürzt die sowieso bereits bescheidene Arbeitslosenunterstützung für Langzeitarbeitslose und bereitet beispiellose und verheerende Kürzungen der Programme Medicare und Social Security vor.

Nicht nur Hedgefond-Manager profitieren von dieser Finanzblase. In den letzten Tagen verzeichneten JPMorgan Chase, Citigroup und Goldman Sachs allesamt höhere Profite im ersten Quartal. JPMorgan, die größte Bank Amerikas, meldete einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Dollar, 33 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Unternehmen musste sich mit zahlreichen Untersuchungen und Prozessen auseinandersetzen und war Gegenstand des 300-seitigen Berichtes eines Unterkomitees des Senats letzten Monat über die systematischen Betrügereien der Bank in Zusammenhang mit Verlusten von über 6,2 Milliarden Dollar durch hochriskante Finanzderivate im Jahr 2012.

Das deutlichste Charakteristikum der amerikanischen Gesellschaft ist die Dreistigkeit, mit der sich die herrschende Klasse bereichert und ihre Verachtung für das gemeine Volk zeigt. Diese schamlose Selbstbereicherung bleibt nicht unbeachtet.

Die Realität des brutalen, undemokratischen und ausbeuterischen Charakters des kapitalistischen Systems findet Eingang in das Bewusstsein der Arbeiterklasse. Eine gewaltige soziale Wut entwickelt sich, die sich früher oder später in riesigen Aufständen entladen wird.

Diese Kämpfe müssen geleitet sein von einem bewussten Verständnis des Charakters des Kapitalismus und der Rolle des bestehenden politischen Systems, das von den offiziellen Gewerkschaften unterstützt und aufrecht erhalten wird. Sie müssen ein ausgearbeitetes Programm zur Mobilisierung der Arbeiterklasse haben, das dem Profitsystem ein Ende bereitet und Wirtschaft und Gesellschaft auf rationalen und egalitären Grundlagen umgestaltet– das heißt, ein revolutionäres sozialistisches Programm.

Ein solches Programm umfasst die Enteignung der Finanzparasiten und den Einsatz ihrer unrechtmäßig erworbenen Reichtümer für die Schaffung von Arbeitsplätzen, Bildung, Wohnungsbau, Ernährung, Gesundheitsversorgung und Renten für alle.

Andre Damon