UAW-Präsident fällt deutschen Opel-Arbeitern in den Rücken

Von Jerry White
3. Mai 2013

Bob King, Präsident der Autoarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW), rief die Arbeiter des Opel-Werkes in Bochum letzte Woche auf, nochmals über den Vertrag mit Opel abzustimmen, der Ende März bereits mit einer Zweidrittelmehrheit abgelehnt worden war. Die Arbeiter in Bochum haben den Erpressungsversuchen ihrer eigenen Gewerkschaft, der IG Metall, getrotzt und gegen den Mastervertrag für alle deutschen Opel-Werke gestimmt. Der Vertrag wurde jedoch landesweit ratifiziert.

Der Vertrag fordert von den etwa 20.000 Arbeitern in Deutschland den Verzicht auf Lohnerhöhungen und weitere Zugeständnisse. Dafür soll das Bochumer Werk bis 2016 bestehen bleiben. Danach sollen die Produktion geschlossen werden und nur Logistik- und Komponentenbetriebe bestehen bleiben. Dabei würden 1800 von 3000 Stellen verloren gehen.

Im März 2012 war King in den Aufsichtsrat von Opel aufgenommen worden, wo er zusammen mit Vertretern der IG Metall sitzt. Er benutzt die starke Senkung der Arbeitskosten der amerikanischen Autoarbeiter, an deren Durchsetzung die UAW beteiligt war, als Vorbild und versucht, die Methoden der amerikanischen Gewerkschaftsbürokratie auch hier anzuwenden. Arbeiter werden gezwungen, so oft abzustimmen, bis sie „richtig abstimmen“ – um die Diktate des Unternehmens durchzusetzen.

Angesichts der wirtschaftlichen Katastrophe in Europa sind die Umsätze der Autoindustrie zurückgegangen und GM, Ford und andere Unternehmen verlieren auf den europäischen Märkten hunderte Millionen Euro. Im Gegensatz dazu machen sie in Nordamerika Milliarden Dollar Gewinn, da die UAW dort im Rahmen von Präsident Obamas „Rettung“ der Autoindustrie Werksschließungen, Entlassungen und Zugeständnissen zugestimmt hat. Unter anderem wurden durch die Einführung von „Zweiklassenlöhnen“ die Einstiegslöhne neuer Arbeiter um die Hälfte gesenkt. Somit konnte GM trotz den Verlusten in Europa fünf Milliarden Dollar Gewinn machen und seinem Präsidenten Dan Akerson eine Gehaltserhöhung von 44 Prozent auf 11,1 Millionen Dollar finanzieren.

Die Schließung des Werks in Bochum – die erste Schließung eines Autowerks in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg – ist Teil der Pläne der internationalen Autokonzerne, „Überkapazitäten“ in Europa stark zu reduzieren, d.h. mindestens zwanzig Fertigungswerke und Dutzende andere Fabriken zu schließen, in denen zusammen etwa 115.000 Beschäftigte arbeiten.

Die IG Metall hat der Schließung und den Plänen des Managements zugestimmt, die Ausbeutung der übrigen Opel-Arbeiter in Deutschland zu verschärfen, während die Produktion in osteuropäische Niedriglohnländer wie Polen verlegt werden soll. Beispielsweise verdienen die Arbeiter im hochmodernen Opel-Werk in Gliwice nur ein Sechstel des Lohnes ihrer Bochumer Kollegen.

Angesichts des wachsenden Widerstandes der Autoarbeiter in ganz Europa führt die IG Metall eine systematische Kampagne durch, um die Arbeiter in Bochum zu isolieren und einen gemeinsamen Kampf der Arbeiter in Deutschland und Europa zu verhindern. Die IG Metall hat den Mastervertrag in den anderen Opel-Werken mit der unehrlichen Behauptung durchgesetzt, er werde den Bau neuer Automodelle und sichere Arbeitsplätze garantieren. Die Bochumer Arbeiter haben die wertlosen Versprechen der IG Metall zurückgewiesen, eine Ratifizierung des Vertrages werde einen Teil der Produktion retten und das Werk werde mit weniger Personal bis 2016 erhalten.

Nachdem die Bochumer Arbeiter den Vertrag abgelehnt hatten, kündigte GM-Opel an, das gesamte Werk, in dem früher 20.000 Arbeiter beschäftigt waren bis Ende 2014 zu schließen. Anfang des Jahrzehnts waren es noch 10.000 Arbeiter gewesen. Die Funktionäre der IG Metall und die Gesamtbetriebsräte bezeichneten das „Nein“ der Arbeiter als „unverständlich.“ IG Metall-Chef Berthold Huber sagte den Arbeitern, sie müssten die Konsequenzen dafür tragen.

Etwa 3.000 Arbeiter werden ihre Stellen verlieren, außerdem werden weitere 40.000 Stellen in Zuliefererbetrieben in ganz Nordrhein-Westfalen davon betroffen sein.

Laut der Webseite der amerikanischen Autoindustrie Automotive News drängt King die IG Metall, eine weitere Abstimmung zu organisieren: „Ich will ungern miterleben, dass das Werk geschlossen wird, nachdem die IG Metall und der Betriebsrat sich so viel Mühe gegeben haben, es zu retten. Über eine mögliche neue Abstimmung sagte er: „Ich hoffe, dass ich die Bochumer Arbeiter überzeugen kann, wenn ich berichte, was in den USA möglich war. Ich weiß nicht, ob das möglich ist, aber zumindest würde es uns die Möglichkeit zu Gesprächen eröffnen.“

Angeblich nannte King als Modell für einen Tarifvertrag in Bochum den Tarifvertrag, den die UAW im Jahr 2011 in Spring Hill, Tennessee durchsetzte, um GM zu locken, die Produktion dort wieder aufzunehmen, während die Arbeiter praktisch versklavt wurden. Dieser „wegweisende“ Vertrag beinhaltete „innovative Vereinbarungen mit der Belegschaft,“ die die Obergrenze der Zahl der unterbezahlten Arbeiter zweiter Klasse aufhoben und es dem Unternehmen erlaubten, eine Belegschaft aufzubauen, die komplett aus Arbeitern besteht, die nahe an der Armutsgrenze liegende Löhne von vierzehn bis fünfzehn Dollar die Stunde erhalten – etwa die Hälfte der traditionellen Löhne.

Das Tarifabkommen erlaubte es auch Zulieferern auf dem Werksgelände, eigene Arbeiter einzusetzen, die teilweise nur neun Dollar pro Stunde verdienen, um Komponenten zu bauen und dem Unternehmen so die Kosten für den Transport der Teile zu sparen. Der Alt-Belegschaft wurde das Ultimatum gestellt, eine Lohnsenkung von 50 Prozent oder die Versetzung in ein anderes GM-Werk, möglicherweise in hunderten Kilometern Entfernung, zu akzeptieren, oder „freiwillig“ zu kündigen.

Insgesamt hat der Tarifvertrag, dem die UAW im Jahr 2011 zugestimmt hat, die Renten und andere wirtschaftliche Errungenschaften gekürzt und die Erhöhung der Lohnkosten auf ein Prozent beschränkt – das war niedrigste Steigerung seit 40 Jahren. King begrüßte die Ratifizierung des Vertrages und lobte Präsident Obama dafür, dass er „die gutbezahlten Stellen in Amerika“ gehalten habe. Er fügte hinzu, die UAW sei entschlossen, mit dem GM-Management zusammenzuarbeiten, um in den USA Arbeitsplätze zu schaffen.

King hat der IG Metall nicht nur dabei geholfen, die Opel-Arbeiter zu verraten und die Interessen von GM zu schützen, sondern hofft auch auf Hilfe der IG Metall-Bürokraten bei der gewerkschaftlichen Organisation der deutschen Autowerke im Süden der USA, vor allem des neuen VW-Werkes in Chattanooga, Tennessee.

Die mehrfachen Angebote der UAW, ausländischen Autobauern den gleichen „Erfolg“ zu ermöglichen wie den Autobauern aus Detroit, haben bisher noch keine Früchte getragen. Die Gewerkschaftsbürokratie konnte noch kein Tarifabkommen erzielen, das es ihnen ermöglicht, Beiträge von VW-Arbeitern einzuziehen, die zu den am schlechtesten bezahlten in den USA gehören.

King und die UAW hoffen, dass die IG Metall, die enge und völlig korrupte Beziehungen zum VW-Management pflegt, seine Bemühungen unterstützt. Letzten Monat schrieb IG Metall-Chef Huber in einem Brief, dass die Stundenlöhner in den VW-Werken sich von der UAW vertreten lassen sollten. „Die UAW hat keinen besseren Fürsprecher als Berthold Huber“, sagte King Automotive News.

Die Zusammenarbeit der UAW und der IG Metall gegen die Autoarbeiter in aller Welt zeigt den reaktionären Charakter dieser Organisationen, die aufgrund ihrer pro-kapitalistischen und nationalistischen Programme schon lange aufgehört haben, die Arbeiter repräsentieren. Sie sind selbst Unternehmen. Die UAW hält Aktien im Wert von Milliarden Dollar.

Die deutschen und amerikanischen Autoarbeiter müssen im Kampf gegen den Angriff auf ihre Arbeitsplätze und ihren Lebensstandard durch die internationalen Autokonzerne und die Gewerkschaftssyndikate, die mit ihnen verbündet sind, enge internationale Beziehungen aufbauen und neue Organisationsformen entwickeln, die von den Gewerkschaften und den Politikern des Großkapitals unabhängig sind. Die einzige Antwort auf die Forderung, dass Arbeiter für die Krise des Weltkapitalismus zahlen sollen, ist der Aufbau einer politischen Bewegung der Arbeiterklasse, bewaffnet mit einem internationalen sozialistischen Programm zur Neuorganisation der Wirtschaft im Interesse der Bedürfnisse der Menschen statt des privaten Gewinnstrebens.