Lufthansa: Verdi vereinbart 30-prozentige Lohnkürzung

Von Ernst Wolff
8. Mai 2013

Die heimlichen Absprachen der Gewerkschaft Verdi mit dem Lufthansa-Management gehen erheblich weiter, als bisher bekannt. Wie SpiegelOnline unter Berufung auf interne Konzerndokumente meldet, haben die Verhandlungsführer der Gewerkschaft der Gründung von drei neuen Billig-Gesellschaften zugestimmt, in denen bis zu 30 Prozent niedrigere Löhne bezahlt werden.

Bereits letzte Woche war bekannt geworden, dass Verdi für die 5.000 Beschäftigten des Catering-Bereichs LSG heimlich geringere Löhne und Mehrarbeit vereinbart hat, die sich auf eine Minderung der Einkommen um 10 Prozent belaufen. (Siehe: „Verdi hintergeht 5.000 LSG-Mitarbeiter“)

In den neuen Gesellschaften, über die SpiegelOnline nun berichtet, sollen unter anderem Verwaltungsaufgaben sowie die Abfertigung der Passagiere außerhalb der großen Verkehrsdrehkreuze Frankfurt am Main und München zusammengefasst werden. Sie tragen Namen wie GBS Rhein-Main oder GBS Center Ost.

In den neuen Gesellschaften sollen wesentlich schlechtere Arbeitsbedingungen herrschen als in den anderen Bereichen des Lufthansa-Konzerns. Die Zahl der Urlaubstage sowie das Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden reduziert, und die Arbeitszeit kann ohne Lohnausgleich von 37,5 auf 39 Wochenstunden erhöht werden. Bei zwei der drei neuen Gesellschaften sollen die regulären Monatsgehälter gegenüber dem bisherigen Lufthansa-Tarif um bis zu 30 Prozent sinken.

Die geheime Absprache zwischen Verdi und Lufthansa entlarvt den Streik des Bodenpersonals, der Ende April die Lufthansa für einen Tag lahm legte, erneut als abgekartetes Spiel. Die Gewerkschaft versuchte mit dem Streik den Eindruck zu erzeugen, sie kämpfe für höhere Löhne, während sie hinter den Kulissen längst der Lohnsenkung für das Cateringpersonal und den neuen Billig-Gesellschaften zugestimmt hatte. Für das restliche Bodenpersonal unterzeichnete sie kurz nach dem Streik einen Tarifvertrag, der nicht einmal die Inflation ausgleicht und eine Laufzeit von 26 Monaten hat.

Verdi vertritt nicht die Interessen der Belegschaft, sondern die des Konzerns und seiner Aktionäre. Sie arbeitet eng mit dem Vorstand zusammen, um das Sparprogramm SCORE umzusetzen, in dessen Rahmen in den kommenden drei Jahren 1,5 Milliarden Euro zu Lasten des Personals eingespart werden. Zu diesem Zweck spaltet, unterdrückt und hintergeht sie die Belegschaft.