Amerikanische Banken verzeichnen im ersten Quartal Rekordgewinne

Von Nick Barrickman
31. Mai 2013

Die Gewinne des amerikanischen Bankensektors sind im ersten Quartal des Jahres 2013 laut einem Bericht der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), der am Mittwoch veröffentlicht wurde, auf einen Rekordwert von 40,3 Milliarden gestiegen.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal sind die Gewinne um 15,8 Prozent gestiegen. Die Gewinne des Quartals haben den Rekord von vor sechs Jahren, vor dem Finanzkrach von 2008, gebrochen, sie sind im vierzehnten Quartal in Folge gestiegen.

Die Rekordgewinne der Banken und die steigenden Aktienkurse sind ein direktes Ergebnis der Politik der Obama-Regierung. Den Banken und Finanzinstituten wurden Billionen Dollar ausgehändigt, unter anderem 85 Milliarden Dollar pro Monat durch die Federal Reserve. Kein einziger Bankenvorstand wurde für die Finanzkatastrophe vor Gericht gestellt, stattdessen haben sie sie dazu ausgenutzt, ihren Würgegriff über das wirtschaftliche und politische System zu verstärken.

Der Vorsitzende der FDIC, Martin Gruenberg, zeichnet in seinem Bericht ein positives Bild von der aktuellen Lage auf dem Markt: „Die Qualität der Wertpapiere verbessert sich, immer mehr Institute machen Gewinne, und die Zahl der Pleiten und Institute in Schwierigkeiten geht weiterhin zurück.“ Die Zahl der „Institute in Schwierigkeiten“ ist von 888 im Jahr 2011 auf 612 in diesem Jahr gesunken.

Es werden zahlreiche Faktoren als Beitrag zu den Rekordgewinnen genannt, nicht zuletzt die „großen, einmaligen Gewinn- und Verlustposten in einigen der größten Institute der Industrie,“ so Gruenberg. Es ist bezeichnend, dass wichtige Komponenten der Rücklagen „die sinkenden Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten und Vergleichsverfahren“ waren. Das heißt, die Banken haben davon profitiert, dass sie nach der Finanzkrise ungestraft davongekommen sind.

Eine weitere Erklärung für die Gewinne der Banken waren sinkende Rückstellungen, die mögliche finanzielle Verluste für faule Schulden ausgleichen sollten. Diese hatten sich im letzten Jahr um elf Milliarden oder 23 Prozent verringert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Quelle der Gewinne der Großbanken im Wesentlichen aus gesunkenen Gerichtskosten und zunehmend aus Spekulationen kommt. Seit dem Finanzkrach von 2008 haben die Banken ihre Position gestärkt und wurden dabei vom politischen Establishment, Demokraten wie Republikanern, in jeder Hinsicht unterstützt.

Trotz der steigenden Gewinne geht es dem Finanzsektor alles andere als gut, und die Bedingungen für einen weiteren Finanzkrach sind vorhanden. Gruenberg wies auf den einmaligen Charakter eines Großteils der Gewinne der Banken hin und drückte die Hoffnung aus, dass „künftige Gewinne für die Industrie durch zusätzliche Einkünfte erfolgen werden“.

Das ist jedoch im Wesentlichen Wunschdenken, da die Einkünfte innerhalb der Finanzunternehmen weiterhin stagnierten. Die operativen Gewinne des Bankensektors in den ersten Monaten dieses Jahres lagen nur bei 171 Milliarden, kaum mehr als in den vergangenen Quartalen. Gleichzeitig befinden sich die Zinsen auf einem Rekordtief und haben nicht nur zu Kurssteigerungen an den Aktienmärkten geführt, sondern auch zu niedrigeren Zinsen für die  Banken.

Die Gewinne der Banken sind nach mehreren Berichten über kriminelle Aktivitäten bekannt geworden. Ende März veröffentliche der Ständige Untersuchungs-Unterausschuss des Senats einen Bericht über die Ursachen der „London Whale“-Gewinnrückgänge von JPMorgan. Dadurch verschwanden staatlich versicherte Einlagen im Wert 6,2 Milliarden Dollar. Der Bericht fand Beispiele für Kontenfälschungen, die die staatlichen Ermittler in die Irre führen und die Verluste verbergen sollten.

Ein weiterer Bericht aus dem Jahr 2011, der vom gleichen Unterausschuss veröffentlicht wurde, befasste sich mit den Machenschaften der Wall Street im Vorfeld der Wirtschaftskrise von 2008. Er kam zu dem Ergebnis, dass es sich um eine „finanzpolitische Schlangengrube voller Gier, Interessenkonflikte und Fehlverhalten“ gehandelt hatte. Aber bisher wurde noch kein einziger Vorstand eines Wall Street-Unternehmens wegen seines Beitrags zur schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten bestraft.

Justizminister Eric Holder hatte letzten März durchblicken lassen, dass die Obama-Regierung die Banken im Grunde als zu wichtig ansieht, als dass man sie anklagen könne und gab zu, dass „einige dieser Institute so groß werden, dass es schwierig wird, sie anzuklagen, wenn wir Anhaltspunkte dafür haben. Es könnte sein, dass es negative Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, vielleicht sogar die ganze Weltwirtschaft haben würde, wenn wir sie anklagen und vor Gericht stellen...“

Nach dem Finanzkrach von 2008 wurden die Banken nicht vor Gericht gestellt, sondern kamen mit zahlreichen außergerichtlichen Einigungen davon. So konnten sie auf Kosten des Lebensstandards der Arbeiterklasse enorme Gewinne anhäufen.