Die amerikanischen Medien und der Fall Edward Snowden

Von Barry Grey
12. Juli 2013

Die amerikanischen Medien haben sich bei der Verteidigung der massiven Spionage-Operationen, die der ehemalige NSA Angestellte Edward Snowden aufgedeckt hat, offen hinter die Obama-Regierung, die National Security Agency (NSA) und das Militär gestellt.

Die Mainstream-Medien haben nicht nur die offizielle Propagandalinie unterstützt, dass sämtliche Verstöße gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten durch die Erfordernisse des so genannten “Kriegs gegen den Terror” gerechtfertigt seien, sie haben sich auch voll hinter die Verleumdungskampagne gegen Snowden und die von der US-Regierung gestartete internationale Großfahndung gestellt, mit der die Auslieferung Snowdens und seine Verurteilung wegen konstruierter Spionagevorwürfe erreicht werden soll.

Prominente Medienpersönlichkeiten sind in die Agitation gegen Snowden eingestiegen und sogar noch weiter gegangen. Sie hetzen gegen Journalisten, die Snowden bei seiner Aufdeckung geholfen und den Whistleblower verteidigt haben. Die Komplizenschaft dieser Pseudo-Journalisten bei den Bemühungen, investigative Berichterstattung zu kriminalisieren und aufrichtige Journalisten an den Pranger zu stellen, die versuchen ihren Job zu machen und die Öffentlichkeit über Regierungsgeheimnisse, Lügen und Verbrechen zu unterrichten, unterstreicht den verdorbenen Zustand der amerikanischen Presse und ihre entscheidende Rolle bei dem Angriff auf demokratischer Rechte.

Am Sonntag versuchte George Stephanopoulos, der Moderator der ABC Nachrichtensendung “This Week” ein Interview mit WikiLeaks-Gründer Julian Assange zu benutzen, um sowohl Assange als auch Snowden zu diskreditieren. Bei der Befragung Assanges, der fernmündlich in seinem Zufluchtsort in der ecuadorianischen Botschaft in London interviewt wurde, nahm Stephanopoulos eher die Haltung eines Inquisitors als eines Journalisten ein.

Ein aufrichtiger Journalist hätte das Interview benutzt, um nachzuhaken, ob andere Enthüllungen über illegale Überwachung bevorstehen und was sie beinhalten könnten. Aber Stephanopoulos hatte kein Interesse an diesem Thema. Wie auch die anderen Medien war er vor allem daran interessiert, weitere Enthüllungen und eine Vertiefung dessen, was bereits aufgedeckt worden ist, zu vermeiden.

In der Absicht, Snowdens Bemühungen zu unterhöhlen, einer Gefangennahme zu entgehen, fragte er Assange, “wo Edward Snowden jetzt ist und wo angenommen wird, dass er hin will” – worauf Assange die Antwort verweigerte. Danach widmete sich der “This Week” Moderator seinem Job, seinen Gast zu verleumden.

"[Edward Snowdens Vater] befürchtet, dass Sie und WikiLeaks seinen Sohn manipulieren" erklärte Stephanopoulos und fügte hinzu: "Sie haben sich in die Geschichte eingemischt."

Als Assange argumentierte, dass das Abhören der Kommunikation der Bevölkerung unter Präsident Obama weit über alles hinaus gehe, was Nixon je versucht habe, schnitt Stephanopoulos ihm das Wort ab und erklärte: "Er [Snowden] hat auch gegen das Gesetz verstoßen."

Er startete dann ein Ablenkungsmanöver. Er ging auf angebliche Angriffe der ecuadorianischen Regierung auf Journalisten ein und suggerierte, Assange habe sich durch die Flucht in die ecuadorianische Botschaft der “Doppelmoral” schuldig gemacht. Als Assange antwortete: “Niemand wirft Ecuador vor, in transnationale Überwachungs- oder Tötungsprogramme verwickelt zu sein”, unterbrach ihn Stephanopoulos abrupt und beendete das Interview.

Eine Woche vorher quetschte David Gregory, der Moderator des NBC Nachrichtenprogramms "Meet the Press", Glenn Greenwald aus. Der Guardian Journalist hatte Snowden interviewt und gestützt auf Dokumente, die der Whistleblower zur Verfügung gestellt hatte, Artikel veröffentlicht, die die geheimen Spionage-Programme aufdeckten.

Gregory machte wenig Anstalten, seine Feindschaft zu verbergen, und begann das Interview mit der Frage: “Ist zu erwarten, dass er [Snowden] plant, weitere Informationen durchsickern zu lassen, um seine und Ihre Behauptung zu untermauern, dass er tatsächlich ein Whistleblower ist und kein Verbrecher, der sich der Spionage schuldig gemacht hat?”

Nachdem es in diesem Sinne weitergegangen war (“Sie bestreiten nicht, dass Edward Snowden gegen das Gesetz verstoßen hat, oder?”), schloss Gregory mit den Worten:: “Insofern Sie Snowden auch bei seinen aktuellen Schritten geholfen und unterstützt haben, warum sollten nicht auch Sie, Herr Greenwald, eines Verbrechens angeklagt werden?”

Greenwald konterte: “Meiner Meinung nach ist es ziemlich ungewöhnlich, dass jemand, der sich selbst Journalist nennt, darüber nachsinnt, ob andere Journalisten eines Verbrechens angeklagt werden sollten.”

Gregory war nicht der einzige prominente Medien Kommentator, der vorschlug, Greenwald einzusperren, weil er das verschwörerische Schweigen rund um die NSA Spionage Programme durchbrochen hat. Einen Tag nach dem "Meet the Press"-Interview erklärte der für Finanzen zuständige New York Times Kolumnist Andrew Ross Sorkin im CNN Programm "Squawkbox", in dem er Ko-Moderator ist: “Es kommt mir vor als hätten wir es a) vermasselt, indem wir ihn [Snowden] auch noch nach Russland entkommen ließen. Und b), hassen uns die Chinesen so sehr, dass sie ihn auch noch aus dem Land ließen. Ich würde ihn verhaften, und heute würde ich fast auch Glenn Greenwald verhaften, den Journalisten, der ihm anscheinend helfen will, nach Ecuador zu kommen.”

Wer sind diese “Journalisten”? Sie alle erhalten siebenstellige Gehälter dafür, dass sie die Interessen der Eigentümer der Medienkonzerne und des Staates unterstützen, und das amerikanische Volk falsch informieren.

Als Pressesprecher und politischer Berater von Präsident Clinton verschaffte sich Stephanopoulos in den 1990er Jahren eine gute Ausgangsposition für lukrative Jobs bei ABC, die der Walt Disney Company gehört. Seine offiziellen Referenzen für das Establishment umfassen auch die Mitgliedschaft im halb-offiziellen Council on Foreign Relations [Rat für auswärtige Beziehungen].

Gregory vervielfachte seine Karriereaussichten als junger Reporter, indem er nach der gestohlenen Wahl des Jahres 2000 enge Beziehungen zum Weißen Haus unter Bush aufbaute. Das rechte Media Research-Center ernannte ihn für seine Berichterstattung über Bushs erste 100 Tage zum “Besten Korrespondenten im Weißen Haus ”.

Sorkin ist als Apologet für die korruptesten Elemente an der Wall Street bekannt. Als Sohn eines Partners in einer äußerst einflussreichen Anwaltskanzlei in New York City, die auf Fusionen und Übernahmen spezialisiert ist, wurde er Finanz-Reporter für die Times und stieg schnell zum Finanzkolumnisten und Herausgeber der Beilage DealBook auf. Diese nennt die New York Times“eine dynamische neue Möglichkeit für die Hauptakteure an der Wall Street, an die Nachrichten zu kommen, die sie benötigen, um auf dem heutigen hartumkämpften Markt konkurrieren zu können.”

Auf dem Höhepunkt der Krise von General Motors und Chrysler Im November 2008 veröffentlichte er eine Kolumne, in der er eine Insolvenz nach Kapitel 11 forderte und über die “vergoldeten” und “überzogenen” Löhne und Sozialleistungen der Autoarbeiter herzog. Für seinen Angriff griff er sich die Bemerkung eines Monteurs im GM Werk Lake Orion in Michigan heraus, die in der Detroit Free Press veröffentlicht worden waren. Der Arbeiter hatte der Zeitung gesagt: “Ich denke, wir haben genug Opfer gebracht.”

Diese wohlhabenden, selbstgefälligen und reaktionären Figuren sind repräsentativ für die oberen Ränge der Medien. Sie lassen jedes demokratische Bewusstsein vermissen, stehen den arbeitenden Massen feindlich gegenüber und verhalten sich sklavisch loyal gegenüber der herrschenden Elite und dem Staat. Sie sind Beispiele für Medienvertreter, die als verlängerter Arm des Staates dienen und der Auffassung sind, dass dies ihre legitime Mission ist.