Stilllegung der australischen Autoindustrie: Eine Bedrohung für die Arbeiter weltweit

Von James Cogan
26. Februar 2014

Mit der Ankündigung Toyotas,, seine australische Produduktion Ende 2017 einzustellen, steht jetzt die Vernichtung der gesamten Autoindustrie des Landes auf der Agenda. Zuvor hatten schon Ford und General Motors Holden entsprechende Pläne angekündigt. Mindestens 7.000 Arbeiter in fünf Montage- und Motorenbetrieben werden ihre Arbeitsplätze verlieren. Viele der bei Zulieferfirmen und angegliederten Betrieben beschäftigten 44.000 Arbeiter werden entlassen. Da die Auswirkungen in der gesamten Wirtschaft zu spüren sein werden, werden bis zu 150.000 weitere Arbeiter in die Arbeitslosigkeit geworfen werden. Arbeiterviertel in Südostaustralien werden zu Industriewüsten und Armenhäusern wie Detroit, das einstmalige Zentrum der amerikanischen Autoindustrie.

Die durch und durch korporatistischen Gewerkschaften, die bei jeder Umstrukturierung der Autofirmen mitgemacht haben, werden als Betriebspolizei eingesetzt werden und die „ordnungsgemäße Schließung“ der Betriebe erzwingen. Der nationale Sekretär der Australischen Industriearbeitergewerkschaft (AMWU), Dave Smith, erklärte, Toyotas Ankündigung verschaffe den Arbeitern „ein Gefühl der Erleichterung“, da sie jetzt ja „Gewissheit“ hätten. Mit anderen Worten: Das Todesurteil für die Autoindustrie ist eine vollendete Tatsache, die zu akzeptieren ist.

Sowohl die Gewerkschaften als auch die oppositionelle Labor Party versuchen die Wut der Arbeiter so umzulenken, dass sie die Koalitionsregierung von Premierminister Tony Abbott für die Schließungen der Autowerke verantwortlich machen, obwohl auch unter der vorherigen Labour-Regierung massenweise Arbeitsplätze vernichtet und Werke geschlossen wurden.

Der wahre Grund für die drohende soziale Verwüstung ist jedoch die Offensive, die seit dem Zusammenbruch des Kapitalismus 2008 auf der ganzen Welt gegen die Existenzbedingungen der Autoarbeiter geführt wird. Alle globalen Autokonzerne haben durch rücksichtslose Kostensenkungen auf Kosten der Arbeiterklasse in einem grimmigen Konkurrenzkampf um Marktanteile ihre Profite gesteigert.

Ford, GM und Chrysler schlossen mit Unterstützung der Gewerkschaft UAW Betriebe in den ganzen Vereinigten Staaten, entließen Zehntausende Arbeiter, kürzten die Renten und erzwangen ein gespaltenes Lohnsystem, bei dem neu Eingestellte kaum noch 15 Dollar pro Stunde verdienen. Der Angriff wird auf Europa und Asien ausgedehnt. Ford hat seit 2012 drei Werke in Europa geschlossen und 5.700 Arbeitsplätze vernichtet. Dieses Jahr beabsichtigt GMs Tochtergesellschaft Opel mit Unterstützung der deutschen Gewerkschaften das Werk in Bochum zu schließen und 3.500 Arbeitsplätze zu vernichten.

Toyotas weltweite Umstrukturierung war genauso brutal wie die der amerikanischen transnationalen Konzerne. In Japan forderte die Firma von ihren Zulieferern eine Kostensenkung von 30 bis 40 Prozent, was zu einer enormen Zunahme von so genannten „nicht-regulären“ Beschäftigten führte, die nur die Hälfte der Löhne der festangestellten Arbeiter bekommen und die ohne Zeitaufwand entlassen werden können. In den Werken von Toyota wurden die Löhne für sechs Jahre eingefroren, die Produktion zurückgefahren und in die Billiglohn-Betriebe im Süden Amerikas, in China und Thailand ausgelagert. Infolgedessen stiegen die Profite Toyotas sprunghaft auf beinahe 19 Milliarden US-Dollar, und die Geldrücklagen auf 39 Milliarden US-Dollar.

Australische Arbeiter wurden von den weltweiten Kostensenkungen nicht verschont. Zwischen 2008 und 2012 wurden in den Fabriken von Ford, GM und Toyota mehr als 2.500 Arbeitsplätze abgebaut. In den Konzernzentralen in Detroit und Tokio wurden die Verhältnisse in ihren australischen Werken jedoch im Vergleich zu denen in Asien und den USA als „nicht konkurrenzfähig“ beurteilt. Jetzt haben sie alle drei die Einstellung der Produktion beschlossen, womit sie die arbeitende Bevölkerung in allen ern erpressen, ständige Kostensenkungen zu akzeptieren, um nicht das gleiche Schicksal zu erfahren.

Die Entscheidung unterstreicht den skrupellosen, irrationalen und gesellschaftlich zerstörerischen Charakter des kapitalistischen Systems. Seit den 1980er Jahren wurden revolutionäre Fortschritte in Technologie, Transport- und Kommunikationswesen von den führenden Konzernen genutzt um globale Produktionsnetze zu entwickeln, die in einem beispiellosen Ausmaß die ganze Welt zu einer einzigen einheitlichen wirtschaftlichen Einheit verbinden. Unter kapitalistischen Bedingungen haben diese riesigen produktiven Kapazitäten indes Gewinne für die Finanzaristokratie und eine soziale Katastrophe für die Arbeiterklasse gebracht.

Die Lage, vor der die Autoarbeiter in Australien stehen, stellt ein vernichtendes historisches Urteil über alle nationalen politischen Programme dar, so über diejenigen der Labor Party und der Gewerkschaften, die behaupteten, der Kapitalismus könne innerhalb des Nationalstaats unter Kontrolle gehalten werden und biete den Rahmen für eine Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiterklasse. Der sorgfältig kultivierte Mythos der australischen Besonderheit entpuppt sich für die Arbeiter als katastrophal.

Keine der ausstralischen Besonderheiten, nicht die riesigen Naturschätze noch die geographische Abgeschiedenheit bieten der Arbeiterklasse einen Schutz vor den Diktaten des global organisierten Kapitals. Jede Region, die noch als Standort für industrielle Produktion weiter existieren will, muss Hungerlöhne und die uneingeschränkte Ausbeutung der Arbeiter durchsetzen. Die Rolle der Gewerkschaften besteht darin, Druck auf die Arbeiter auszuüben, damit sie eine Runde von Kosteneinsparungen nach der anderen akzeptieren auf die trügerische Versprechung hin, damit könnten die Arbeitsplätze verteidigt und die Produktion in Australien gehalten werden.

Drei Jahrzehnte lang hat die kapitalistische Globalisierung der Industrie und angegliederter Produktionszweige Arbeitsplatz um Arbeitsplatz systematisch zerstört. Wenn es nach der australischen und internationalen Kapitalistenklasse geht, eignet sich das Land lediglich als Standort für regionale Konzernniederlassungen, als Lieferant billiger Rohstoffe und als Destination für Spieler und Touristen.

Die Maßnahmen zur Zerstörung der australischen Autoindustrie sind eine Warnung für die Arbeiterklasse weltweit. In Australien wird das Schicksal der Autoarbeiter schon herangezogen, um das Ende „archaischer“, nicht mehr gerechtfertigter Bedingungen, wie Zulagen, und umfassende Verschlechterungen von Löhnen und Arbeitsbedingungen zu fordern. International wird dies benutzt werden, um Autoarbeiter zu bedrohen und einzuschüchtern, damit sie sich den nächsten Forderungen nach Kostensenkungen beugen.

Die Arbeiter müssen eine Bestandsaufnahme machen. Die globalen Strategien von Finanzkapital und transnationalen Konzernen können zu Fall gebracht werden, jedoch nur durch eine globale politische Strategie, die den Interessen der internationalen Arbeiterklasse entspricht: den weltweiten Sozialismus.

Die internationale Einheit der Arbeiterklasse ist die Grundlage für den historisch notwendigen politischen Kampf, mit dem die Kontrolle über die Produktivkräfte den Händen der kapitalistischen herrschenden Klasse entrissen, die Weltwirtschaft auf der Grundlage rationaler sozialistischer Planung neu organisiert und die Unterordnung des Wirtschaftslebens unter das Streben nach privatem Profit beendet wird. Bei der Entfaltung eines einheitlichen Kampfes gegen die Autokonglomerate sowie die ihnen dienstbaren Regierungen und Gewerkschaften müssen sich die Autoarbeiter in Australien und auf der ganzen Welt auf diese Perspektive stützen.

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