Peugeot-Citroën plant neue Massenentlassungen

Von Stéphane Hugues
5. Dezember 2014

Autohersteller Peugeot-Citroën (PSA) hat erneute Angriffe auf Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen bekannt gegeben. In den letzten drei Jahren wurden Tausende von Arbeitern entlassen und die Fabrik in Aulnay-sous-Bois geschlossen.

In der vergangenen Woche wurde die Streichung von 3.450 weiteren Arbeitsplätzen angekündigt. Darüber hinaus, so die Tageszeitung Le Monde, "werden von nun an bis zum Jahr 2016 bis zu 11.200 Mitarbeiter, davon achttausend auf Grundlage des Arbeitsplatzsicherheitsplans, den Autokonzern verlassen müssen".

In der Presse bestritt PSA diese Berichte umgehend. Doch im Laufe der letzten drei Jahre hat PSA die ersten Gerüchte über neue Angriffe auf Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen immer bestritten, bevor diese offiziell in Betriebsratssitzungen des Konzerns bestätigt wurden.

Dies ist über die Jahre zur altbekannten Taktik von PSA geworden: Das Unternehmen lässt inoffizielle Gerüchte verbreiten, während sie diese öffentlich leugnen, so dass die Gewerkschaften die Zeit haben, um Opposition unter den Arbeitern zu demobilisieren. Genauso handelte auch der stalinistische Gewerkschaftsbund CGT, der im Werk Aulnay-sous-Bois das Sagen hatte, das im Jahr 2013 geschlossen wurde.

Nach Angaben von Les Echos hat PSA in den vergangenen zehn Jahren 45.000 von insgesamt 127.000 Arbeitsplätzen durch Entlassungen, Werksschließungen und dem Verkauf von Tochtergesellschaften abgebaut. Die Gewerkschaften haben alles unterstützt.

Le Monde beschrieb die aktuelle Reaktion der Gewerkschaften geradeheraus: "Mit Ausnahme von ein paar CGT-Vertrauensleuten werden sich die Gewerkschaften bei PSA nicht aufregen, wenn auch in den kommenden Jahren Arbeitsplätze drastisch reduziert werden." In Wirklichkeit werden die Gewerkschaften gerade unter Führung der CGT, wie bereits in Aulnay, alles in ihrer Macht Stehende tun, um diese neuen Angriffe für PSA durchzusetzen.

Christian Lafaye, ein Funktionär der FO (Force Ouvrière), und Frank Don, ein führendes Mitglied der christlichen Gewerkschaft CFTC, sagten der Agentur AFP, PSA handle im Rahmen eines Wettbewerbsfähigkeitsabkommen, dem "Vertrag zur Angemessenheit von Jobs und Kompetenzen (DAJC) 2014" vom Oktober 2013. Dieser Vertrag fordert als Gegenleistung dafür, dass nicht noch mehr französischen PSA-Fabriken geschlossen werden, "schonend und ohne Zwang durchgeführte Strukturanpassungen". Das Dokument für das Jahr 2015 beruht auf dem DAJC von 2014, der von allen Gewerkschaften unterzeichnet wurde.

Die neusten, durchgesickerten Neuigkeiten entstammen dem 244 Seiten dicken Dokument DAJC 2015, das die Auswirkungen der neuen Wettbewerbs-Maßnahmen für 2015 genau schildert. PSA hat dieses Dokument den Gewerkschaften im Voraus, auf einer außerordentlichen Betriebsratssitzung am 24. November, zur Verfügung gestellt.

PSA hat es auf ältere Arbeitnehmer über fünfzig abgesehen, die 34 Prozent der Belegschaft ausmachen und in der Regel die höchsten Löhne bekommen, und auf Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze voraussichtlich wegfallen werden (29 Prozent der Belegschaft).

Das Dokument, das dem Betriebsrat vom PSA-Management präsentiert wurde, beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen für 2015: 1.500 Stellen durch "Abbau im Seniorenbereich"; 1.400 Stellen durch "interne Mobilität", 950 durch "gesicherte externe Mobilität"; die Aufnahme von 2.000 Jugendlichen mit "unterschiedlichen Verträgen" und die Einstellung von 550 Arbeitern mit "Kompetenzen unter Spannung".

Für einen Arbeitnehmer, der kurz vor dem Ruhestand steht, bedeutet ein "Seniorenabbau", dass er nur noch Teilzeit, für siebzig Prozent seines normalen Gehaltes, arbeiten soll. "Interne Mobilität" bedeutet, an einen anderen Job innerhalb von PSA versetzt zu werden. "Gesicherte externe Mobilität" heißt, zu einem Subunternehmer versetzt zu werden, mit dem Recht, innerhalb von zwei Jahren zu PSA zurückzukehren.

Diese letzte Maßnahme, die vor allem auf die Werke Poissy, Mulhouse und Rennes abzielt, kann unmöglich ohne Zwang durchgesetzt werden: Im Jahr 2014 haben nur fünfzig von 250 Mitarbeitern einer solchen Maßnahme zugestimmt. Das neue Ziel beträgt 950 Mitarbeiter.

"Unterschiedliche Verträge" für Jugendliche bedeutet, dass sie einen Arbeitsvertrag für einen bestimmten Zeitraum, von sechs Monaten bis zu zwei oder drei Jahren, erhalten. Jugendliche werden als Auszubildende angestellt, oder sie haben besondere Verträge für junge Arbeitnehmer aus anderen EU-Ländern oder spezielle subventionierte Forschungsaufträge für Studenten mit Master oder Doktorgrad. Weniger als ein Drittel dieser Jugendlichen werden eine feste Stellung erhalten, wenn ihr Vertrag endet.

550 Neueinstellungen sind als "Jobs unter Spannung" geplant (d.h. für Bereiche, in denen Arbeitskräfte mit besonderen Fähigkeiten fehlen). Nur zwei Drittel dieser 550 Stellen sollen aus dem Pool der Jugendlichen kommen.

Die jungen Arbeiter stehen also von Anfang an unter Niedriglohnbedingungen, mit dem Wissen, dass zwei Drittel von ihnen keine feste Anstellung erhalten werden.

Das PSA-Management plant, die Arbeitskosten von 15,1 Prozent des Umsatzes im Jahr 2013 auf 12,5 Prozent im Jahr 2016 zu reduzieren. Dies spart 1.100 Euros an Arbeitskosten pro Fahrzeug, das vom Band geht.

Das führt zu einer drastischen Kürzung der Gehälter bei höherem Stress, sobald die befristeten Verträge auslaufen und Arbeiter in Rente gehen. Die Produktivität wird stark ansteigen, und die Arbeiter werden immer intensiver ausgebeutet.

Kurz gesagt werden 950 Arbeiter entlassen, und die Löhne von 1.500 gutbezahlten älteren Arbeitnehmern werden um dreißig Prozent gesenkt. Die Belegschaft ist jetzt schon reduziert, weil 750 Arbeiter nur halbtags arbeiten. Sie werden temporär von zweitausend Jugendlichen mit Niedriglöhnen ersetzt. Von diesen Jugendlichen wird nur ein Drittel mit einem unbefristeten Vertrag bleiben. 1.400 Arbeiter werden versetzt, um profitabler eingesetzt zu werden, und 550 werden für Jobs angeheuert, bei denen es einen Mangel an Arbeitskräften gibt.

Hinzu kommt, dass diese Maßnahmen nur die sind, die PSA offiziell bekanntgegeben hat. In Aulnay kündigte PSA die ersten Entlassungen im Jahr 2013 an, und ein paar Monate später wurde das gesamte Werk geschlossen. Auf der Grundlage des Wettbewerbsfähigkeitsabkommens, das die Gewerkschaften unterzeichnet haben, wird es jedes Jahr neue Angriffe dieser Art geben.

Ein neues organisatorisches Verfahren von PSA, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhöhen, heißt "Kompaktierung". Es führt dazu, dass Komplexität und Rhythmus der Arbeit zusätzlich erhöht werden. Die Wirtschaftszeitung L'Usine Nouvelle (Neue Fabrik) erklärt es so: "Alle französischen PSA-Fabriken, abgesehen vom Werk Sochaux, werden im Jahr 2016 nur eine einzige Bandfertigung haben, auf der fünf oder sechs verschiedene Fahrzeuge gebaut werden können. Das bedeutet volle Flexibilität: Die Mehrproduktion eines Modells wird die reduzierte Produktion eines anderen ausgleichen."

PSA hat bereits begonnen, dies in die Tat umzusetzen. So wurden in den letzten zwei Jahren mehrere Bandfertigungen eingestellt, um die Produktion auf ein Band pro Werk zu konzentrieren. L'Usine Nouvelle kommt zum Schluss: "PSA und Renaults hoffen, ihre Werke im Jahr 2016 auszulasten. Die Firma Inovev [die Wettbewerbsfähigkeitsanalysen für die Automobilindustrie anfertigt] schätzt, dass Fabriken von Renault im Jahr 2014 eine 56-prozentige und Fabriken von PSA eine 69-prozentige Kapazität erreichen werden. (...) Mit wettbewerbsfähigen Produktionskosten wollen die französischen Werkstätten Aufträge von anderen Fabriken im gleichen Konzern oder von andern Vertragspartnern gewinnen."