The Interview: der neueste Blockbuster von CIA Pictures

Von Andre Damon und David Walsh
31. Dezember 2014

Regie: Seth Rogen und Evan Goldberg, Drehbuch: Dan Sterling

The Interview, eine Hollywood-Komödie über zwei Promijournalisten, die von der CIA angeheuert werden, um den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un zu ermorden, ist entgegen aller Wahrscheinlichkeit ins Zentrum der internationalen Geopolitik gerückt. Der Leser wird vermutlich mit der Kontroverse vertraut sein, die Sony Pictures zuerst dazu veranlasst hatte, den Film als Reaktion auf Drohungen von Hackern aus dem Verleih zu nehmen, die tausende von peinlichen internen Studio-E-Mails und Dokumenten veröffentlicht hatten, bevor er letzte Woche doch noch in die Kinos kam.

The Interview

Die beiden Regisseure Seth Rogen (der auch eine Hauptrolle spielt) und Evan Goldberg und Drehbuchautor Dan Sterling haben einen Film geschaffen, der größtenteils aus einer Reihe von zusammenhanglosen vulgären Witzen und einer Handlung besteht, die staatliche Morde verherrlicht. Eine ziemlich zutreffende Charakterisierungen des Films lässt sich in den E-Mails von Sony-Vorständen finden, die den Film als "grauenhaft unlustig und monoton" bezeichneten. Die Studio-Funktionäre nannten den Film einen "weiteren Fehlschlag" von Rogen und [Schauspieler James] Franco, in dem "Franco wieder einmal beweist, dass seine Stärke darin liegt, andere zu nerven."

Die Vorstellung des Films von Komik lässt sich am besten beschreiben mit: "wenn man genug Schlamm an die Wand wirft, wird etwas davon hängen bleiben." Zu den Themen, die in dieser "Satire" behandelt werden, gehören Inzest, Zoophilie, Sodomie, Fäkalien, Urin und verschiedene andere Körperfunktionen.

Franco spielt Dave Skylark, Moderator einer niveaulosen Promi-Talkshow, Rogen spielt dessen Produzenten Aaron Rapaport. Letzterer versucht zu beweisen, dass er in der Lage ist, über "echte Nachrichten" zu berichten und beschließt, ein Interview mit Kim Jong-un (Randall Park) zu organisieren. Zu Rapaports Überraschung erklärt sich der nordkoreanische Staatschef, der ein Fan von Skylarks Show ist, zu dem weltweit übertragenen Interview bereit. Die CIA erfährt von dem bevorstehenden Ereignis, und CIA-Agentin Lacey (Lizzy Caplan) schlägt den beiden vor, Kim bei dieser Reise zu ermorden. Die beiden stimmen ohne großes Zögern zu.

Als die beiden amerikanischen Journalisten in Nordkorea eintreffen, erliegt Skylark Kims verführerischem Charme. Das ungleiche Paar verbringt einen Tag damit, Basketball zu spielen, Margaritas zu trinken, mit hübschen Mädchen herumzuhängen und unternimmt schließlich eine Spazierfahrt in einem Panzer; der Talkshowmoderator ist zu diesem Zeitpunkt bereits völlig von Kim eingenommen. Allerdings schockiert der nordkoreanische Führer Skylark, als er auf den mehr oder weniger versehentlichen Tod seiner beiden Assistenten mit einem Wutanfall reagiert und androht "eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt und in meinem eigenen Land" zu verbrennen. Außerdem entdeckt Skylark am gleichen Abend, dass ein gut gefüllter Lebensmittelladen, an dem er vorher während seiner Reise vorbeigefahren ist, eine Attrappe ist. Daraufhin ist er wieder entschlossen, den Plan zur Ermordung Kims auszuführen.

Skylark erklärt, er beabsichtige, Kim in dem Interview zum Weinen zu bringen (und damit der Bevölkerung Nordkoreas zu zeigen, dass ihr Führer kein Gott ist) und schafft dies, indem er Kim auf seine Vorliebe für Margaritas anspricht und einen albernen Popsong singt, den der oberste Führer mag. Kim macht sich daraufhin beschämt in die Hosen, und Skylark erklärt: "Ladies und Gentlemen, Kim Jong-un hat sich soeben in die Hose gekackt." Das löst angeblich einen Aufstand im Land aus.

Im Videokontrollraum wehren Rapaport und Sook (Diana Bang), eine wichtige nordkoreanische Funktionärin, einen Angriff von Wachen ab. Dabei ist in mehreren Großaufnahmen zu sehen, wie Finger abgebissen werden. Sook, Rapaport und Skylark entkommen in einem Panzer, mit dessen großkalibriger Kanone sie (in Zeitlupe) Kim den Kopf wegschießen. Das Duo wird daraufhin vom Seal Team Six gerettet, der amerikanischen Kommandoeinheit, die Osama bin Laden ermordet hat.

The Interview

Im Rahmen des Films ist seltsamerweise die einzige Person, für die der Zuschauer wirklich Sympathie empfindet, Kim selbst, der von Park sehr unterhaltsam gespielt wird.

Diese magere, unglaubwürdige und schrecklich unlustige Geschichte wird durch zahllose und überstrapazierte Witze 112 nervtötende Minuten lang in die Länge gezogen. Neben den oben genannten Themen des angeblichen Humors sollte man noch die Witze auf Kosten von Afroamerikanern, Frauen und Asiaten erwähnen. Die zweite Hälfte macht viel Gebrauch von klischeehaften Asiatenwitzen wie "Ratet mal, wer nach Amerika geht, wo man keine Hunde isst." Als wäre das noch nicht genug, hielten es die Macher auch für nötig, Dinge hinzuzufügen wie "gib ihm nicht die Hand, Aaron ist Jude!" Und kein Film dieses Genres wäre komplett ohne kindischen Sexismus, der sich gegen die beiden bedauernswerten weiblichen Charaktere Agent Lacey und Sook richtet.

Man möchte sich für die beteiligten Darsteller und die Filmcrew schämen, und dafür, den Film gesehen zu haben.

Ist das nur "pubertärer Humor?" Obwohl Pubertierende darauf anspringen werden, steckt hinter The Interview noch etwas anderes, etwas viel Ekelhafteres und "Erwachseneres."

Rogens und Goldbergs Werk ist eine konzentrierte Ansammlung der schlimmsten Aspekte des modernen amerikanischen Kinos. Es kombiniert auf unangenehme Weise die Niveaulosigkeit, Vulgarität und Geschmacklosigkeit von Blockbustern wie der Hangover-Serie (und anderen Rogen-Judd Apatow-Werken), die sadistische Gewalt von Quentin Tarantino und Kathryn Bigelows Begeisterung für den Militär- und Geheimdienstapparat (wie in Zero Dark Thirty).

Was letzteres angeht, so verherrlicht der Film nicht nur die CIA, alias "Murder Inc.", sondern ist auch mit Ehrenbezeugungen für das Militär angereichert, unter anderem mit einer überzeugend gemachten Szene, in der ein Drohnenpilot eine Rakete abfeuert, der Auftritt der Navy-Kommandos und mehrere dramatische Schnitte auf Soldaten, die das Interview mit Kim ansehen.

Der Film stinkt nicht nur nach politischem Unwissen, sondern auch nach Faulheit und intellektueller Selbstzufriedenheit. Seine wohlhabenden Produzenten tun und repräsentieren, was ihnen "natürlich" erscheint, was auch immer am einfachsten und am unkompliziertesten ist, d.h., sie passen sich an alle elenden kleinbürgerlichen Vorurteile der Welt an. The Interview ist das Werk von Menschen, die beschlossen haben, völlig und rückhaltlos mit dem (bürgerlichen, konventionellen, üblen) Strom zu schwimmen. Aus den rassistischen Beleidigungen, der Rückständigkeit, den sexuellen Anspielungen und der proimperialistischen Perspektive selbst spricht ein gehobenes Kleinbürgertum, das mit liberaler Seriosität und Zurückhaltung gebrochen hat.

An The Interview ist nichts wirklich Kritisches oder Unkonventionelles. Die Behauptung, er "ecke an" basiert auf der Tatsache, dass angeblich kein Thema tabu ist. Ja, nichts ist tabu... abgesehen von Amerikas Außenpolitik, den Operationen seines Militärs und seiner Geheimdienste, seinen geopolitischen Interessen und vielem mehr. Der Humor hat nichts befreiendes, weil er aus einer privilegierten und offiziell finanzierten Quelle kommt. Die Kritik der Filmemacher an "politischer Korrektheit" oder Identitätspolitik kommt, wenn überhaupt, von rechts.

Wie mutig sind Rogen und Goldberg doch, mit der vollen Rückendeckung des amerikanischen Staates und der Medien einen Film über Kim Jong-un zu drehen! Fürwahr, welch ein Mut und welch eine Tapferkeit!

Die meisten Kritiker waren begeistert davon. Peter Travers vom Rolling Stone kommt beispielsweise zu dem Schluss, der Film sei "dumm. Er ist geschmacklos. Er [ist] unmöglich." Doch dann fügt Travers hinzu: "Es ist eine Farce, Leute." Weiter erklärt er: "The Interview trifft mit seiner schlüpfrigen Unterhaltung und pointiertem Spott den Nerv des Publikums, weil Franco und Rogen urkomisch sind und keine Angst haben, heiße Eisen anzufassen. Das ist der American Way."

Laut den Schöpfern von The Interview und veröffentlichter interner Korrespondenz von Sony wurde der Film in Zusammenarbeit mit amerikanischen Geheimdiensten und dem US-Außenministerium produziert. Nachdem Sony angekündigt hatte, es werde seine Pläne, den Film zu veröffentlichen, realisieren, erklärte Präsident Barack Obama, der zu dem Zeitpunkt Urlaub auf Hawaii machte, während eines Golfspiels: "Ich bin froh, dass er veröffentlicht wird."

Rogens und Goldbergs Werk wird als Amerikas Antwort auf Nordkoreas Totalitarismus dargestellt. Die Veröffentlichung von The Interview beweist scheinbar, dass es in Amerika noch das Recht auf künstlerische Freiheit gibt. Wenn das amerikanische Establishment neuerdings solch trivialen Schund als Grund hernimmt, um im Weltmaßstab seine "Werte" zu propagieren, deutet das selbst auf eine tiefe soziale und kulturelle Krise hin.

Der Film ist nicht nur ein Zeugnis für die banale Vulgarität der Hollywood-"Elite", sondern womöglich auch ein treffendes Beispiel für das kulturelle und moralische Niveau amerikanischer Staatsvertreter. Man hat den Eindruck, dass die meisten Zuschauer den Film zwar "grauenhaft unlustig" finden werden, dass jedoch die kranken Individuen, die sich die sadistischen Foltermethoden ausgedacht haben, die der vor kurzem veröffentlichte Senatsbericht beschreibt, davon begeistert sein werden.

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