Opel-Arbeiter unterstützen Kampf der US-Autoarbeiter bei Fiat-Chrysler

Von unseren Reportern
10. Oktober 2015

Unter Opel-Arbeitern stößt der Kampf der Fiat-Chrysler-Arbeiter in den USA auf große Resonanz. Am Freitag sprachen Reporter der WSWS mit Arbeitern vor dem Werk in Rüsselsheim. Viele Opel-Arbeiter hatten die WSWS-Artikel gelesen, die vor der Frühschicht verteilt wurden, und blieben nach der Schicht stehen, um sich solidarisch mit ihren amerikanischen Kollegen zu erklären.

Opel Rüsselsheim

Die Rüsselsheimer Arbeiter finden es gut, dass die Fiat-Chrysler-Arbeiter gegen die amerikanische Autoarbeitergewerkschaft UAW rebellieren und einen Vertrag abgelehnt haben, der zahlreiche Verschlechterungen beinhaltet und für dieselbe Arbeit ungleiche Löhne festschreibt.

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, das ist offenbar auch in Rüsselsheim ein akutes Thema. Mehrere Arbeiter berichten, dass im Opel-Stammwerk seit Jahren die unterschiedlichsten Arbeitsverhältnisse vorherrschen, wobei die Arbeiter am Band oft dieselbe Arbeit zu ganz unterschiedlichen Bedingungen verrichten. Zeitarbeitsfirmen wie Adecco, Wico, Persona Services und SCR sind im Werk tätig.

Albert

Albert: „Ich hoffe sehr, dass diese Arbeiter in den USA gewinnen. In dem Artikel steht ja, dass die jungen Autoarbeiter mit viel weniger Lohn anfangen müssen, weil die UAW zwei unterschiedliche Tarife im Betrieb akzeptiert. Das ist alles nichts. Ich hoffe sehr, dass die Arbeiter diese Angriffe abwehren können.“

„Aber wir kennen das alles auch hier bei Opel“, fährt er fort. „Das ist unser System mit den Leiharbeitern. So etwas ist einfach sittenwidrig. Ich selbst arbeite als Leihmonteur, und als solcher lebt man immer im Ungewissen. Weil der Betrieb hier ein Monopol hat, wird gar nicht mehr geschaut, welche Leistung einer bringen kann, sondern sie nehmen von vornherein Leihmonteure von einer Fremdfirma.“

Albert berichtet, dass es an diesem Freitag, dem 9. Oktober, auf der Betriebsversammlung um den Mindestlohn gegangen sei. Man sei drauf und dran, im Zusammenhang mit der Einstellung von Flüchtlingen den Mindestlohn wieder abzuschaffen oder aufzuweichen. „Das ist ein reiner Vorwand: So etwas darf auf keinen Fall akzeptiert werden!“ sagt er. „Arbeit gibt es genug, und die Unternehmer und Geschäftsführer werden immer reicher. Das ist ein absolutes Unding.“

Ein Produktionsarbeiter namens Jacques sagt: „Es ist bekannt, dass die amerikanischen Autowerke von einer Mafia betrieben werden, und dass sie die Gewerkschaften im Sack haben. Aber hier ist es auch nicht viel anders. Über die Endmontage will ich gar nicht erst reden, da herrschen schlimme Verhältnisse. Der Druck hat stark zugenommen, seitdem Opel-Bochum geschlossen wurde. Das kann hier rasch wechseln: Einmal wird extrem viel gearbeitet, und dann fahren wir wieder Kurzarbeit.“

Ein älterer Arbeiter sagt: „Ich möchte den Arbeitern in Amerika meine Solidarität aussprechen. Es ist sinnvoll, für seine Rechte zu kämpfen. Hier hat sich meiner Meinung nach die Situation ein wenig verbessert, seitdem über hundert Leiharbeiter übernommen wurden oder ihr Lohn angeglichen wurde. Aber es stimmt, dass die Werke in Bochum und Antwerpen geschlossen wurden. Und auch hier in Rüsselsheim existieren nach wie vor die Leiharbeitsfirmen.“

Patrick, ein Leiharbeiter, der vor kurzem als Opel-Arbeiter übernommen wurde, berichtet, was es mit der Übernahme der Leiharbeiter auf sich hat: „Ich bin jetzt seit zwei Jahren hier im Betrieb; zwei Jahre lang habe ich als Leiharbeiter gearbeitet, und jetzt endlich habe ich einen Festvertrag erhalten. Aber die gleichen Bedingungen wie die Festangestellten habe ich immer noch nicht, sondern ich muss mit dem Lohn wieder von vorne anfangen und verdiene jetzt weniger als vorher, obwohl ich die gleiche Arbeit mache.“ Zum Arbeitskampf bei Fiat-Chrysler sagt Patrick: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das wäre sehr gut, wenn es so wäre. Ich hoffe, die amerikanischen Arbeiter schaffen das!“

Frank findet: „Die Rebellion der Kollegen in den USA ist richtig.“ Er berichtet: „Hier in Rüsselsheim verzichten wir seit Jahr und Tag auf Weihnachts- und Urlaubsgelder, um das Unternehmen zu retten, wie uns gesagt wird. Unsere Tariferhöhungen werden immer bis zur nächsten Erhöhung gestundet. All diese Gelder sollen wir zurückbekommen, wenn die Firma mal wieder Gewinn macht. Zurzeit fahren wir aber Kurzarbeit, weil die Autos, die wir in Rüsselsheim zusammenbauen, der Zafira und der Insignia, ältere Modelle und am Markt nicht mehr so gefragt sein sollen.“

Ahmed unterstützt den Arbeitskampf bei Fiat-Chrysler mit den Worten: „Ich finde es prima, dass die Arbeiter dort für die Wahrheit und für die Gleichberechtigung kämpfen. Die Gewerkschaft spielt uns immer eine Rolle vor, als ob sie die Arbeiter verteidigen würden, aber das ist nicht die Wirklichkeit. Sie arbeiten eng mit den oberen Chefs zusammen. Man merkt ja, dass es nicht vorwärts geht, sondern alles wird schlechter statt besser. Das sind ja alles nur vorgespielte Karten.“

Ahmed unterstützt den Vorschlag, dass Arbeiter international gemeinsam gegen die Konzerne kämpfen sollten: „Ja, das ist auf jeden Fall richtig. Unsere Bedingungen sind doch die gleichen, ob du hier schaffst, oder in Spanien, in Rostock oder in den USA: Jeder sollte die gleichen Rechte haben. Wir können nur was erreichen, wenn wir alle zusammen kämpfen.“

Elleni

Elleni arbeitet schon seit vielen Jahren im Betrieb. Sie hat den Bericht über den Kampf bei Fiat-Chrysler gelesen und sagt: „Ich finde es gut, dass diese Arbeiter gegen die Ungerechtigkeit kämpfen! Alle müssen die gleichen Rechte haben. Ich bin ja schon lange dabei. Als ich anfing, in den 1980er Jahren, da kam man nach sechs Wochen in eine höhere Stufe, und dann ging‘s Schritt für Schritt immer weiter nach oben, und die Prämien kamen noch hinzu. Aber was kriegt man heute? Vom Weihnachtsgeld habe ich seit langem höchstens fünfzig Prozent erhalten.“

Elleni stammt aus Griechenland, und sie sagt: „Mir gefällt, dass ihr über solche Sachen schreibt. Die Medien sind sehr voreingenommen. Es war sehr schlimm, dass die Medien den ganzen Sommer so schlecht über Griechenland geredet haben. Mit ihrer Hetze haben sie einen richtigen Hass auf die Griechen geschürt. Warum sagen sie nicht einfach, dass die Banken schuld sind? Warum heißt es immer ‚die Griechen‘?“

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